Bild 1 von 14: Peter Lenk (oben) enthüllt sein Narrenschiff in Bodman. Für mehr Mafia aufs Bild klicken.

Die Chefetage frohlockt: Dieter Zetsche (Daimler), Martin Winterkorn (VW) und Rupert Stadler (Audi) machen Party. Und Beatrix von Storch passt auf, dass sich keine Schmarotzer an Bord schmuggeln.

Wie zu erwarten war, ist manch Spießbürger verprellt.

Lenk zeigt die Menschheit von ihrer schönsten Seite.

Der Bildhauer bei der Signierstunde.

Erst mal die Köpfe zusammenstecken, um die Eindrücke auszutauschen.

Kann den Dieselskandal nicht wegblasen: Musikverein Ludwigshafen.

Da lohnt sich ein Blick aus nächster Nähe.

Das Narrenschiff in voller Pracht.

Ausgabe 371
Schaubühne

Denkmal für die Diesel-Mafia

Von Susanne Stiefel
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 09.05.2018
Showtime in Bodman. Ein Wandrelief von Peter Lenk wird eingeweiht. Mit Bratwurst und Blasmusik. Doch der Anarcho-Künstler spielt der kapitalistischen Welt ihre eigene Melodie vor: Auf seinem Narrenschiff am Bodensee tanzen seit Sonntag deutsche Autobosse und Politiker einen makabren Dieseltango.

Wer Lenk lobt, lebt gefährlich. Denn ganz schnell findet er sich in seinen Kunstwerken wieder, wie etwa EU-Kommissar Günther Oettinger. Oder wie Union-Fraktionschef Volker Kauder im Bananenröckchen. Doch Landesjustizminister Guido Wolf, ebenfalls CDU und eigens zur Einweihung nach Bodman gereist, gibt sich unerschrocken. Er sei ein Lenk-Fan, sagt Wolf vergnügt und lobt die Narren, die der Politik den Spiegel vorhalten. Ein kleiner Seitenhieb gegen den Parteifreund und CDU-Landeschef Thomas Strobl, der Lenk einen Skandalkünstler schilt und seine Kunst Sauereien. Kleine Gemeinheiten können nie schaden in der Welt der Politik, in der Parteifreunde ein Synonym für Feinde ist. Guido Wolf lacht vergnügt. Doch noch ist das Relief am Bodmaner Seeum versteckt hinter einer Plane.

Der Künstler allerdings ist bereits aufs Dach geklettert und lässt die Hüllen fallen. Sein Narrenschiff nimmt Fahrt auf, die Automanager und ihre Lobbyisten fühlen sich sichtlich wohl an Deck. Der Kunst-Anarchist zieht die Politik mal wieder gehörig an den Ohren und lacht gegen die Wirtschaftsbosse an. Und er hat mit Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe und Schrecken der Autokonzerne, einen kundigen Laudator, der Lenks lustige Narreteien in scharfe Worte gießt. "Ohne Tricks geht nix" – getreu diesem Motto hat der Provokateur den schärfsten Kritiker der Automobilkonzerne nach Bodman geholt. In aller Heimlichkeit, versteht sich. Wer einen Lenk bestellt, muss auf Überraschungen gefasst sein. Denn der will den öffentlichen Raum nicht den Spießbürgern überlassen. Und die Reden nicht den Politikern.

Und Jürgen Resch geht in die Vollen. Daimler, BMW, Volkswagen, Audi, Porsche und Bosch hätten sich zu einem kriminellen Kartell zusammengeschlossen und Profit gemacht durch Verschwörung gegen die Kunden, die Umwelt und die saubere Luft. Vom Diesel-Abgasbetrug ist die Rede, vom Paten Martin Winterkorn (VW), der in den USA mit Haftbefehl besucht wird. Von Daimler-Boss Dieter Zetsche, der den Kunden verspreche "Das Beste oder nichts" und tatsächlich die schlimmsten Abgaswerte liefere. Das entfaltet eine besondere Wucht, weil der weißhaarige Resch die Fakten mit sanfter Stimme und ohne rhetorischen Furor vorträgt. Dieselgate ist einer der größten Industrieskandale der Nachkriegsgeschichte.

Hinter Reschs Rücken lacht Peter Altmaier, der als Koodinator der Umweltsünden der Bundesregierung fungiert hat, fett von der Wand. Beatrix von Storch sorgt mit einem Maschinengewehr dafür, dass keine Flüchtlinge an Bord des Narrenschiffs klettern und die Party stören. "Der Staat ist bei uns an der Organisierten Kriminalität zu 20 Prozent fix und per VW-Gesetz beteiligt", sagt Resch mit einer Stimme, als läse er den Katechismus vor. Und schiebt nach: "Das Mafia-Denkmal in Italien finden Sie in Palermo, das deutsche Denkmal über die organisierte Kriminalität seit heute hier in Bodman." Gequältes Lächeln bei manchen auf den Bierbänken, aber auch frenetischer Beifall. Es ist wie immer bei Lenk – der Mann spaltet. Ein bisschen Blasmusik zur Beruhigung der Gemüter also. Die Männer vom Musikverein Ludwigshafen machen dicke Backen und geben ihr Bestes.

Der Künstler, Sonnenbrille, Kappe, Schnauzer, Hosenträger, sitzt inzwischen vergnügt unter einem Sonnenschirm, signiert seine Broschüre zum Narrenschiff und ältere Bücher, lacht und freut sich, dass zur Einweihung seines Denkmals für die Diesel-Mafia ein Justizminister angereist ist. Dem hat er das Heftchen zum neuen Kunstwerk geschenkt: "Für Guido" habe er hineingeschrieben, sagt Lenk und es mit dem Worten überreicht: "Wenn Sie als Justizminister diese kriminellen Verbrecher so jagen wie der andere Wolf kürzlich die Schafe im Schwarzwald, dann wähle ich zum ersten Mal CDU". Guido Wolf, der bekennende Lenk-Fan, hat immer noch gelacht. Vielleicht nicht mehr ganz so vergnügt wie zu Beginn der Veranstaltung. Er hätte es wissen müssen: Umarmungsstrategien gehen selten auf bei einem lustvollen Zündler wie Lenk.

Die lesenswerte Rede von Jürgen Resch ist hier in voller Länge zu haben.


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4 Kommentare verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 15.05.2018
    Denkmal?!? Da dieselt dann wohl die Mafia.

    Jetzt ist es notwendig, um ein Denkmal zu erhalten, das vergangenes Wirkung bis heute zeigt!

    Also hier zu Vergangenem von unserem Landesamt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Auftrag gegeben und von kompetenten Fachleuten erstellt:
    1998 - 1999 http://up.picr.de/32625266gb.pdf Forschungsaufträge zu Luftschadstoffen durch Verbrennungsvorgänge, Motoren, Abrieben, Feinstäuben, NOx und NO2 und…
    Darin dieser vielsagende -schon altertümlich anmutende- Erkenntnis-Schatz:
    Dabei werden beim Test-Bus etwa 6 kg Ammoniumcarbamat auf 1000 km Fahrstrecke verbraucht. Ein Diesel-Pkw könnte mit dieser Menge rund 10000 bis 15000 km zurücklegen mit dem Vorteil, daß eine Nachfüllung mit dem Zeitraum eines Ölwechsel-Intervalls in etwa korrespondiert.

    [b][i]Empfehlung für die Umsetzung/Praxis[/b][/i]
    Aus den Forschungsergebnissen folgt, dass neben dem bereits bekannten Verfahren der Ammoniakgewinnung aus Harnstofflösungen („Harnstoff-SCR“) die thermolytische Zersetzung von Ammoniumcarbamat die bei der Harnstoff-Spaltung möglicherweise auftretenden Probleme vermeiden kann. Neben den verfahrenstechnischen Schwierigkeiten einer kontrollierten Dosierung von wäßrigen Harnstofflösungen in Aerosolform ist als Nachteil bei der NH3-Gewinnung auf diesem Wege die mögliche Bildung von unerwünschten Nebenprodukten wie beispielsweise Isocyansäure (HNCO) zu nennen. Darüber hinaus steht dem Einsatz wäßriger Harnstofflösungen deren ungünstiger Gefrierpunkt entgegen. Der eutektische Punkt einer [b]Harnstoff/Wasser-Mischung[/b] liegt nämlich bei rund -11,5 °C bzw. mit Zusätzen von Ammoniumformiat (oder Methanol) bei –22 °C, was [b]nicht[/b] den Anforderungen an die [b]Wintertauglichkeit[/b] eines Betriebsstoffes im Kfz entspricht.

    http://www.parkschuetzer.de/statements/200833 Diesel-Manipulationen bei Audi - Die Konzerne täuschen, der Staat sieht zu …
    Mit meinen Kommentaren 09.05.2018 um 20.31; 11.05.2018 um 12.28, um 17.47, um 18.11 und um 18.57
    Dieses darin:
    Stellungnahme von Dr.-Ing. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik, ADAC e.V.
    Auszug von Seite 6
    1.2. Der ADAC EcoTest
    Der [b]ADAC EcoTest wurde 2003 erstmals vorgestellt[/b]. Sein Ziel ist die ganzheitliche Bewertung des Umweltverhaltens von Pkw, um Kaufinteressenten eine unabhängige Vergleichsbasis an die Hand zu geben, mit der sie ihre Entscheidung direkt an Kriterien des Kraftstoffverbrauchs und der Schadstoff-Emissionen ausrichten können. Das Ergebnis ist eine einfach nachvollziehbare Bewertung mit bis zu fünf Sternen für jedes Auto. Gleichzeitig setzte der ADAC damit früh ein Zeichen, dass Abweichungen zwischen Typgenehmigungswert und [b]realitätsnaher Emissionsmessung[/b] nicht hinnehmbar sind.
  • Peter Meisel
    am 12.05.2018
    Peter Lenk ist die gigantische Optik für unseren Blick. Wer nicht hinschaut, kann nichts sehen! (KRABAT)
    Das Narrenschiff zu Bodman von Peter Lenk und der Rechtsstaat als Demokratisches Fundament (s. Aristoteles)?
    Die Gedanken von Jürgen Resch über die organisierte Kriminalität in Deutschland haben mich begeistert. Das Sittenrelief dokumentiert die systemische Fehlentwicklung unserer Gesellschaft. Es beschreibt einen Fehler der „Marktkonformen Demokratie“ von Mutti Merkel und fehlendes Regieren.
    Es zeigt die wahren Machtverhältnisse in der Autorepublik Deutschland. Die Narren sind das Volk! Seit mehr als zwanzig Jahren schaut das Volk zu und die deutsche Justiz weg.
    Das erste Denk-mal in unserem Heimatland zur organisierten Kriminalität in Bodman.
    Die Gerichtsentscheidungen zur „sauberen Luft“ werden einfach ignoriert.

    Die Deutsche Umwelthilfe musste die Abgasmessungen in der Schweiz durchführen um den Betrug bei praktisch allen Autokonzernen nachzuweisen.
    Und jetzt zur Einweihung des Narrenschiffs der Haftbefehl gegen Martin Winterkorn aus den USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigt eine unabhängige Justiz? Ein Vorbild für Deutschland.
    Peter Lenks Narrenschiff ist ein Denkmal für den verlotterten Zustand unserer Republik und ein Weckruf für den anwesenden Justizminister des Landes Baden-Württemberg Guido Wolf?
    Kunst macht sichtbar, was man sonst nicht sieht! Danke
  • Schwa be
    am 12.05.2018
    Vielen Dank an Peter Lenk für seinen nach wie vor ungebrochenen und wohltuenden klaren Blick auf unsere politische Landschaft !!
    Bei nächster Gelegenheit werde ich mir das Kunstwerk live anschauen - und dann natürlich einen Abstecher zu Peter Lenks Atelier machen um vielleicht (erneut) etwas zu erwerben.
    Frage an Peter Lenk: Wann bekommt Stuttgart denn sein längst überfälliges Kunstwerk?
  • Manfred Fröhlich
    am 09.05.2018
    Nach dem Dieselgate-Abgasbetrug - von Daimler, BMW, Volkswagen, Audi, Porsche, Bosch & der Regierungs-Politik - konnte die heutige Musterfeststellungsklage (BMJV_Bund) nur halbherzig sein. - Peter Lenk wusste das längst!

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