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Flammenwerfer?

Flammenwerfer?
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500 Spezialkräfte der Polizei haben letzte Woche in drei Bundesländern eine Razzia veranstaltet – die vorgewarnten Neonazis stehen im Verdacht von Geldwäsche, Waffen- und Drogenhandel –, damit Deutschland endlich wieder sauber wird. Für Sauberkeit möchten landauf, landab auch junge Demokraten sorgen, die "Nazis von der Straße fegen" wollen.

Just das erinnert meine Omi Glimbzsch aus Zittau an die Sehnsucht vieler Menschen im Jahr 1933 ff., die sich nach einem Mann sehnten, "der diesen Augiasstall mit eisernem Besen ausfegt". Die linksradikale Omi, erfahren im Straßenkampf der Gespaltenen und Schwächeren, landete 1937 im KZ Buchenwald. Dort wusste sie dann, „dass die Nazis einen festen Grundsatz hatten: Für jeden SA-Mann, der von den Genossen der Eisernen Front verprügelt wurde, mussten drei Kommunisten dran glauben. Mindestens."

Vor 30 Jahren wurde der in Mosambik geborene Jorge João Gomondai in Dresden aus einer fahrenden Straßenbahn geworfen und starb. Die Straßenbahn sollte "sauber bleiben", schrieen die Rassisten. "Alle woll'n dasselbe: Nazis in die Elbe", riefen wir nach dem Trauermarsch. Trauer und Wut. Aber wer Sprachbilder nicht hinterfragt, verinnerlicht die Gewalt der Sprache, die zur Gewalt der Straße führen kann. Beim Friedenszug der FDJ zu den Weltfestspielen der Jugend in Moskau 1985 wurden die Genossen Vertragsarbeiter aus Afrika gern mal zum Lokführer geschickt. Sie sollten fragen, ob er noch Braunkohle braucht. Großes Gelächter auf allen Seiten. Das Wort ist geblieben, die Mosambikaner mussten abhauen.

Ja, es ist alles nicht so, wie es sein sollte. Gorbatschow auch nicht. Mann, ist der alt geworden! Heute erinnert man sich, je nach Standort, öfters an den Genossen, weil der eben 90 Jahre alt wurde – erinnert man sich also an Verrat oder Verdienst. Vergessen wird dabei meist, dass Michail Sergejewitsch G. mehr vom Verhandeln hält als von Sanktionen oder Militärbündnissen. Ein Friedenshardliner.

Apropos Waffen: Videos mit der Drohne drehen, das kann fast jeder, der eine hat. Aber ein Wespennest hoch in den Gipfeln abfackeln, da wird's schon schwieriger. Abhilfe schafft da eine Drohne mit Flammenwerfer, die bei unseren Verbündeten in den USA fast überall frei verkäuflich zu finden ist – genau wie ein stinknormaler herkömmlicher Flammenwerfer. Die Flammenwerfer bei der Bundeswehr sind allerdings längst außer Dienst gestellt. Aber wohin?


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator von Bürgerprojekten. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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