KONTEXT:Wochenzeitung
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Dietrich kneift

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Die Bahn macht einfach keine Freude. Wie schön wäre es gewesen, mit Projektsprecher Wolfgang Dietrich auf dem Süddeutschen Journalistentag am Samstag in Stuttgart zu diskutieren. Über S 21 und wie er das so sieht, über Dichtung und Wahrheit und die Berichterstattung darüber. So hatten es sich vier Landesverbände des Deutschen Journalistenverbands gewünscht. Josef-Otto Freudenreich (Kontext) und Robert Schrem (Flügel.tv) sollten ihm zur Seite stehen, aber nix war's.

Dietrich hat das "Forum Lokal" kurz vor knapp abgesagt. Mit derselben Begründung übrigens wie die Chefredaktionen von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten": kein Thema mehr, Schnee von gestern. Das verwundert insofern, als sich beide Parteien noch vor Kurzem genau über dieses Thema vor Gericht gestritten hatten (nachzulesen hier: Der S 21-Sprecher schießt wieder).

Das bedauern wir genauso wie die Veranstalter, die sich eine "kontroverse Diskussion" vor 600 erwarteten Journalisten erhofft hatten. Stattfinden wird das "Forum Print", das ein weniger konfliktträchtiges Thema hat: "Print lebt – in der Nische". Hier steht die Teilnehmerliste noch, unter anderem mit Freudenreich.

Die Veranstaltung beginnt am Samstag, 14. Juni, um 11 Uhr im Kongresszentrum der Stuttgarter Messe.

Noch 19 Tage!

Was ist Schwarmfinanzierung? Genau, das deutsche Wort für Crowdfunding. Da schwätzen wir dann lieber weiterhin Englisch mit Ihnen, denn das verstehen unsere Leser offenbar gut: Genau 2500 Euro sind zusammengekommen in nur einer Woche, seit wir unser erstes Crowdfunding-Projekt online gestellt haben. 6000 Euro sollen es werden zur Finanzierung des nächsten Kontext-Buches "Der König weint". 19 Tage sind noch Zeit, um diese Summe zu erreichen, und wir sind guter Dinge, aber auch ein bissle nervös. Denn wenn wir's nicht schaffen sollten, dann fällt das ganze Geld zurück an die Spender, und wir gucken in die Röhre. Deshalb: Wer das Projekt unterstützen möchte, der macht's am Besten alsbald. Zur Anmeldung geht es hier. Damit die Schweißtropfen auf unserer Stirn dann wirklich nur noch den Raumtemepraturen geschuldet sind.

Kontext – Weil Sie mitmachen!

Der Amtsschimmel wiehert nicht mal

Wie die Zeit vergeht! Am 27. Januar hat Kontext-Redakteur Jürgen Lessat eine Petition zum NSA-Abhörskandal beim Petitionsausschuss des Bundestags eingereicht. Sein Anliegen damals: Der Bundestag, zumindest die Abgeordneten, denen noch etwas am deutschen Grundgesetz und an der darin beschriebenen unverletzlichen Privatsphäre der Bürger liegt, möge Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und dem ihm unterstellten Generalbundesanwalt Harald Range Beine machen. In Sachen Strafverfolgung der millionenfachen Grundrechtsverletzungen durch die amerikanischen und britischen Geheimdienste. Denn noch Anfang des Jahres hätte die Große Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die vom Whistleblower Edward Snowden aufgedeckten Schnüffelpraktiken am liebsten unter den Teppich gekehrt. Quasi als politischer Kotau gegenüber dem großen Verbündeten jenseits des großen Teichs.

Doch inzwischen ist der öffentliche Druck zu groß geworden, sodass selbst Generalbundesanwalt Range gegen die NASA, pardon SNA, pardon NSA ermittelt, wie er am 4. Juni in Berlin mitteilte. Zwar nur wegen des Abhörens von Merkels Privathandy. Aber wer weiß, vielleicht decken die Staatsanwälte in Karlsruhe im Laufe des Verfahrens auf, dass auch Range selbst von den Amis bespitzelt wird. Und dann wären es schon zwei ausspionierte Handys. "Die mögliche massenhafte Erhebung von Telekommunikationsdaten der Bevölkerung in Deutschland durch britische und US-amerikanische Nachrichtendienste bleibt weiter unter Beobachtung", versicherte Range nur.

Und was macht die NSA-/Range-Petition von Kontext-Redakteur Lessat knapp ein halbes Jahr nach Einreichung? "Sie befindet sich derzeit in der Bearbeitungsphase", gibt eine Abteilungsleiterin in der Verwaltung des Petitionsausschusses auf telefonische Nachfrage freundlich Auskunft. Wann die Eingabe von den Ausschussmitgliedern geprüft werde, lasse sich zum derzeitigen Zeitpunkt leider nicht sagen. Auch leider nicht, wann sie zur Mitzeichnung auf https://epetitionen.bundestag.de/ online gestellt werde. "Aber da hat sich ja inzwischen einiges bei der Generalbundesanwaltschaft getan", macht die Sachbearbeiterin dem Petenten Mut. Immerhin habe die Bundesregierung auch schon eine Stellungnahme zu dem Begehren abgegeben. Und Generalbundesanwalt Range hat inzwischen auch kapiert, dass die amerikanischen Spione beim Geheimdienst namens NSA arbeiten, und nicht bei der Raumfahrtbehörde NASA. Schlaf schön weiter, deutscher Amtsschimmel!


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5 Kommentare verfügbar

  • Stupor Mundi
    am 11.06.2014
    Antworten
    Zur NSA kann ich nur das beitragen:

    http://stupormundiorient.wordpress.com/2014/03/24/tief-im-westen-wartet-die-nsa/
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