Dass Rechtsextreme den ersten Maitag, historisch ein traditioneller Kampftag von Gewerkschaften und Linken, vereinnahmen – um nicht zu sagen missbrauchen –, ist historisch kein einzigartiger Vorgang. Nachdem er in der Weimarer Republik im Jahr 1919 erstmals, aber nur in diesem einen Jahr zum gesetzlichen Feiertag erklärt worden war, hatten ausgerechnet die Nazis den 1. Mai als solchen ab 1933 verstetigt: als "Tag der nationalen Arbeit" – einen Tag später zerschlugen sie die Gewerkschaften. Für Rechtsextreme blieb der 1. Mai von Bedeutung, auch dieses Jahr riefen neonazistische Gruppen zu Kundgebungen auf: Im nordrhein-westfälischen Essen kamen laut Medienberichten etwa 300 Menschen zur Demo der Partei Die Heimat (früher NPD), noch weniger waren es bei der NPD (eine Abspaltung der vorher genannten Partei mit altem Namen) in Braunschweig und dem Dritten Weg in Gera.
Die rechtsextreme AfD, die sich selbst nicht in der Tradition der Rechtsextremen und erst recht nicht in der von Linken verortet, war am Tag der Arbeit bislang eher wenig präsent. In den vergangenen Jahren gab es nur vereinzelt Veranstaltungen, vor allem in den ostdeutschen Bundesländern und eher mit Wahlkampfcharakter. Im Südwesten war die diesjährige Kundgebung des Göppinger AfD-Kreisverbandes allerdings ein Novum. Es sollte "ein Zeichen für Arbeit, Leistung, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft" gesetzt werden, verkündete der Verband via Facebook. Das Lockmittel: "Macherwürste", Gratis-Rote vom Grill. Dass Göppingen als Ort gewählt wurde, dürfte strategische Gründe gehabt haben: Der Ort leidet unter der Deindustrialisierung, und die AfD fährt hier überdurchschnittlich gute Wahlergebnisse ein (Kontext berichtete).




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