Ausgabe 227
Editorial

Obama lauscht in Singen

Von unserer Redaktion
Datum: 05.08.2015

Ein neuer Lenk, Enthüllung der Paradiesschlange am Wochenende - da war für Kontext eine kleiner Ausflug an den Hohentwiel angesagt, dem Meister der Provokation zu Ehren. Wissen wir doch, dass Peter Lenk immer wieder den Kunstbetrieb und die Politik überlistet. Nun hört also Barack Obama Singener Bürger ab. Lidl-Chef Dieter Schwarz späht seine Angestellten aus. Amazon-Gründer Jeff "Gnadenlos" Bezzos hängt auch am Kabel.

Lenks "Paradiesschlange". Foto: Susanne Marx
Lenks "Paradiesschlange". Foto: Susanne Marx

Schuld daran ist mal wieder dieser Lenk, der nichts lieber macht, als den Mächtigen die Hosen runter zu lassen. Der Paradiesbaum in Singen hat seine dreiköpfige Kabel-Schlange. Sie alle, so der Bildhauer aus Bodman, nutzen das Internet für ihre ausbeuterischen Geschäfte und die Überwachung von Kollegen und Kunden. Nackte Wahrheiten, auch wenn in diesem Fall nur die Köpfe zu sehen sind.

Das ist beim taz-Relief "Friede sei mit dir" deutlich anders, das taz-intern schon mal als Lenkwaffe firmiert. Die Berliner haben es längst umgetauft in "Pimmel über Berlin". Die Satire auf eine reale Auseinandersetzung zwischen der taz und der Bild-Zeitung, in der es um die Potenz des Bild-Chefredakteurs ging, hat nun Wellen geschlagen bis ans andere Ende der Welt. Der Pimmel über Berlin wird Thema im Deutschunterricht in Australien. Die Deutschstudentin Kate Hallam aus Brisbane war bei einem Berlinbesuch so angetan, dass sie darüber einen Vortrag halten wird. "In Australien haben wir die Medienbarone Rupert Murdoch und Kerry Packer und ich hätte gerne eine australische Variante von "Friede sei mit dir", mailte sie an den Bodensee.

Peter Lenk und Kontextredakteurin Susanne Stiefel.
Peter Lenk und Kontextredakteurin Susanne Stiefel.

Seine deftigen Politikerskulpturen lassen jedenfalls keinen kalt. Die einen würden den Bürgerschreck am liebsten im Bodensee versenken, die anderen freuen sich über seine lustvollen Provokationen. Womöglich ist genau das der Grund für den Erfolg seines Buches, in dem Lenk alle seine Kunstwerke und ihre Entstehungsgeschichte dokumentiert. Über 15 000 mal hat sich "Peter Lenk Skulpturen" bereits verkauft, und das ist erstaunlich viel für ein teures Kunstbuch. Nun ist die fünfte und erweiterte Auflage erschienen. Auch die Singener Paradiesschlange zischelt schon von einer Seite.

Sicher ist aber, dass man nie weiß, was der Satiriker als nächstes ausheckt. Noch vor der nächsten Landtagswahl wollte Lenk sein S-21-Kunstwerk in der Landeshauptstadt an eine Stuttgarter Hausfassade hängen. Kettensäger und Tunnelbohrer, Befürworter und Gegner sollen sich darauf tummeln. Der Zeitpunkt allerdings lässt sich nicht halten. "Weil es zu viele Spitzbuben in diesem Skandalprojekt gibt, brauche ich länger", sagt Lenk gegenüber Kontext. Ob früher oder später - bald ist wohl auch in Stuttgart Schluss mit lenkfrei. Die einen werden sich darüber freuen. Die anderen nicht. Lenk as usual.

Hilferuf aus Athen

Lenk provoziert nicht nur, er spendet auch. Genauso wie Theaterchef Christoph Nix und seine Schauspieler. Und zwar beim "Gesundheitsnetz Hegau" (GNH), das Geld, medizinische Geräte und Medikamente nach Athen schickt. Unterstützt von Kontext und "seemoz" sind schon respektable Summen zusammen gekommen. Aber es reicht nicht.

Konstantinos Kokossis, ehrenamtlicher Verwaltungschef der Athener Solidarklinik, über die wir schon mehrfach berichtet haben, hat Sorgen, große Sorgen. Die letzte Spendenrate vom Bodensee schlummert immer noch auf seinem griechischen Konto, wegen der Schließung der Banken. Derweil gehen die Medikamenten-Vorräte zur Neige. Und die Flüchtlinge kommen. Und der frühere Diplomat setzt einen Hilferuf ab.

Es fehlt an allem: Zahnpasta und Shampoo, Bürsten für Zähne, Haut und Haare, Reinigungsmittel jeglicher Art und natürlich Medikamente. Die Athener Wunschliste umfasst 16 Medikamente von der Anti-Pilz-Salbe bis zu Antidepressiva für die traumatisierten Flüchtlinge. Die beiden Flüchtlingslager "Petrou Ralli" und "Amygdaleza", ehemalige Kasernen in der griechischen Hauptstadt, platzen aus allen Nähten. Die Athener Behörden haben daher "solidarity4all", die Dachorganisation aller Solidarkliniken im Land, um Hilfe gebeten. Und Kokossis wünscht sich weitere Unterstützung von seinen Freunden vom Bodensee.

Deshalb hat sich Peter Mannherz, Steuerberater von der Höri und Koordinator der GNH-Hilfe, mit seinen Freunden zu einem dramatischen Schritt entschieden. Das Spendenkonto wird kurzfristig "geplündert" und ein stattlicher vierstelligen Euro-Betrag nach Athen überwiesen - alles in der Hoffnung, dass die griechischen Banken nun endlich auch wieder größere Beträge auszahlen. Die Kehrseite: Das bislang von Spendern aus der Schweiz und ganz Baden-Württemberg eingegangene Geld, mit dem eine Jahresmiete für die Athener Solidarklinik abgesichert war, reicht jetzt nur noch für drei Monate.

Kurzum: Neues Geld muss her. Und deshalb bitten die im GNH zusammengeschlossenen Ärzte und Apotheker um einen kräftigen Spendenschub. Wenn Sie sich immer schon fragten, wie man gerade jetzt dem geschundenen griechischen Volk helfen kann - hier ist die Möglichkeit: Spenden Sie auf das Treuhandkonto Peter Mannherz bei der Volksbank Konstanz, IBAN: DE18692910000226191801, BIC: GENODE61RAD. 


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