Es ist gar nicht alles doof. Klar, Elternkrankentage zu kürzen, wie es Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) plant, ist nicht so clever – mit den bestehenden 15 pro Elternteil kommt ja nicht mal Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) klar. Beim Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende sparen oder die ungerechten Rentenpläne durchziehen zu wollen, wirkt mit Blick auf die Beliebtheitswerte der Bundesregierung auch ziemlich blöd. Zumal bei den ganzen Sparplänen die wirklich richtig Reichen nicht mal um einen Kontext-Soli-Beitrag erleichtert werden (ab fünf Euro pro Monat, weitere Infos hier).
Jana Daur an ihrem neuen Arbeitsplatz – seit dem 23. September ist sie Volontärin bei der Kontext-Wochenzeitung. Foto: Jens Volle
Und damit zur guten Nachricht: Unsere Spendenkampagne im Frühling lief erfolgreich, wir danken allen für die Unterstützung. Jetzt ist unsere neue Volontärin Jana Daur da. Seit einer Woche bereichert die 26-Jährige das Kontext-Team. Nach ihrem Politik- und Philosophiestudium in München will sie nun Journalistin werden. Warum bei Kontext? "Weil ich den Aspekt der Unabhängigkeit wichtig finde", sagt sie. "Und weil ich hier umfassend recherchieren und informieren kann." Wenn daraus mal nicht ein erfreulicher Optimismus spricht.
Den brachten auch die vielen Tausend Demonstrant:innen vergangenes Wochenende nach Stuttgart mit. Sie protestierten gegen den Abbau des Sozialstaates, den die Bundesregierung in Teilen plant und in Teilen umsetzt. Aufgerufen hatte der DGB bundesweit, und so gingen rund 175.000 Menschen in 15 Städten auf die Straße – um ihrem Ärger Luft zu machen und weil sie hoffen, dass ihr Protest die verantwortlichen Politiker:innen endlich zum Handeln für eine gerechte Politik bringt.
Zum Handeln motivieren will auch das Stuttgarter "Netzwerk gegen Rechts – für eine bessere Demokratie". Am Tag nach der großen DGB-Demos hatte es in den Württembergischen Kunstverein eingeladen und diskutierte vor rund 300 Besucher:innen über Strategien gegen Rechtsextremismus – eine Diskussion, die in Politik und Medien deutlich mehr Raum braucht. Immerhin kratzt der parlamentarische Arm des Rechtsextremismus in manchen Bundesländern an der absoluten Mehrheit.
Viele Politiker:innen haben aber offenbar größere Angst vor der Berliner Linken und arbeiten sich daran ab, vor Koalitionen zu warnen, wie unsere Autorin Johanna Henkel-Waidhofer berichtet. Sie greift die Chancen auf, die die Grünen künftig im Bundesrat haben, wenn sie in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern mitregieren. Dann hätten Landeskabinette mit Grünen-Beteiligung nämlich die Mehrheit. Ob allerdings "Oberrealo Özdemir", wie Henkel-Waidhofer schreibt, dann eher auf der progressiven Seite stehen wird, ist unklar.
Medial ebenfalls vernachlässigt ist gerade die Klimakatastrophe. Der knallheiße Sommer scheint fast vergessen, dabei wäre jetzt die Zeit, zu handeln. Kontext-Autor Manfred Kriener wirft einen Blick auf die existenziellen Probleme der Fischzucht und zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, unsere Gewässer und ihre Bewohner besser zu schützen.
Während die CDU und vor allem deren Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, genannt Gas-Kathi, sich gegen umfassenden Klimaschutz wehren, bündeln Engagierte Kräfte und rufen für den kommenden Samstag in allen Städten der Republik zu Menschenketten auf, mehr Infos unter esbrennt.com. Demo-Alternativen wären am gleichen Samstag, dem Tag der deutschen Einheit, die bundesweiten Friedensdemos in Berlin und Stuttgart. In Stuttgart beginnt sie um 13 Uhr auf dem Schlossplatz.
Wenig friedlich, nämlich mit Wasserwerfern ging der Staat am 30. September 2010, Stuttgarts "Schwarzem Donnerstag", gegen S-21-Gegner:innen vor. Daran erinnerte bei der jüngsten Montagsdemo der Regisseur Volker Lösch, der tags zuvor im WKV über Rechtsextremismus mit diskutiert hat. Seinen Beitrag über die Gesamtkatastrophe namens Kapitalismus dokumentieren wir hier.
Unabhängig von der Systemfrage ist klar, wie massiv S 21 mit Falschinformationen beworben wurde. Kontext-Autor Harald Kirchner, beim SWR lange Jahre S-21-Experte, erläutert, warum die Debatte um das Großprojekt gut und gerne als baden-württembergischer Eintritt ins postfaktische Zeitalter bezeichnet werden kann. Kirchner gehört übrigens zu denjenigen, die der Hamburger Produktionsfirma zur Seite standen, nachdem sie vom SWR beauftragt worden ist, eine Doku zum Tiefbahnhof zu drehen. Offenbar hat die SWR-Direktion ihren eigenen Fachleuten vor Ort nicht getraut – man weiß es nicht. Wer sich nicht von einem KI-generierten Vorschaubild in Billigoptik abschrecken lässt, kann die inhaltlich gute Doku in der ARD-Mediathek ansehen. Für unsere treuesten Fans: Schon in den ersten zehn Sekunden sind die Kontext-Mitarbeiter Jens Volle, Oliver Stenzel und Harald Kirchner zu sehen (wenn auch im Hintergrund).




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