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Vor der Kaserne, vor dem großen Tor

Vor der Kaserne, vor dem großen Tor
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Es gibt immer und überall ein Für und Wider, wie bei Boris Palmer. Wenn er bei den Grünen ausgeschlossen würde, wär' das genauso schlimm wie ein Tatort ohne den Antifaschisten Ulrich Tukur. Mal ganz unter uns: Was haben die Kolleginnen und Kollegen aus der Branche im Laufe der Jahre nicht alles versucht, um die Zivilgesellschaft zu befördern, sich einzumischen bei Terror, Ausländerhass, Flüchtlingselend! Immer und immer wieder engagierte Wortmeldungen von Liefers, Bruch und Brüggemann, Aufrufe, Appelle, ob's nun um Auschwitz oder Antifa ging, um Pflegenotstand, Hartz IV, Hanau oder Hanau! Leider hab' ich die Quellen verschüttet und finde jetzt die frechen Statements von Gummich, Gültekin oder Gnann nicht mehr, keine Leserbriefe der Stars, nix. Wahrscheinlich Zensur.

Humor ist nicht jedermanns Sache, aber wem sagen Sie das? Richtig ist: Man muss die Kirche im Dorf lassen, auch bei allen Segnungen für die Heteros – und die Soldaten in den Kasernen. Sie mögen einwenden, wer denn dann unsere Kinder vor dem Impfterror der Regierung schützt, vor unvorstellbaren Qualen? Die Gebirgsjäger! In Bad Reichenhall wirkt neben dem Gebirgsjägerbataillon 231 die Gruppe Querdenken-861. Die forderte dieser Tage bei einer Demo vor der Kaserne das Militär auf, endlich einzumarschieren, denn: "Die Polizei schützt die Kinder nicht mehr, die Richter nehmen den Eltern die Kinder weg. Die letzte Instanz ist die Bundeswehr. Paragraf 81."

Ein Fingerzeig? § 81 regelt Strafen für Hochverrat, der in Corona-Zeiten von der herrschenden Politik begangen würde, so die Truppe vor den Toren. Vielleicht ist es da doch sinnvoller, in Calw zu demonstrieren und Brigadegeneral Markus Kreitmayr die querdenkende Solidarität zu erklären wie am Montag? Zweikampf für die Demokratie! Die Gebirgsjäger waren übrigens nicht am Raub der Sabinerinnen beteiligt, das war 'ne andre Truppe, eine mit Nazihintergrund. So was gibt's heute gar nicht mehr. Aber noch jede Menge Raubkunst, und die bleibt! Der Wald steht schwarz und schweiget ... wie bei Tesla. 

Alle finden Tesla toll, nur ich nicht. Warum? Weil Wald und Wasser und Erden dort im Spreewald immer seltener werden. Man muss immer tiefer buddeln und bald bis China fahren, um den seltenen Sand für die Batterien zu kaufen. Doch abgesehen davon will ja der US-Autobauer in Grünheide auch viel Wasser verbrauchen. Das hat durchaus gute Seiten. Denn bekanntlich steht das Wasser den Berlinern längst bis zum Halse – beim Sinken des Grundwasserstandes im Umland würden sie also indirekt profitieren. Auch der zweite Vorwurf ist entkräftet: Tesla fällt zwar sehr viele Bäume. Aber eben längst nicht alle! So ist das eben mit den Nachrichten über Tukur, Gebirgsjäger und Pressefreiheit. Die Zeitungen werden zwar dünner – aber dass da weniger Papier und ergo weniger Wald verbraucht wird, das sagt mal wieder keiner. In Polen hat jetzt der staatliche Mineralölkonzern Orlon die Schnauze voll von kritischem Journalismus und etliche Zeitungen samt den europäischen Werten aufgekauft und die Chefredakteure ausgewechselt. PiS die Wand an, wie der Pole sagt. Aber sowas kann bei uns nie passieren.


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator von Bürgerprojekten. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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