Protest vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Heckler & Koch. Fotos: Joachim E. Röttgers

Protest vor der Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Heckler & Koch. Fotos: Joachim E. Röttgers

Ausgabe 297
Wirtschaft

Friedensgeklingel aus Oberndorf

Von Gastautor Jürgen Grässlin
Datum: 07.12.2016
Die Oberndorfer Waffenschmiede Heckler & Koch will nur noch "solide Länder" beliefern. So sagte es ein anonymer Manager der Deutschen Presse-Agentur. Von wegen, sagt unser Gastautor.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Aussage, der 28. November. Denn gerade einmal zwei Tage später gab es Post von Sigmar Gabriel. Der SPD-Chef schickte eine Botschaft des Bundessicherheitsrates an den Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag, Peter Ramsauer (CSU), mit folgendem Inhalt: Gleich drei "solide Länder" dürfen mit Gewehren und Waffenbestandteilen von Heckler & Koch (H&K) beliefert werden. Indonesien, Malaysia, Südkorea.

Für Indonesien wurden genehmigt: 450 vollautomatische Gewehre, 150 Anbaugeräte, 50 Maschinengewehre, 100 Rohre für Maschinengewehre, 100 Maschinenpistolen und 500 000 Patronen (= Schuss Munition) Kaliber 4.6; Gesamtwert rund 3,9 Millionen Euro. Für Malaysia: 300 vollautomatische Gewehre, 300 Maschinenpistolen, 50 Maschinengewehre und 50 Rohre für Maschinengewehre im Wert von rund 1,8 Millionen Euro. Für Südkorea: 400 vollautomatische Gewehre und 60 Gehäuseoberteile im Wert von 1,3 Millionen Euro. "Antragsteller" ist laut Gabriel in allen drei Fällen die Heckler & Koch GmbH. Der Sozialdemokrat führt zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den geheim tagenden Bundessicherheitsrat. Damit ist der Weg frei, den erfolgreichen Anfragen an den Bundessicherheitsrat nunmehr die entsprechenden Neuverträge über die Kleinwaffenlieferungen an die drei Länder folgen zu lassen.


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4 Kommentare verfügbar

  • Schwabe
    am 13.12.2016
    Merkelsche bzw. neoliberal bürgerlich Politik (CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD) verhindert freiwillig keinen Waffendeal - es sei denn der öffentliche Druck wird zu groß. Außerdem ist H&K keine Friedensorganisation sondern beantragt diese Waffen in Kriegs- und Krisenregionen liefern zu dürfen - zur Not auch ohne "Genehmigung", siehe Mexiko.

    Menschen die H&K trotzdem versuchen zu verteidigen halte ich für armselig und diese werden wohl erst begreifen bzw. zugeben was los ist, wenn z.B. das eigene Kind sinnlos durch eine H&K Kugel den Tod finden würde. Doch Gott sei Dank sind wir ja weit weg von alle dem (was wir anrichten).
    Etwas mehr Empathie (über den eigenen Familienkreis hinaus) stünde solchen Menschen gut zu Gesicht.
  • Andrea
    am 11.12.2016
    Wenn ich mich richtig an die dpa-Meldung erinnere wurde in einem Nebensatz erwähnt, dass H&K schlicht keine Ausfuhrgenehigungen mehr für diese Länder bekommt. Also ist es schlussendlich gar keine Entscheidung des Unternehmens sondern der Politik.
  • Schwabe
    am 09.12.2016
    Sätze die man nicht oft genug wiederholen kann:
    "Alle 13 Minuten stirbt im Durchschnitt ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf einer H&K-Waffe."
    "Cheflobbyist Volker Kauder (CDU) kann hier umso erfolgreicher hinter den Kulissen tätig werden, je schneller das Image des Betriebs von blutrot auf "grüne Staaten" umgestellt werden kann."
    "So leistet H&K also weiterhin Beihilfe zu Mord."

    Vielen Dank meinem Vorkommentator Stefan, 08.12.2016 10:39, dessen Kommentar nichts hinzuzufügen ist und dem ich mich vollumfänglich anschließe!
  • Stefan
    am 08.12.2016
    Vielen Dank für diesen Artikel! Das ist Journalismus wie er sein sollte, der Autor geht dorthin wo es weh tut und spricht das Unwesen das Heckler und Koch seit Jahrzehnten treibt konkret an. Dafür ein großes Lob.

    Während z.B. unsere Kanzlerin einerseits Flüchtlinge willkommen heisst, aber auf der anderen Seite seit Jahren dabei eifrigst mithilft, dass Heckler und Koch noch mehr schwere Kriegswaffen in Krisenregionen schickt. Zudem unterstützt u.a. Frau Merkel (aber auch fast der ganze Rest im Bundestag diese mörderische Politik, einfach die Abstimmungen für die Kriege in Afganistan oder Kosovo anschauen dann fällts wie Schuppen von den Augen) die brutalen Angriffskriege der Nato seit Anbeginn ihrer Kanzlerschaft. Wäre schön wenn man diese abartige und menschenverachtende Politik von Frau Merkel mal etwas prominenter platzieren könnte und entsprechend thematisieren würde.

    Merkel kommt mir hier deutlich zu gut weg bei dem Unwesen das sie da seit Jahren treiben darf. Sie ist eine derjenigen die erst Kriege führen, dann damit Flüchtlingsströme verursachen und lässt sich dann als Schutzheilige der Flüchtlinge feiern.

    Mehr Heuchelei und Niederträchtigkeit geht nicht.

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