Ausgabe 174
Editorial

Voll geschmacklos

Von unserer Redaktion
Datum: 30.07.2014

Der Bildhauer Peter Lenk hat ein neues künstlerisches Projekt, dem er sich wie gewohnt lustvoll satirisch widmen will: den umstrittenen Stuttgarter Tiefbahnhof S 21. Das hat der Künstler jüngst in der SWR-"Leute"-Sendung bei Wolfgang Heim angekündigt, und schon stieg der Pegel der Aufregung in der Landeshauptstadt: Was hat der Schelm vom Bodensee vor? Warum hat Lenk nicht mehr darüber verraten? Oder wurde der Satiriker etwa vom Moderator abgewürgt? "Nein, nein", stellt Lenk klar, ich wurde nicht abgewürgt." Kontext verriet er mehr über seinen geplanten S-21-Schwabenstreich.

Geschockt war Peter Lenk, als er kürzlich am Stuttgarter Bahnhof aus dem Zug ausstieg und auf dem Weg zum SWR die Reste des Schlossgartens sah. Die Grünfläche geschrumpft auf einen "kleinkarierten Restpark und alles zur Sau gemacht für die Immobile". Wer ihn kennt, weiß, dass dies den kunstvollen Provokateur inspiriert, von dem der Schriftsteller Martin Walser sagt, er sei ein Mann der Satire, der Groteske und der sanft-böswilligen Übertreibung. Sanft will der Böswillige bei diesem Projekt nicht bleiben. "Es muss auf jeden Fall geschmacklos sein", sagt Lenk, "denn auf eine solche Geschmacklosigkeit kann man nur mit einer Geschmacklosigkeit antworten." Das wird Peter Lenk einmal mehr gelingen.

Und so sucht er in Stuttgart bereits nach einer imposanten Fassade, an die er seine Geschmacklosigkeit heften kann. So hoch wie die Wand der Berliner taz muss sie sein. Dort hat Lenk in einer Nacht- und Nebelaktion über fünf Stockwerke das "Bild"-zeitungskritische Relief "Friede sei mit dir" installiert. Das firmiert inzwischen unter dem Titel "Pimmel über Berlin" und lockt seit Jahren Touristen aus aller Welt direkt vors Verlagsgebäude der taz-Kollegen. Die waren nicht immer glücklich über das Geschenk des Künstlers, das taz-intern auch Lenkwaffe genannt wird.

Auch in Stuttgart soll keiner ungeschoren davonkommen: nicht die Kettensäger und Tunnelbohrer, nicht die Immobilienhaie und die Politiker, nicht die Befürworter und die Gegner. Monströs soll es werden, so Lenk, und damit den Größenwahn einer Vandalentat widerspiegeln. "Wenn es so eintritt, wie ich es künstlerisch darstelle, ist es eine Vision", sagt der 67-Jährige, "wenn nicht, ist es ein Glück für Stuttgart." Mehr will der "Skandalkünstler" ("Bild") heute nicht verraten, höchstens noch so viel: Sein S-21-Kunst-Stück soll noch vor der nächsten Landtagswahl 2016 fertig werden: "Um daran zu erinnern, was vergessen werden soll."

∗∗∗

Erinnern will auch Peter Conradi, wenn er für Kontext durch "seinen" Stuttgarter Bahnhof führt. Gewonnen hat die persönliche Führung im Rahmen unserer Kontext-Werbeaktion die neu gewonnene Kontext-Unterstützerin Marlies Nagler.

∗∗∗

Wer manchmal nicht dran denkt, dass wieder Mittwoch ist und also eine neue Kontext-Ausgabe erschienen sein muss, der kann sich jetzt per E-Mail erinnern lassen. Mittwochs um 9 Uhr kommt dann pünktlich eine sehr anschaulich gestaltete Übersicht zu den Themen der neuen Ausgabe. Kostet nix! Man muss nur – oben rechts auf der Startseite von Kontext –- seine E-Mail-Adresse eintragen und im Bestätigungs-E-Mail einen Link anklicken. Datenschutz selbstverständlich gewährleistet.


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26 Kommentare verfügbar

  • Wolle
    am 05.08.2014
    redet so schön wie die Broschüren der Bahn glänzen!!
  • Wolle
    am 05.08.2014
    redet so schön wie die Broschüren der Bahn glänzen!!
  • Lieber Wolle
    am 05.08.2014
    die meisten Leute wissen, dass dem so nicht ist.
  • Lieber Wolle
    am 05.08.2014
    die meisten Leute wissen, dass dem so nicht ist.
  • Wolle
    am 04.08.2014
    @Roger
    Die Neuordnung des Gleisvorfelds bei K21:

    Mit der Neuordnung der Verkehrsströme auf den Zulaufstrecken und der klaren Zuordnung der Streckengleise zu den Gleisgruppen ist ein wesentlicher Schritt für eine Leistungssteigerung getan. Als nächstes ist auch die Zufahrt zu den Bahn­steig­gleisen so auszubauen, dass parallele Ein- und Ausfahrten möglich sind. Hierzu ist das Gleisvorfeld mit „höhenfreien Kreuzungsmodulen“ auszustatten ... Jedes Streckengleis erhält eine zweifache Anbindung an die Bahnsteig­gleise, wobei das zugehörige Ausfahrtsgleis kreuzungsfrei überbrückt wird. Die bestehenden Überwerfungsbauwerke müssen teilweise ersetzt und die Unterführungen aufgeweitet werden. Diese Maßnahmen sind hinsichtlich ihrer Baudurchführung sicher die schwierigsten, aufgrund der Raumverhältnisse jedoch machbar.
    Die übrigen Überwerfungsbauwerke für den Rechts-/Linkswechsel und die Kreuzung der Gegengleise sind – wie beschrieben – im sogenannten „Tunnelgebirge“ bereits vorhanden....

    Die Wahrheit allein wirkt provozierend. Und jeder der sie ausspricht ist ein Provokateur.
    Gähn
  • Wolle
    am 04.08.2014
    @Roger
    Die Neuordnung des Gleisvorfelds bei K21:

    Mit der Neuordnung der Verkehrsströme auf den Zulaufstrecken und der klaren Zuordnung der Streckengleise zu den Gleisgruppen ist ein wesentlicher Schritt für eine Leistungssteigerung getan. Als nächstes ist auch die Zufahrt zu den Bahn­steig­gleisen so auszubauen, dass parallele Ein- und Ausfahrten möglich sind. Hierzu ist das Gleisvorfeld mit „höhenfreien Kreuzungsmodulen“ auszustatten ... Jedes Streckengleis erhält eine zweifache Anbindung an die Bahnsteig­gleise, wobei das zugehörige Ausfahrtsgleis kreuzungsfrei überbrückt wird. Die bestehenden Überwerfungsbauwerke müssen teilweise ersetzt und die Unterführungen aufgeweitet werden. Diese Maßnahmen sind hinsichtlich ihrer Baudurchführung sicher die schwierigsten, aufgrund der Raumverhältnisse jedoch machbar.
    Die übrigen Überwerfungsbauwerke für den Rechts-/Linkswechsel und die Kreuzung der Gegengleise sind – wie beschrieben – im sogenannten „Tunnelgebirge“ bereits vorhanden....

    Die Wahrheit allein wirkt provozierend. Und jeder der sie ausspricht ist ein Provokateur.
    Gähn
  • Roger
    am 04.08.2014
    @ den (gelangweilten) Provokateur Wolle
    bei K21 wird die "funktionierende Industrietechnik" im übertragenen Sinne nicht ersetzt, sondern diese wird - vom bestehenden ausgehend - verbessert und erweitert (nur für Sie Wolle: K21 wäre ein Kopfbahnhof und liegt nicht unter der Erde). Und dies Im Sinne des Allgemeinwohls und eines fortschrittlichen öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehrs (integraler Taktverkehr - Deutschlandtakt). Hierdurch werden im Gegensatz zu S21 Milliarden Euro an Baukosten gespart sowie weitere Milliarden an Folgekosten/Unterhaltungskosten. Alles Steuergelder die sinnvoll genutzt werden könnten (soweit eine bürgerliche Politik dazu in der Lage ist). Dank integralem Taktverkehr werden bei K21 kurz- und mittefristig viele heutige Autofahrer bequem und freiwillig auf einen fortschrittlichen öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehr umsteigen. S21 bewirkt von allem genau das Gegenteil.
    Aber all dies interessiert Sie ja nicht - was Sie uns sicherlich mit Ihrer folgenden Reaktion wieder beweisen werden.
  • Roger
    am 04.08.2014
    @ den (gelangweilten) Provokateur Wolle
    bei K21 wird die "funktionierende Industrietechnik" im übertragenen Sinne nicht ersetzt, sondern diese wird - vom bestehenden ausgehend - verbessert und erweitert (nur für Sie Wolle: K21 wäre ein Kopfbahnhof und liegt nicht unter der Erde). Und dies Im Sinne des Allgemeinwohls und eines fortschrittlichen öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehrs (integraler Taktverkehr - Deutschlandtakt). Hierdurch werden im Gegensatz zu S21 Milliarden Euro an Baukosten gespart sowie weitere Milliarden an Folgekosten/Unterhaltungskosten. Alles Steuergelder die sinnvoll genutzt werden könnten (soweit eine bürgerliche Politik dazu in der Lage ist). Dank integralem Taktverkehr werden bei K21 kurz- und mittefristig viele heutige Autofahrer bequem und freiwillig auf einen fortschrittlichen öffentlichen Personen Nah- und Fernverkehr umsteigen. S21 bewirkt von allem genau das Gegenteil.
    Aber all dies interessiert Sie ja nicht - was Sie uns sicherlich mit Ihrer folgenden Reaktion wieder beweisen werden.
  • Wolle
    am 04.08.2014
    Gähn... auch bei K21 würde die "funktionierende Industrietechnik" durch neue ersetzt.
  • Wolle
    am 04.08.2014
    Gähn... auch bei K21 würde die "funktionierende Industrietechnik" durch neue ersetzt.
  • Funktionierende Industrietechnik kaputtmachen,
    am 03.08.2014
    um sie durch nicht funktionierende und stromfressende High-Tech zu ersetzen. Was ist das? Ist das schlicht nur dumm, oder was? Ach so, dahinter stehen spezielle Interessen. Allerdings: die Bahn hat den Auftrag für einen flächendeckend funktionierenden Zug- odersonstwie-Verkehr zu sorgen. Das glaube ich, steht in den Statuten. Die Infrastruktur an den Bund - und gezahlte Instandhaltungszuschüsse, die zweckentfremdet wurden von der Bahn zurückholen. Jetzeddle.
  • Funktionierende Industrietechnik kaputtmachen,
    am 03.08.2014
    um sie durch nicht funktionierende und stromfressende High-Tech zu ersetzen. Was ist das? Ist das schlicht nur dumm, oder was? Ach so, dahinter stehen spezielle Interessen. Allerdings: die Bahn hat den Auftrag für einen flächendeckend funktionierenden Zug- odersonstwie-Verkehr zu sorgen. Das glaube ich, steht in den Statuten. Die Infrastruktur an den Bund - und gezahlte Instandhaltungszuschüsse, die zweckentfremdet wurden von der Bahn zurückholen. Jetzeddle.
  • Wolle
    am 03.08.2014
    Die Schande Stuttgarts ist das riesige Gleisfeld. Die Industrialisierung hat unserer Stadt das Tal genommen. Jetzt holen wir es uns zurück. Für eine moderne und menschenfreundluche Stadt.
    Wenn gleichzeitig etwas Kunst an die Fassaden kommt: Prima.
    Stuggi darf ruhig etwas bunter werden.
  • Wolle
    am 03.08.2014
    Die Schande Stuttgarts ist das riesige Gleisfeld. Die Industrialisierung hat unserer Stadt das Tal genommen. Jetzt holen wir es uns zurück. Für eine moderne und menschenfreundluche Stadt.
    Wenn gleichzeitig etwas Kunst an die Fassaden kommt: Prima.
    Stuggi darf ruhig etwas bunter werden.
  • Rolf Steiner
    am 30.07.2014
    Ich wünsche mir, dass Lenk den "Schwarzen Donnerstag" mit seinen bis heute heuchelnden Politikern, Polizisten und Staatsanwälten thematisiert. So wird Stuttgarts Schande hoffentlich groß und wirkungsvoll für alle Besucher aus der ganzen Welt sichtbar.
  • Rolf Steiner
    am 30.07.2014
    Ich wünsche mir, dass Lenk den "Schwarzen Donnerstag" mit seinen bis heute heuchelnden Politikern, Polizisten und Staatsanwälten thematisiert. So wird Stuttgarts Schande hoffentlich groß und wirkungsvoll für alle Besucher aus der ganzen Welt sichtbar.
  • peterwmeisel
    am 30.07.2014
    Ausgezeichnet, ich hoffe er findet eine große Fläche in Stuttgart.
    Die Skulptur in Berlin am taz Hochhaus sagt schon deutlich in Sichtweite von BILD was er denkt.

    Dort erscheint bereits der Günther Oettinger mit dem BILD Zitat " Friederike weiß, dass ich sie liebe!" (BILD vom 8.1.2009). Genau er war es, der den S21 Finanzierungsvertrag Anfang April 2009 unterschrieben hat, damit seine neue Geliebte, Friederike Beyer für ECM am Milaneo das grosse Einkaufszentrum bauen konnte.

    Heiner Geisslers Schlichtungsvorschlag zu S21 enthielt die Idee, die Grundstücke in eine Öffentliche Stiftung einzubringen, um sie dieser Spekulation zu entziehen. Darauf hat die Stadt Stuttgart mit der Behauptung geantwortet, sie habe es juristisch geprüft, aber die Stadt dürfe nicht Stiften. Diese Behauptung war falsch: Siehe Stiftung Frauenkirche zu Dresden! Es geht, wenn man will.

    Ich hoffe Lenks Objekt wird so geschmacklos, dass es S21 Befürworter wach rüttelt wie heute seine Imperia zum Konstanzer Konzil.
  • peterwmeisel
    am 30.07.2014
    Ausgezeichnet, ich hoffe er findet eine große Fläche in Stuttgart.
    Die Skulptur in Berlin am taz Hochhaus sagt schon deutlich in Sichtweite von BILD was er denkt.

    Dort erscheint bereits der Günther Oettinger mit dem BILD Zitat " Friederike weiß, dass ich sie liebe!" (BILD vom 8.1.2009). Genau er war es, der den S21 Finanzierungsvertrag Anfang April 2009 unterschrieben hat, damit seine neue Geliebte, Friederike Beyer für ECM am Milaneo das grosse Einkaufszentrum bauen konnte.

    Heiner Geisslers Schlichtungsvorschlag zu S21 enthielt die Idee, die Grundstücke in eine Öffentliche Stiftung einzubringen, um sie dieser Spekulation zu entziehen. Darauf hat die Stadt Stuttgart mit der Behauptung geantwortet, sie habe es juristisch geprüft, aber die Stadt dürfe nicht Stiften. Diese Behauptung war falsch: Siehe Stiftung Frauenkirche zu Dresden! Es geht, wenn man will.

    Ich hoffe Lenks Objekt wird so geschmacklos, dass es S21 Befürworter wach rüttelt wie heute seine Imperia zum Konstanzer Konzil.
  • FernDerHeimat
    am 30.07.2014
    Rechter Kleinbürger und Kunstverständnis schliessen einander aus.
  • FernDerHeimat
    am 30.07.2014
    Rechter Kleinbürger und Kunstverständnis schliessen einander aus.
  • Peter Leidinger
    am 30.07.2014
    "Murks-Künstler" mit "Murks-Kunstprojekt" halt ... Was soll man von Lenk auch anderes erwarten ...
  • Peter Leidinger
    am 30.07.2014
    "Murks-Künstler" mit "Murks-Kunstprojekt" halt ... Was soll man von Lenk auch anderes erwarten ...
  • FernDerHeimat
    am 30.07.2014
    Ich drücke Herrn Lenk die Daumen, dass er eine besonders unbequeme - weil gut einsehbare - Stelle für sein Kunstwerk findet!

    Am besten direkt vor dem Landtag. ;)
  • FernDerHeimat
    am 30.07.2014
    Ich drücke Herrn Lenk die Daumen, dass er eine besonders unbequeme - weil gut einsehbare - Stelle für sein Kunstwerk findet!

    Am besten direkt vor dem Landtag. ;)
  • "Voll geschmacklos"!
    am 30.07.2014
    Wieder einer mehr der sich um das Murksprojekt S21 kümmert - wunderbar.
  • "Voll geschmacklos"!
    am 30.07.2014
    Wieder einer mehr der sich um das Murksprojekt S21 kümmert - wunderbar.

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