Auch in der Kontext-Redaktion prahlten zwei Mitarbeiter mit dem Chaos auf ihren Schreibtischen. Doch Joachim E. Röttgers zeigte sich unbeeindruckt. Der Fotografenmeister lichtet gerne Menschen in ihrer natürlichen Umgebung ab, also an ihrem Arbeitsplatz. In vielen Großraumbüros ist das Nomadentum eingezogen, niemand hat mehr einen festen Platz, die Wirkungsstätte des Tages muss zum Feierabend so hinterlassen werden, dass keine Rückschlüsse möglich sind, wer hier am Werkeln war – keine Pflanzen, keine Bilder, nichts Persönliches, englischer Rasen als Unternehmenskultur, weil hier die Gärtner das Unkraut einhegen.
Schafft es irgendwie noch zu seinem Schreibtisch: EDV-Berater Matthias Pfaff an seinem Arbeitsplatz. Foto: Joachim E. Röttgers
Aber es gibt sie noch, die Orte, wo das Leben sprießen darf. Wo einsturzgefährdete Papiertürme tollkühn der Schwerkraft trotzen und überlebenswichtige Dokumente mit unsinnig vollgekritzeltem Schmierpapier zu einer Art Bürolasagne verschmelzen. Und in dieser nicht genauer regulierten Liga der außergewöhnlichen Unordnung glaubten zwei Kontextler, ganz vorne mitzumischen. Aber es gibt immer einen größeren Fisch. Erst war es für die beiden Redakteure schwierig nachzuvollziehen, warum Röttgers das Durcheinander auf ihren Schreibtischen nicht dokumentieren wollte. Als sie später die Fotos von der Konkurrenz sahen, mussten sie ihre Niederlage neidlos anerkennen.




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