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Ausgabe 400
Gesellschaft

Feine Sahne – feines Konzert

Fotos: Jens Volle
Datum: 28.11.2018
Antifa-Punk in der Porsche-Arena? Klingt seltsam. Die Stimmung war trotzdem super beim Konzert von Feine Sahne Fischfilet in Stuttgarter. Sänger Monchi ruft zwischen zwei Liedern auf, lieber an Sea-Watch zu spenden als Bandshirts zu kaufen.

"Wenigstens nicht in der Schleyer-Halle", scherzten ein paar BesucherInnen beim Warten. Aber von ernsthaftem Ärger konnte keine Rede sein – die Vorfreude überwog dann doch. Offenbar kann die polarisierende Punk-Band Feine Sahne Fischfilet (FSF) nirgendwo auftreten, ohne dass die Location für Aufregung sorgt: Ende Oktober gab es empörte Reaktionen, als das Bauhaus Dessau dem Druck rechter Pöbler nachgab und ein Konzert der linken Band absagte. Auch in Stuttgart sorgte die Spielstätte für hitzige Debatten. Weil der Andrang so groß war, wurde das FSF-Konzert von den Wagenhallen in die wesentlich größere Porsche-Arena hochverlegt. Nicht alle nahmen das auf die leichte Schulter: Ein paar AktivistInnen verteilen Flyer über die Nazi-Vergangenheit von Ferdinand Porsche, nach dem das Unternehmen und die Spielstätte benannt sind.

Einer zeigte sich über die die neue Location sogar so wütend, dass er in einem Facebook-Filmchen demonstrativ seine Eintrittskarte verbrennt. "Deine Probleme würd' man echt gerne mal haben", kommentiert die Band. Hätte er das Ticket "ma lieber 'nem Kiddie aus Schwaben geschenkt, als hier son hartes Video zu drehen." Denn "schlussendlich ist es ganz einfach ein Konzert, auf das wir uns freuen."

Und so sahen das auch die 3 300 Fans, die das Konzert in Stuttgart gefeiert haben. Die Stimmung ist super. Im Gegensatz zu anderen Bands, die abgesehen von ein paar unverfänglichen Anekdoten oder einleitenden Worten oft stumm bleiben und ihr Programm herunterspielen, gibt es zwischen den Tracks immer wieder politische Ansagen. Manche sind ein bisschen derb: "Ich hatte ein Scheiß-Glück, dass meine Eltern in Deutschland gefickt haben", ruft Sänger Jan "Monchi" Gorkow der tobenden Menge zu und wirbt für Solidarität mit dem syrisch-kurdischen Kobanê. Unter den vielen Botschaften bleibt eine besonders hängen. Neben den Merchandise-Ständen ist auch einer von Sea-Watch. "Gebt mal lieber denen ein paar Euro", appelliert Monchi von der Bühne, "als euch 'n Bandshirt zu kaufen."


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2 Kommentare verfügbar

  • Roland Anderau
    am 02.12.2018
    Verstehe wirklich nicht, warum diese Band derart hochgejubelt wird. Denkt doch mal nach: Da wird für Buntheit, Miteinander aller Menschen, Grenzenlosigkeit, etc. propagiert, doch was singen diese feinen Fische: Texte voller Gewalt und Hass. Also bleibt unter dem Strich nichts übrig was uns Menschen je weitergebracht hat.
    • Fritz Hirschmann
      am 03.12.2018
      Hallo Roland Auer! Zugegebn, es gibt ein paar ziemlich dumme Texte aus der Frühzeit der Band. Habe mir vor ein paar Tagen aber extra das Konzert der Band im Brauhaus zu Dessau und die Interviews auf 3sat angeschaut. Ich muss sagen: Das ist Buntheit von Klezmertexten über Liebeslieder zu den üblichen Punkrock-Ritual-Liedern. Man muss ja nicht alles mögen, aber man kann der Band nicht absprechen, dass sie eine klare antifaschistische Haltung zeigt und die demokratische Grundordnung mit Zivilcourage dort verteidigt, wo die Nazen bereits ganze Dörfer zu beherrschen versuchen, ohne sich vor gewaltsamen Aktionen der Nazen zu fürchten. Die treten dort auf, wo sonst die Kultur nur aus Nazirockkonzerten bestehen würde. Da zieh ich den Hut (auch wenn ich selbst keinen trage)! Aufrufe zur Gewalt kenn ich von der Band in den aktuellen Konzerten nicht. Und musikalisch sind sie auch nicht schlecht.

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