Seine erste Ausstellung stürmte die amerikanische Militärpolizei. "Liquidationen" nannte Ulrich Bernhardt eine Serie von Zeitschriftenausschnitten aus dem Life-Magazin, die er im Club Voltaire Stuttgart zusammengetragen hatte. Mit Aceton behandelt, lösten sich die Bilder, darunter Vietnamkriegssoldaten, von den Rändern her auf. Die damit verbundene Kritik an dem Krieg ging der Militärpolizei gegen den Strich. Sie verwüstete den Club und zerstörte einen Teil der Arbeiten. Die erhaltenen Blätter tragen nun die Spuren einer dreifachen Gewalt: die des Kriegs auf den Magazinbildern, die von Bernhardts Lösungsmittel-Attacken und die des Vandalismus der GIs.
Bernhardts "Liquidationen", die 1966 entstanden, sind nun im Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe zu sehen. Sechs Jahrzehnte künstlerischer Arbeit liegen hinter dem Medienkunst-Pionier, Gründer des Stuttgarter Künstlerhauses und heutigen Mitglied der Gruppe SOUP (Stuttgarter Observatorium urbaner Phänomene). Eine Retrospektive war eigentlich längst überfällig. Im ZKM, dem der 84-Jährige einen Teil seines Nachlasses übergeben hat, ist sie am richtigen Platz.




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