Ausgabe 271
Editorial

Liebe Bilger*innen

Datum: 08.06.2016

Diese Kontext ist eine Premiere. Denn wir haben sie in Gänze der CDU gewidmet und jeden Text komplett durchgegendert. Ganz besonders haben wir dabei an Steffen Bilger gedacht, den Bundestagsabgeordneten und Bezirksvorsitzenden der CDU-Nordwürttemberg, weil der sich doch so über den Gender-Star auf Regierungs-Tweets geärgert hat. Stand da doch tatsächlich: "Der grün-schwarze Koalitionsvertrag ist ein demokratisches Reifezeugnis und das Ergebnis intensiver Verhandlungen guter Demokrat*innen." Bilger antwortete: "Lassen Sie bitte die Genderschreibweise in Landesregierungs-Tweets!" Das Sternchen ist ja immerhin eine Schnapsidee der Grünen. Verständlich, die Aufregung, wo die einst stolze Union im Land mittlerweile von der Kaiserin zum Kernchen in der Kiwi degradiert wurde. Und jetzt auch noch Sternchen. In diesem Sinne: Genderstar für alle! Auch für Bilger. Und natürlich für Bilger*innen. 

Außerdem und apropos CDU möchten wir der Bahn einen Vorschlag machen: 

Seit fünf Jahren notieren wir nun schon kleine und große Probleme des Bahnprojekts Stuttgart 21. Zum Beispiel, dass es wesentlich teurer wird, als mal gedacht. Dass die Planung auf den Fildern im Chaos versinkt, dass es Probleme beim Brandschutz gibt oder auch, dass die ganze Chose später fertig wird als geplant. 

Als die "Stuttgarter Zeitung" am 17. September 2013 schrieb, dass der Tunnelbahnhof wohl doch erst 2022 fertig würde und nicht schon 2021, zog die Bahn im Brass gegen die Zeitung vor Gericht. Wir waren empört und haben darüber berichtet. Auch darüber, dass die Bahn ihre Klage letztlich zurückzog. Die Gerichtskosten von etwa 10 000 Euro und die Anwaltskosten bezahlte das Kommunikationsbüro. 

Nun wird das Teil sogar erst 2023 fertig. Und bevor die Bahn nun wieder unnötig Geld rausschmeißt, weil sie schon wieder eine Zahl aufregt, empfehlen wir das Kontext-Archiv und eine sinnvollere Geldanlage. Unsere Kontonummer finden Sie unter diesem Link.


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5 Kommentare verfügbar

  • Kornelia
    am 09.06.2016
    Es gab mal ne Zeit da dachte ich die Taz- Form würde nach und nach zu einer Veränderung der Sprache führen und damit auch unsere testosteron geprägte Weit- und Inneneinsicht "demokratisieren und begradigen"
    Doch heute bin ich der Meinung, wir werden eher ALLE englisch sprechen!
    Und die Demokratisierung der Mehrheit der Bevölkerung hat eher dazu geführt dass über "Gruppenbild mit Dame" makulatur betrieben wird! Das Männliche versteckt sich feige hinter "hier und da ein Busen-Frau".
    Heute wo wir dem Abgrund entgegensausen "plötzlich"die Frauen mit ins boot zu holen? Typisch Weicheierei!
    Ich bin gerade jetzt für die Verwendung ausschliesslich der männlichen Form! Denn es sind Männer, die die Welt vernichten! Und bitte kommt mir jetzt nicht mit den paar sogenannten Frauen, die beteiligt sind!
    Wenn 10 Menschen ein Buch schreiben und davon 1 Mann ist, heisst es Autoren, wenn 9 davon Männer sind sowieso!
    Nur wenn es um Schuld, Verantwortung, Ekel, Projektionsflächen geht dann scheint "plötzlich" gender eine Rolle zu spielen!
    Gewinne werden ICH-Ageisiert/privatisiert, Verluste sozialisiert!
    ist die Maxime von testosteron gefprägten Männern!

    Jetzt will ich nur noch die männliche Form!
    ( ;) Tja, wenn die AfD nicht so gefährlich wäre, so hinterlistig falsch....dann könnte sie echt meine Lieblingspartei sein! ;))
  • Frauke
    am 09.06.2016
    Diese Kontext -Ausgabe ist der lebende Beweis, dass dieser Genderappendix total albern ist. Abgesehen davon, dass er die Lesbarkeit der Texte erschwert gibt wohl weit wichtigere Probleme auf der Welt...
  • Hartmut Hendrich
    am 09.06.2016
    Noch bevor ich dieses Editorial gelesen hatte, stieß mir in mehreren Beträgen unangenehm auf, dass man sich bei KONTEXT wohl nun bemüht, durchgängig allen möglichen und unmöglichen Geschlechtern gerecht werden zu wollen. Ein Beispiel, zu welchen Verrenkungen solch „Genderwahn“ führt, kann man (ja, ist dieses "man" überhaupt noch zulässig?) in dem Interview von Jürgen Lessat finden, wo von: „ein*e DB-Mitberwerber*in“ die Rede ist. Wie schlecht lesbar sind solche Texte und wie spricht man denn so etwas künftig aus?
    Ich halte diesen Unsinn für so ärgerlich, dass ich Texte, die solcherart Korrektheit frönen, nur noch widerwillig lese und schon oft meide. Wollte man bei KONTEXT den Parlamentshinterbänkler Bilker vorführen, so fürchte ich, hat man ihm eher eine Steilvorlage gegeben. Dass ich mit meiner Verärgerung über sprachlichen Nonsens mit einem Herrn Bilker übereinstimme, gefällt mir zwar auch nicht, jegliche Querfront-Vermutungen sind aber abwegig!
  • Rainer Daeschler
    am 08.06.2016
    Bitte nur solche Fertigstellungstermine kommunizieren, die vom Kommunikationsbüro auch so festgelegt wurden. Alles andere ist ein Fall von Häresie, von dem Ausmaße, dass der Gang zum Scheiterhaufen früher die angemessene Reaktion gewesen wäre.

    In diesem Lande gilt die Projektförderungspflicht und alle Baden-Württemberg haben bei der Volksabstimmung darüber abgestimmt, sich zukünftig daran zu halten. Also freuen wir uns (und das ist gute Baden-Württemberger Bürgerpflicht) auf den neuen Bahnhof. Wenn nicht 2021, dann 2022, wenn nicht 2022, dann 2023, wenn nicht 2023, dann 2024, wenn nicht 2024 dann ...
  • Simone
    am 08.06.2016
    Grossartig! Danke! Selten so gelacht beim Öffnen einer Zeitung.

    Und ich wünsche mir es bleibt bei der geschlechtergerechten Sprache. Nicht wegen der CDU, sondern wegen der Gesellschaft.

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