Ausgabe 453
Kolumne

Böhmermann & Böllermann

Von Peter Grohmann
Datum: 04.12.2019

Waffen braucht man immer, egal, was passiert. Unbewaffnet traut sich heute doch kein rechter Hohenzoller mehr auf die Straße, ob mit oder ohne SS-Rune! Danke in diesen Zeiten des Waffengangs an das Adelsgeschlecht derer von Böhmermann! Wie gut, dass Heckler & Koch in der Nähe ist, auch wenn in diesem doch relativ seriösen Rüstungsunternehmen ein Machtkampf tobt, der an den großen sozialdemokratischen 90-Tage-Krieg erinnert.

Meine Omi Glimbzsch aus Zittau ist übrigens "der festen Überzeugung", wie der Morgenmann Söder gern sagt, dass die Mandarine der SPD zu viel vom Insektizid Chlorpyrifos geschluckt haben. Das Spritzmittel für Zitrusfrüchte soll gegen Insekten helfen. Aber nicht nur die aussterbenden Arten der Umwolkten, auch der ganz normale desillusionierte Mensch mag Orangen, totgespritzte Zitronen, vor allem im Dezember, der neuen Zeit der warmen Winter und kalten Kriege. Es stört kaum, dass dieses Insektizid Chlorpyrifos Rattenhirne schrumpfen lässt – wer hat schon eins? –, dass es den Intelligenzquotienten senkt und Aufmerksamkeitsstörungen verursacht. Man merkt's an sich selbst: Die Vergesslichkeit nimmt zu, man geht sogar mit Kevin Kühnert bei Rot über die Straße – alles Symptome, die wir heute in weiten Teilen der Gesellschaft vorfinden. "Der hat wohl zu viel Orangen gefressen?", wird zum stehenden Begriff bis weit in den rechten Rand hinein.

Dabei kann Kapitalismus so schön sein, vor allem für die Wohlhabenden, und nicht nur zu Weihnachten oder beim Erben (bevor ich's vergesse: Denken Sie an Kontext!). Klar, die Politikmüdigkeit hat längst auch die Sozen erreicht – die eine Hälfte der Genossinnen machte bei der Wahl nicht mit (verpennt oder nur beleidigt?), die andere Hälfte von der Hälfte ist dagegen. Aber wenigstens ohne Olaf Scholz.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Von außen sieht's aus wie ein Hoffnungsschimmer. Chlorpyrifos wird so oder so nicht verboten, wetten? Die Lobby. Das gilt auch für Böllermann oder die Ausfuhr von Waffen in Krisengebiete, für Chlorophyll bei den Grünen oder Gülle mit Glyphosat zum Nachtisch bei den Bauern. Da lob' ich mir die Jugendlichen, die Leute von morgen: Attacke, Attacke, Black Friday ist Kacke!


Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts "Die AnStifter". Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.


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1 Kommentar verfügbar

  • Peter Meisel
    vor 1 Woche
    Danke für diesen Hoffnungsschimmer: "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Von außen sieht's aus wie ein Hoffnungsschimmer ", denn mit dem zitierten deutschen Adel ist nicht viel zur Restauration beizutragen?
    Die Kunst von KONTEXT und Satire ist tatsächlich, Feinde sichtbar zu machen, die man sonst nicht bzw. übersieht?
    "Wie gut, dass Heckler & Koch in der Nähe ist." ab 5:45 Uhr wird zurückgeschossen. Das liest sich wie die Deutsch- Französische Freundschaft als Lippenbekenntnis: "Macron dankte der Bundeskanzlerin. Sie habe niemals in ihren Bemühungen nachgelassen, dass beide Länder sich weiter annäherten." Wenn in meinem Schulzeugnis stand. Er hat sich immer bemüht, dann habe ich mich nicht nach hause getraut!

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