Stuttgart muss sparen. Das heißt nicht, dass der Stadt das Geld gleich ganz ausgeht. Aber vielleicht hatten sich die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren ein bisschen zu sehr daran gewöhnt, immer mal wieder etwas mehr als andere zu haben. Das Geld ist dann gerne mal für alles Mögliche ausgegeben worden, manchmal auch gießkannenmäßig. Das treibt entsprechend Blüten. Jetzt schwächelt – eigentlich wenig überraschend – die Automobilindustrie, die Gewerbesteuereinnahmen brechen ein, vielleicht auch durch das Ausnutzen von Sondereffekten durch die Unternehmen, das Aufstellen eines genehmigungsfähigen städtischen Haushaltsplans wird ungleich schwieriger. Auch, weil den Kommunen von Bund und Land immer mehr Aufgaben zugeordnet werden, die Finanzierung aber nicht in gleichem Maße erhöht wird. Also muss gekürzt werden. Nach der Gießkanne kommt jetzt der Rasenmäher. Beides ist wenig zielgerichtet, schon gar nicht zukunftsorientiert. Aber entschieden ist noch nichts, das passiert erst am 19.12., also kurz vor Weihnachten.
Es liegen schon jede Menge Sparvorschläge vor, auch die sogenannte "Giftliste" der Stadtverwaltung. Sie hat es in sich: Käme es wirklich so, würde das Leben in Stuttgart noch teurer werden: Wohnen, Bauen, Parken, Schwimmen, Sterben. Um nur einige der betroffenen Bereiche zu nennen.
"Giftliste" mit Wumms
Die Auswirkungen sind auf dieser Liste in Tabellenform nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen. Ein ganz kleines Beispiel: Bei in diesen Zeiten des menschengemachten Klimawandels häufiger und heftiger werdenden "Starkregenereignissen" kann es auch mal durch eines der gar nicht so wenigen alten Dächer in der Landeshauptstadt reinregnen. Das sollte dann schleunigst in Ordnung gebracht werden, also muss der Dachdecker mit einem Kran kommen. Dafür braucht er Platz, zwei Parkplätze auf der Straße reichen in etwa. Diese regelkonform zu sperren, ist aber nicht so einfach: Der Antrag dafür muss mindestens (!) zwei Wochen vorher beim Amt für öffentliche Ordnung gestellt werden, was bei vom Wetter abhängigen Arbeiten fast absurd erscheint. Den Antrag darf nicht der Hauseigentümer, sondern nur die beauftragte Firma oder eine – dann zusätzlich zu beauftragende – "Fachfirma für Verkehrssicherung" stellen, inklusive "qualifiziertem Verkehrszeichenplan" im Maßstab 1:500 (die Grundlage dafür gibt es gegen Gebühr bei der Stadt) und Schulungsnachweisen für Mitarbeiter der beauftragten Firmen (MVAS oder RSA21). Schon allein dieses Prozedere macht Bauen in der Stadt teurer. Und auch deswegen haben immer mehr Firmen von außerhalb immer weniger Lust, Aufträge in der Landeshauptstadt überhaupt anzunehmen. Die Genehmigung für die Sperrung der Parkplätze kostet natürlich Geld, es werden sogenannte "Sondernutzungsgebühren" fällig. Und genau diese sollen laut der Giftliste pauschal um 25 Prozent erhöht werden.




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