Ausgabe 317
Kolumne

Leichen im Keller

Von Peter Grohmann
Datum: 26.04.2017

Der Franzose an sich liebt die Trikolore, egal, wer sie schwenkt, singt die Marseillaise und ruft mehrfach am Tage Liberté, Égalité, Fraternité. Aber keine Angst, er meint's nicht so.

In diesen Tagen wird der ohne Partei marschierende Genosse Emmanuel Macron als Sozialliberaler bejubelt und mit allerhand Vorschuss-Lorbeeren geschmückt: Der Retter Frankreichs könnte nebenbei partei- und gewaltfrei auch Europa retten, weil die anderen Schwadroneure vom Wähler getunkt wurden. Wir können wieder durchatmen, auch wenn die europäische Demokratie noch einige Leichen im Keller hat.

In einem Schlammloch in El-Materiya, einem der vielen Elendsviertel Kairos, stieß ein deutscher Archäologe auf eine Ramses-Statue. Der Jubel der armen Leute war unbeschreiblich. Diese Leiche war zwar in Stein gehauen und gut erhalten, und in der guten alten Zeit hätte man das Machwerk ins Berliner Pergamon-Museum geschleppt – aber heute geht das nicht mehr. Da findet man ja sogar noch Raubkunst in den Asservaten-Kammern deutscher Kultur!

Eben jetzt gibt es Krach um den Welfenschatz. 1929 hatten jüdische Kunsthändler einen Teil der mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten erworben, mussten den Schatz aber 1935 wieder herausrücken und verkaufen – unter Wert, behaupten die jüdischen Nachfahren – weil sich die Verhältnisse geändert hatten. Nanana! Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz legt Wert darauf, dass solcher Handel damals OK war. Meine Omi Glimbzsch in Zittau würde sofort an ihre schrägen Cum-Ex-Geschäfte denken, die auch OK waren, und in die gar öffentlich-rechtliche Sparkassen verwickelt sein könnten – sagt man.

Ich denk' da eher an den Handel mit gemeinnützigem Wohnungseigentum, das unsere Kommunen aus Dummheit versilbern (auch legal), an fette Gewinne mit Schadstoff-Emissionen, an deutsche Elendsviertel an der B27 und einen stinkenden Diesel (auch legal). Da wächst doch Moos drüber, mag sich der grünschimmernde Teil der Landesregierung sagen. Wenn Spritverbrauch und CO2-Ausstoss nicht von Kretschmann selbst, sondern auf der Straße gemessen werden, liegen die Werte 30 bis 40 Prozent überm krebsmäßig Erlaubten. Legal? Illegal? Scheißegal! Das haben wir in der vielzitierten guten alten Zeit gerufen. Und morgen fragen wir uns, ob wir die Fünf-Prozent-Hürde schaffen.

 

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.


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2 Kommentare verfügbar

  • Horst Ruch
    am 30.04.2017
    Lieber Grohmann,
    Passen Sie auf, der nette Schwiegersohn von nebenan namens Macron ist auch ein Liebling Schäubles.. Der paßt natürlich besser in seine Deutschland Merkel-AG, die um weitere Aktionäre im EU-Verein buhlt. Da passt Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht so recht(s) ins Aktiengesetz.
  • Peter Meisel
    am 27.04.2017
    Petrus Wettern stiftet mich zum Denken an!
    - Der Franzose , die Trikolore, die Marseillaise, Liberté, Égalité, Fraternité haben uns die Allgemeinen Menschen Rechte gebracht. Annehmen und umsetzen müssen wir sie selbst. Wir müssen uns selbst regieren!
    - Das gilt auch, wenn die europäische Demokratie noch keine ist. Ich unterstütze diese griechische Erfindung heute unter DiEM25. In unserem politischen Schlammloch findet man ja sogar noch Raubkunst in den Asservaten-Kammern deutscher Kultur!
    - Denke ich an die schrägen Cum-Ex-Geschäfte und die Deutschen Banken oder Sparkassen, bin ich um den Schlaf gebracht. (wie Heinrich Heine als er an Deutschland dachte).
    - Der Handel mit gemeinnützigem Wohnungseigentum und anderer öffentlicher Vermögen (Autobahnen, Bahnhöfe, etc.) erinnert an das Buch PPP, Privat Public Partnership, vom schwäbischen Käpsele (Lothar Späth), der zum Aufsichtsrats Vorsitzenden der Herrenknecht AG avancierte um Stuttgart 21 zu bohren.
    - Das Ganze für 4.265 Mrd. Euro ( laut Finanzierungsvertrag April 2009: Die Vertragsparteien stellen fest, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts durch die Wirtschaftlichkeitsrechnung der OB AG mit Preis- und Kostenstand 2004 sowie deren Ergänzungen im Rahmen der Modellrechnung, deren Zusammenfassung diesem Vertrag in Anlage 2.2 (vertraulich- nicht für Dritte) beiligt.)
    - Fette Gewinne mit Schadstoff-Emissionen, an deutsche Elendsviertel an der B27 und einen stinkenden Diesel bis zum Himmel. Da nutzt kein Moos auf der grünschimmernden Weste der Landesregierung.

    Jetzt fehlt nur noch die Reformation in Stuttgart www.reformation-stuttgart.de und ein Martin Luther, der behauptet: "Die grösste Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man ihm vertraut."

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