KONTEXT:Wochenzeitung
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Lieblingswort: Teileröffnung

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Nur noch zweieinhalb Wochen bis zur besonders schönen Kontext-Geburtstagsfeier! 15 Jahre unabhängigen Journalismus wollen wir mit all unseren Unterstützer:innen, Kolleg:innen – also mit Ihnen feiern. Auch nach 15 Jahren schreiben wir uns weiter die Finger wund, hirnen über vertrackte Geschichten, nerven Gesprächspartner:innen. Auch darum wird es beim Fest gehen, Redakteur:innen berichten von ihren Recherchen. Gute Musik – live und vom DJ-Pult – erfreut, gutes Essen sowieso. Los geht es um 16 Uhr auf der Kulturinsel Stuttgart, der "multikulturellen Oase im Neckarpark Bad Cannstatt", wie die Macher:innen selbst schreiben.

Auf gute Stimmung bei diesem Fest freuen wir uns umso mehr, als wir ja jüngst das Verfahren wegen der Veröffentlichung von Chats eines Neonazis im Jahr 2018 verloren haben (mehr dazu hier). Wir sehen darin ein schlechtes Zeichen für investigativen Journalismus – was leider nur allzu gut in diese Zeit passt. Das ganze Verfahren kenntnisreich aufgedröselt und eingeordnet hat der Kollege Ralf Heimann in der Medienkolumne des MDR "Altpapier"

In den acht Jahren unseres Verfahrens gab es wenigstens Gerichtsverhandlungen – bei dem Göppinger Prügelpolizisten, über den wir schon mehrfach berichteten, tut sich dagegen gar nichts. Eine Anklage gab es nicht, aber immerhin gibt es ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten. Aber das kommt und kommt nicht vom Fleck, wie Kontext-Redakteur Minh Schredle nach hartnäckigem Nachfragen mal wieder berichten kann. 

Zu sagen, es ginge bei Stuttgart 21 nicht voran, wäre falsch. Ständig wird irgendwas verlegt und Reisende sind mittlerweile an die mannigfachen Störungen auf ihren Fahrten gewöhnt. Über die gigantische Geldverschwendung durch S 21 ließe sich zwar trefflich jammern, aber das hebt die Laune bekanntlich nicht. Und darum freuen wir uns über die neuen Nachrichten zum Stuttgarter Tiefbahnhof. Okay, die Kompletteröffnung verschiebt sich mal wieder, angeblich auf 2031, erläutert Kontext-Redakteur Oliver Stenzel. Aber: Schon nächstes Jahr, 2027, wird teileröffnet! Dann soll es für die Reisenden auf direktem Weg durch den Bahnhofsbau zu den (oberirdischen) Gleisen gehen und nicht über den Fernwanderweg einmal um den Bahnhof rum. Diese sensationelle Ankündigung dürfte besonders Oberbürgermeister Frank Nopper, CDU, freuen: So kann er vor Ende seiner Amtszeit Stuttgart 21 wenigstens noch ein bisschen eröffnen. 2028 sind OB-Wahlen.

Architekturfreaks behaupten ja gerne, dass einst Tausende von Touris kommen werden, um den unterirdischen Bahnhof zu bestaunen. Diese Lichtaugen! Damit die Bewunder:innen dieses nicht funktionierenden Bahnhofs nicht vergessen, wo sie sind, ist die Stadtverwaltung in ihrer unendlichen Weisheit auf die Idee gekommen, ein oberirdisches Stuttgart-Sign mit LED-Beleuchtung für 400.000 Euro aufstellen zu lassen. Merkwürdigerweise finden das nicht alle toll. Zum Beispiel ärgern sich diejenigen, die dort arbeiten, wo die Stadt wegen der schlechten Haushaltslage ordentlich sparen will: im Sozialen und in der Kultur. Und so stellten diese Widerständigen am vorigen Wochenende auf dem Rathausplatz mit ihren Körpern selbst ein Stuttgart-Sign. Das war deutlich lebendiger als blinkende Buchstaben.

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