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Depp gegen Heard

Dem Feminismus ins Bett gekackt

Depp gegen Heard: Dem Feminismus ins Bett gekackt
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Der Fall Johnny Depp vs. Amber Heard ist eine feministische Farce, die AntifeministInnen recht gibt und FeministInnen unter richtigen Vorzeichen in den Rücken fällt.

Hat sie ihm jetzt ins Bett gekackt und seine rechte Mittelfingerkuppe mit den Scherben einer Wodkaflasche abgeschnitten oder nicht? Wieviel Koks hat er tatsächlich mit "Schockrocker" Marilyn Manson geballert? Und hat er ihr eine geballert? Schmierte sie wirklich roten Nagellack in ein Taschentuch, um eine gebrochene Nase vorzutäuschen, als sie wie eine Irre hinter ihm her- und gegen knallende Badezimmertüren rannte, hinter denen er sich im Penthouse vor ihren Gewaltausbrüchen in Sicherheit brachte? Wurde sie wirklich von Leuten dabei erwischt, wie sie in einem Telefongespräch so tat, als würde sie von ihm verprügelt werden? Und wer genau wollte jetzt nochmal ihre Leiche verbrennen und ficken?

Die Wahrheit über die verstörenden Details einer einjährigen Trash-Ehe zweier Hollywood-Stars kennen nur sie selbst. Doch egal, ob man den ganzen Schund wissen will oder nicht: Niemand kommt momentan um mindestens eine Schlagzeile herum, die den spektakulärsten Scheidungskrieg zum Gegenstand hat, den das Internet je gestreamt hat. Seit mehreren Wochen kann jeder Mensch der Welt mit Internetzugang live in dem US-Gerichtssaal in Virginia dabei sein, in dem Schauspieler Johnny Depp und Schauspielerin Amber Heard sich gegenseitig öffentlich hinrichten, sich auf bis zu 100 Millionen Dollar verklagen – und damit AntifeministInnen triggern, die ein Weltbild bestätigt sehen, in dem "MeToo" schon immer eine verleumderische Männerhasskampagne von rachsüchtigen, geldgeilen Ex-Frauen war.

Heard sieht sich früh sexuell belästigt

Dabei schien der Fall zunächst ziemlich klar: Heard veröffentlichte nach ihrer Scheidung von Depp im Jahr 2016 und einer einstweiligen Verfügung gegen ihn, weil er sie verprügelt haben soll, im Jahr 2018 einen Gastbeitrag in der "Washington Post" mit dem Titel "Ich habe mich gegen sexuelle Gewalt ausgesprochen – und den Zorn unserer Kultur auf mich gezogen. Das muss sich ändern". Ein gut geschriebener Text zu einer Zeit, in der die MeToo-Debatte, ausgelöst durch den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein, weltweit in vollem Gange war, und unzählige Frauen ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen unter dem Hashtag "metoo" publik machten. Bereits im College-Alter sei sie sexuell belästigt und angegriffen worden. Ein großes Ding daraus gemacht habe sie aber nie. Wer hätte ihre Beschwerden auch ernst genommen – so das Mindset, in dem sich viele Frauen weltweit wiederfanden.

Und so sprach die Autorin in ihrem Text auch tausenden Frauen aus der Seele, als sie über einen Effekt schrieb, den man parallel zu "MeToo" beobachten konnte. Als Heard ihre Erfahrungen mit häuslicher Gewalt in ihrer Ehe öffentlich machte, sei sie nämlich doppelt geschlagen worden: Von einem gewalttätigen Ex-Ehemann und von einer Gesellschaft, die Frauen abstraft, die sich öffentlich gegen häusliche Gewalt aussprechen. Amber Heards Text passte im Jahr 2018 wie die Faust aufs Auge: In einer Welle schwappten ins Medienland immer mehr Fälle von bekannten Männern, die Frauen belästigt, missbraucht oder vergewaltigt hatten. Von der Schauspiel- bis zur Musikindustrie, von Politik bis Wissenschaft kamen weltweit immer mehr Fälle ans Licht, in denen Frauen von ihren Erfahrungen mit übergriffigen Männern berichteten. Ein feministischer Durchbruch, der sexuelle Übergriffe entnormalisierte und eine gesellschaftliche Bewusstwerdung global vorantrieb.

Plötzlich war es keine feministische Verschwörungstheorie mehr, dass es ein systematisches Problem mit übergriffigen Männer gibt, und eine Gesellschaft, die Täter schützt. "Dass Institutionen Männer beschützen", die des Missbrauchs beschuldigt werden, wie Amber Heard schrieb. Dass ein machtvoller Mann wie eine Titanic sei: "Dieses Schiff ist ein Riesenunternehmen. Wenn es gegen einen Eisberg fährt, versuchen eine Menge Leute an Bord verzweifelt, die Löcher zu stopfen – nicht etwa, weil sie besorgt um das Schiff sind, sondern weil ihr eigenes Schicksal an diesem Unternehmen hängt." Und so mutierte auch Johnny Depp zum Täter und Käpt’n Jack Sparrow seiner eigenen Titanic, als Amber Heard eine Verfügung gegen ihn erwirkte, weil er sie grün und blau geschlagen haben soll. Obwohl die Schauspielerin in ihrem Beitrag für die "Washington Post" keinen Namen nannte, war allen klar: Johnny Depp schlägt Frauen. Die britische "Sun" nannte Depp aufgrund von Amber Heards mutigem Vorstoß "Frauenschläger". Der Stempel war gesetzt.

Und plötzlich dreht Depp den Spieß um

Doch dann passierte etwa Unfassbares. Der gecancelte "Frauenschläger" Johnny Depp wollte, dass die ganze Welt weiß, dass seine Ex-Frau die Schlägerin ist. Dass er schon von seiner eigenen Mutter verdroschen wurde, die auch den Vater "fast totgeschlagen" hätte. Dass er seit seiner Kindheit Gewalt erfahren hatte und als erwachsener Mann wieder in eine gewaltvolle Beziehung mit einer gewalttätigen Frau gerutscht sei, weil er wie sein Vater dachte, dass das irgendwann aufhört, wenn man es nur lange genug erträgt – und sich mit Alkohol und Drogen betäubt. Dass er noch nie eine Frau geschlagen habe. Deshalb hat er ein gigantisches Gerichtsverfahren initiiert, in dem er all das mit Zeugen belegt. In dem alles, aber auch alles auf den Tisch soll, das Amber Heard ihm jahrelang im Windschatten der "MeToo"-Debatte angehängt hatte: Ihre Wutausbrüche, ihre Schläge, die körperliche und psychische Gewalt, die sie ihm während ihrer Ehe angetan haben soll.

Man kann manchmal fast nicht in Heards Gesicht schauen, wenn sie etwa von ihrer Anwältin ein Make-Up-Döschen präsentieren lässt, das sie immer in ihrer Handtasche dabeigehabt haben will, um blaue Flecken und gebrochene Nasen zu überschminken, obwohl das Produkt erst ein, zwei Jahre nach den angeblichen Vorfällen auf den Markt kam – das hatte der Makeup-Hersteller klargestellt, als er mitbekam, wie sich bei Heards Lügen die Balken biegen. Trotz drei Wochen Live-Gerichtssendung und kaum auszuhaltenden, fremdbeschämenden Intima aus den Beziehungsstreits zweier Hollywood-Größen ist zwar noch lange kein Urteil gesprochen, doch schon jetzt klar: Es gibt mehr valide Gründe zur Annahme, dass Amber Heard Johnny Depp misshandelt hat, als andersrum. Mittlerweile wurde ihr sogar eine histrionische Boderlinestörung bescheinigt, ein psychisches Krankheitsbild, das plötzliche Gewaltausbrüche, Lügen und krankhafte Selbstinszenierung begünstigt.

Das Narrativ der fiesen Exfrau sitzt tief

Doch am bizarren Fall Depp vs. Heard kann man gut beobachten, wie tief das ewige Narrativ der fiesen Exfrau, die einem unschuldigen Ehrenmann das Leben zerstören will, immer noch wie ein sexistischer Spreißel in der Gesellschaft sitzt. Trotz – oder gerade wegen "MeToo". Denn mit der emanzipativen Bewegung kam auch das konservative Gejammere darüber, dass viele Frauen ja nur die Karrieren von Männer zerstören wollten mit ihren öffentlichkeitsgeilen Aufschreien – eine antifeministische Erzählung, die jedem öffentlich gemachten Fall von Missbrauch per se Kalkül, Rachsucht, Geldgeilheit oder andere niedere Antriebe unterstellt und damit Wut gegen Frauen generiert.

Jetzt haben die AntifeministInnen recht. Und spekulieren in den sozialen Medien schon darüber, welcher bekannte Mann, der öffentlich als Täter geoutet wurde, auch unschuldig sein könnte. Eine feministische Farce angesichts der Tatsache, dass jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners stirbt und viele Medien diese Taten immer noch mit "Beziehungstat" oder "Ehedrama" betiteln, den Frauen also eine Mitschuld an ihrem eigenen Tod geben.


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3 Kommentare verfügbar

  • Die Lerche
    vor 2 Wochen
    Antworten
    Leider erschließt sich mir nicht, warum eine kluge Kolumnistin von Kontext, sich mit Fragen des Boulevard-Journalismus beschäftigt. Das sollte Kontext doch lieber der "Bunten" und anderen Blättern der Regenbogenpresse überlassen.

    Ich lese die Kolumnen von Elena Wolf immer gerne (im Gegensatz zu…
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