Ausgabe 347
Kolumne

Berliner Fenstersturz

Von Peter Grohmann
Datum: 22.11.2017

Die Katze lauert stumm und still, wenn sie Mäuse fangen will …

Heißt die Katze Lindner oder ist die FDP das Mäusle? Gewonnen – beides ist richtig! Natürlich war die tägliche Show am Balkon nur üble Taktik von Christian Lindner – immer rechts neben Merkel. Der Berliner Fenstersturz der Möchtegern-Jamaikaner ist aber vor allem dem Tatort selbst geschuldet: Dem Fluidum der baden-württembergischen Landesvertretung und ihrer Schwerkraft. Also aus der Traum und zurück auf den Boden des Grundgesetzes?

Die bisweilen gehässigen Kommentare der Leitmedien (ja, ich weiß, aber es stimmt dennoch) gelten in erster Linie dem liberalen Diktator Lindner höchstpersönlich und lassen alles andere außen vor. Wolfgang Kubicki war bestenfalls der Feuermelder und Nicola Beer, beide FDP, kam nur ins Bild, wenn jemand für ein gelbes Lächeln gesucht wurde und gerade kein Mann in der Nähe war. Getreu dem Motto vom Weltuntergang zieht die Medienmacht dieser Tage denn auch ihre eigene Bilanz: Parteiprogramme, Wahlversprechen, moralische Grundsätze oder läppische Menschenrechte, wo immer sie auch parteipolitisch verortet werden, müssen über Bord geworfen werden. Dafür gibt es mediale Bonuspunkte. Denn es geht ums Ganze: um Deutschland, um Aktienindex und Wachstum, um unsere europäische Vormachtstellung, um schlechtes Wetter und um Mauern und Stacheldraht. Der Rest ist scheißegal.

Da denk ich mit meiner Omi Glimbzsch gleich an Glyphosat, das bekanntlich eventuell und höchstwahrscheinlich krebserregend sein soll – aber eben nicht zu 100 Prozent – und daher zuzulassen ist. So war die Krautmafia von CDU/CSU in Berlin immer an Bord. Und so haben die Grünen auch viel Sympathie geerntet: Es wurde ihnen hoch angerechnet, dass sie ihre eigene Großmutter verkaufen wollten. Das ist ja gerade noch mal gutgegangen, Winfried! Menschenrechte stehen naturgemäß niemals nicht auf der Agenda der politischen Unterhändler, diese Kuh war gar nicht auf dem Eis, sondern ist schon von der SPD geschlachtet worden, seinerzeit unter dem Beifall aus Jamaika. Wen wundert's, dass auch das Klima reine Verhandlungssache ist? Spekulation? Denn wir haben ja alles im Griff, außer den Wähler. Und insgeheim denkt diese und jene: Vielleicht hat der Herr Trump ja doch recht? Allerdings: Wenn man den Kopf in den Sand steckt, ist immer noch der Arsch zu sehen.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.Alle "Wettern"-Videos gibt's hier zum Anschauen.


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2 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 26.11.2017
    Ich liebe kluges Hinsehen, Danke Peter Grohmann, auch wenn es nicht lustig ist. Wann wird in Stuttgart das Ballett KRABAT mal wieder aufgeführt, denn wer nicht hinschaut, kann nichts sehen!
    Der Berliner Fenstersturz der Möchtegern-Jamaikaner ist aber vor allem dem Tatort selbst geschuldet: Dem Fluidum der baden-württembergischen Landesvertretung und ihrer Schwerkraft. Also aus der Traum und zurück auf den Boden des Grundgesetzes?
    Eigentlich müssten die Löhne steigen – doch die Prekarisierung verhindert das
    Bei sinkender Arbeitslosigkeit steigen die Löhne, so steht es im Lehrbuch. Doch in den Industriestaaten gilt das immer weniger. Der Internationale Währungsfonds hat die Gründe untersucht: "WORLD ECONOMIC OUTLOOK
    World Economic Outlook, October 2017 Seeking Sustainable Growth: Short-Term Recovery, Long-Term Challenges October 2017"
    Da helfen nicht einmal kurzfristig " Junge, -Monsanto, Bayer, oder Heidelberg Zement- Anteile auf Papier. Denn, dass der Geldschein mehr wert ist, als er ist, ist bedenkenswert bzw. bedenklich! Zur Erinnerung, am 22. Oktober 1945 hat der Landrat Esslingen die Bürger von Köngen in die Eintracht-Halle eingeladen zum Thema: 1) Ernährung 2) Wohnung 3) Brennstoff (Holz). Omi Glimbzsch kann das sicher bestätigen. Die Aktien der Firma Krupp waren auch damals nicht essbar.
    Das ist der Beweis: "Wenn man den Kopf in den Sand steckt, ist immer noch der Arsch zu sehen." Es gibt zunehmend mehr davon. Mir fehlt KRABAT, denn Geld ist lediglich ein Versprechen reale Güter dafür zu erhalten!
  • Horst Ruch
    am 23.11.2017
    Lieber Peter Grohmann, die Skilifte haben seit Tagen schon am Feldberg geöffnet, obgleich der Kalendarische Winteranfang bei uns auf den 21. 12. festgelegt ist. Unfassbar zu Zeiten des Klimawandels, der uns eigentlich die Wärme bringen sollte.
    Sie sollten dringend mit Ihrer Omi Glimbzsch (ehemals Zittau) in den Wolken Kontakt aufnehmen und sie um Rat bitten, wo Sie lieber Herr Grohmann ihr Aktienpaket am gewinnträchtigsten platzieren sollten, um "überwintern" zu können.
    Bleiben Sie standhaft, falls sie Ihnen emphehlen sollte:
    " Junge, -Monsanto, Bayer, oder Heidelberg Zement- sind super, da über mehrere Winter bis an dein Lebensende dein lockerer Lebenstil gesichert ist".

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