Ein Pferd steigt im flachen Meer, Wasser spritzt, der Himmel ist grau. Auf seinem Rücken sitzt Ghita Jhiate, eine marokkanische Reiterin, die sich in einer Tradition behauptet, die lange Männern vorbehalten war. Tbourida heißt dieses Reitritual, in dem Pferde, Körperbeherrschung und Schießpulver zu einer Inszenierung von Macht werden. In Chantal Pinzis Bild ist diese Macht nicht verschwunden. Aber sie wird verschoben. Eine Frau hält die Zügel. Nicht souverän im glatten Sinn, nicht als triumphale Geste. Eher angespannt, riskant, wirklich.
Es ist ein guter Anfang für eine Ausstellung, die keine einfachen Bilder liefert. Vom 21. Mai bis 14. Juni 2026 zeigt die Stadthalle Balingen die prämierten Arbeiten des weltweit bedeutendsten Wettbewerbs für Pressefotografie und dokumentarische Fotografie. Die World Press Photo Foundation, eine gemeinnützige Stiftung aus den Niederlanden, zeichnet seit 1955 jedes Jahr die besten internationalen Pressefotografien des jeweiligen Vorjahres mit dem World Press Photo Award aus. Diesmal wurden die ausgezeichneten Arbeiten aus mehr als 57.000 eingereichten Fotografien ausgewählt. Es sind Bilder aus Kriegen, von Klimafolgen, aus Gerichtsgängen, von Inseln, aus Werkstätten und Klassenzimmern. Sie zeigen nicht "die Welt", als ließe sie sich vollständig abbilden. Aber sie zeigen, wo sie brüchig wird.




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