Heckler-&-Koch-Gelände in Oberndorf. Foto: Jens Volle

Heckler-&-Koch-Gelände in Oberndorf. Foto: Jens Volle

Ausgabe 386
Wirtschaft

Heckler & Koch auf Ramschniveau

Von Martin Himmelheber
Datum: 22.08.2018
Ende Juli hat Heckler & Koch seine Aktionärsversammlung abgeblasen. Wegen der "unerwartet hohen Anmeldezahl". Nun soll sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit am 21. September im Badhaus im Rottweiler Neckartal stattfinden. Rating-Agenturen stufen die Oberndorfer Waffenschmiede derweil als erheblich riskantes Investment ein.

Das "Badhaus" wurde im ersten Weltkrieg in der Rottweiler Pulverfabrik gebaut. Seit zwei Jahrzehnten veranstalten die Betreiber, der Pianist Altfrid Weber und die Sängerin Christina Jänichen hier Konzerte, Vorträge und Theaterabende. Auf Nachfrage gab sich Badhausbetreiber Weber zunächst ahnungslos: "Heckler und Koch – das sind doch die mit dem G 3?" Wenig später aber bestätigte er die Information. 

Auch diesmal wird die Versammlung hinter verschlossenen Türen stattfinden. Vor einem Jahr hatte der damalige H&K-Chef Norbert Scheuch versprochen, die nächste Versammlung solle öffentlich sein. Intern legte er auch fest, dass H&K seine Geschäfte nur noch mit "grünen Ländern" macht, also mit möglichst korruptionsfreien und rechtsstaatlich demokratisch organisierten Ländern. Doch Scheuch ist inzwischen Geschichte – er wurde zwei Wochen nach der Hauptversammlung Ende August 2017 gefeuert. 

"Extrem schwaches operatives Geschäft"

Schade, denn die Öffentlichkeit erführe gern mehr zum Unternehmen: Die Haltung zum Mexiko-Prozess, die wirtschaftlichen Probleme und jüngst: die schlechten Urteile der Rating-Agenturen. Mit ihnen muss sich Heckler & Koch seit Jahr und Tag befassen. Jetzt hat das Unternehmen zwei Agenturen kurzerhand gekündigt. Man brauche keine Ratings mehr, heißt es in einer H&K-Pressemitteilung. Erst vor anderthalb Monaten hatte Moody's sein Rating für die Oberndorfer auf Caa1 abgesenkt. Im Rating-Sprech bedeutet das, die Papiere seien "spekulativ", der Schuldner habe "niedrige Einnahmen".

Caa1 – viel schlechter geht's gar nicht. Screenshot: "Rating Symbols and  Definitions" by Moody's
Caa1 – viel schlechter geht's gar nicht. Screenshot: "Rating Symbols and
Definitions" by Moody's
, Seite 7

Der Fachdienst "finance.de" schreibt, das liege "vor allem am extrem schwachen operativen Geschäft: Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres ist das Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände, d.R.) der Waffenschmiede um 60 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum gesunken."

Moody's und S&P hatten solche Probleme den H&K-Managern und der Finanzwelt immer wiederaufgezeigt. Damit soll nun Schluss sein. In einer wenige Zeilen umfassenden, in englischer Sprache veröffentlichen Mitteilung heißt es: Heckler und Koch habe entschieden, "die Rating-Verträge der Gruppe mit Moody's und S&P zu beenden, weil keine unserer neuen Finanzierungsvereinbarungen es nötig machen, dass die Gruppe weiterhin geratet wird, und wir gegenwärtig nicht erwarten, dass wir in der Zukunft eine gelistete Anleihe ausgeben wollen, die ein Rating erforderlich machen würde."

Insbesondere das letzte "Caa1-Rating" dürfte die Manager sehr geärgert haben. Die Ratingagenturen hätten in der Vergangenheit bei den H&K-Finanzierungen "für Sichtbarkeit und Transparenz gesorgt, die das Unternehmen nicht so schätzt", sagt ein langjähriger Beobachter der Oberndorfer. Welche "neuen Finanzierungsvereinbarungen" H&K getroffen hat, sei allerdings unklar. Das wird es womöglich auch bleiben.

Und noch ein Thema würde die Öffentlichkeit sicher interessieren: der geplante Abgang des Finanzvorstands Wolfgang Hesse. Interessant ist auch, wer denn nun der Hauptanteilseigner bei H&K ist? Andreas Heeschen oder doch der französische Investmentfondsmanagers Nicolas Walewski? Das behauptet der ehemalige H&K-Chef Nicola Marinelli. Der Scheuch-Vorgänger will wegen eines angeblichen Eigentümerwechsels eine hohe Abfindung kassieren. Sein Fall wird am 16. Oktober vor dem Landgericht Rottweil verhandelt.

Als Zeugen versucht das Gericht, Heeschen zu laden. An eine Heeschen-Adresse in der Schweiz hatte das Gericht die Ladung geschickt, sie kam mit dem Vermerk "unzustellbar" zurück. Vielleicht ist Heeschen ja demnächst im Rottweiler Badhaus, und ein Gerichtsdiener bringt die Ladung eben vorbei.


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