Ob die lasziv qualmende Nackte mit Richtung Himmel gerecktem Po jemals in die Rolle eines Zugs schlüpfen wollte, ist nicht überliefert. Als eine von vielen entkleideten Frauen räkelte sie sich Anfang der 1990er vor der Linse des um Kontroversen selten verlegenen Fotografen Helmut Newton. Der Mann, über den das Modemagazin "Vogue" schreibt, er habe mit seinen Werken "den Verkauf von Sex populär gemacht", gab dem Bild den simplen, aber treffenden Titel "Smoking nude" – die Eisenbahn-Assoziation entstand dann später, als eine Jury das Motiv wählte, um damit für die Ausstellung "Züge Züge" zu werben. Mit der gebotenen Kreativität ließe sich dabei sogar argumentieren, dass es angesichts der verbreiteten Sexualmetaphorik von in Tunnel einfahrenden Zügen eine süffisante Inversion geläufiger Geschlechterrollen darstellt, die Frau zur Lokomotive zu machen.
Jedenfalls sollte die Nackte 1994 überlebensgroß auf ein Plakat gedruckt und im Stuttgarter Hauptbahnhof aufgehängt werden. Doch dazu kam es nie: Nach Kritik an der sexistischen Darstellung wurde die Werbung zurückgezogen und die rauchende Frau auf den Plakaten durch eine weniger anstößige Schreibmaschine ersetzt. Die wenigen Exemplare mit dem originalen Motiv, die damals im Umlauf waren, haben heute einen Sammlerwert. Eine dieser Raritäten hängt seit Ende Februar im Schaufenster der Stuttgarter Miniaturwelten – und erhitzt dort auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung die Gemüter.




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