KONTEXT:Wochenzeitung
KONTEXT:Wochenzeitung

Camper aller Länder, vereinigt euch

|

 Fotos: Joachim E. Röttgers 

|

Datum:

Der Widerstand gegen den G20-Gipfel in Hamburg macht auch vor den Stuttgarter Straßen nicht halt: Am Samstag blockierten GipfelgegnerInnen mit einem Protestcamp die Königstraße. Beinahe jedenfalls.

ZurückWeiter

Plötzlich fliegen Zelte durch die Luft, Passanten blinzeln irritiert und unterbrechen ihren Trott. Ein paar Verwegene trauen sich sogar näher heran an das Spektakel, fragen verwundert, was hier los ist: In Sekundenschnelle hat das Stuttgarter Bündnis No G20 ein Protestcamp aus dem Boden gestampft, die orangefarbenen Wurfzelte zieren Slogans wie "Gekommen, um zu campen" oder "yes, we camp".

Der Hintergrund der Aktion: Wenn Anfang Juli die Mächtigen der Welt in Hamburg zusammenkommen, gestaltet sich der Widerstand gegen das Stelldichein der Staatschefs schwierig. Putin, Trump, Erdoğan und Co. sollen weiträumig abgeschirmt werden von etwaigen Demonstrationen. Die Schutzzone der Polizei umfasst stolze 38 Quadratkilometer – das entspricht der Größe von Böblingen oder zehnmal der Stuttgarter Innenstadt. In diesem Gebiet liegt auch der Hamburger Stadtpark, in dem bis zu 5000 GipfelgegnerInnen campen wollten.

Dass sich der Hamburger Senat durch den Protest auf den Stuttgarter Straßen erweichen lässt, die Flächen freizugeben, halten die DemonstrantInnen selbst für illusorisch. Wichtig sei die Botschaft: "Wir kommen trotzdem", erklärt Paul von Pokrzywnicki stellvertretend für das Bündnis. Der linke Aktivist Mitte 20 vermutet, dass DemonstrantInnen durch die großflächigen Sperrungen der Polizei ferngehalten werden sollen: "Viele wollen von außerhalb kommen, auch aus dem Ausland, und sind auf günstige Übernachtungsmöglichkeiten angewiesen." Er hofft, dass sich von den erschwerten Bedingungen möglichst wenige abschrecken lassen werden. "Zur Not besetzen wir eben öffentlichen Raum mit unseren Zelten", kündigt er an.

Wie am Samstag in Stuttgart. Zugegeben, mit einem knappen Dutzend AktivistInnen war das Protestcamp eher ein Zeltstädtchen. Nur die etwa 20 Demo-Deligierte waren da, je einer für jede beteiligte Unterstützer-Gruppe. Darunter die Stuttgarter Ortsgruppen von Attac, der Linken, den Grünen und der Verdi-Jugend sowie ein kurdischer Studierendenverband. Ihr Flashmob soll, als eine Aktion von vielen, bei der Mobilisierung helfen: "Wenn in Hamburg Autokraten hofiert werden, geht das uns alle was an, egal wo." Während die Staatschefs für sich in Anspruch nehmen würden, zwei Drittel der Weltbevölkerung zu repräsentieren, verträten sie in Wahrheit die Interessen von Banken, Konzernen und der Rüstungsindustrie.

Info:

Damit GipfelgegnerInnen günstig nach Hamburg und zurück reisen können, organisiert das Stuttgarter No-G20-Bündnis einen Sonderzug. Der "ZuG20" startet in Basel und hält auf der Durchreise auch in Heidelberg, Frankfurt, Köln und Dortmund. Wer in Stuttgart zusteigt, zahlt hin und zurück 60 Euro, wobei es ein Kontingent an Soli-Tickets gibt: Je mehr Menschen freiwillig obendrauf zahlen, desto billiger können Menschen mit wenig Geld mitfahren. Platz bieten die elf Waggons für insgesamt 1000 Personen, aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt werden circa 200 Mitreisende erwartet.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT!
KONTEXT unterstützen!

Verbreiten Sie unseren Artikel
Artikel drucken


0 Kommentare verfügbar

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare anzeigen  

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.

Letzte Kommentare:






Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!