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Wilde Zeiten bei den Liberalen

Wilde Zeiten bei den Liberalen
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 Fotos: Günter Zint  

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Datum:

Dass er einmal bei den Liberalen landen würde – wer hätte das gedacht? Der Fotograf Günter Zint, Jahrgang 1941, Aktivist und Chronist der 68er-Bewegung, stellt seine Bilder im Stuttgarter Theodor-Heuss-Haus unter dem Titel "Wilde Zeiten" aus. Den Älteren unter uns sind seine Fotos, etwa nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, noch wohlvertraut. Es sind Dokumente deutscher Zeitgeschichte – engagiert, kritisch und nie unbeteiligt. Wie auch unser Fotograf Jo E. Röttgers weiß, der ihn seit langen Jahren kennt.

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Bei meinem ersten Besuch in Hamburg, im Sommer 1983, schleppte mich Günter als Erstes ins Salambo, das Sex-Etablissement seines Freundes Rene auf der Reeperbahn. Der fotografiert einfach alles, dachte ich, von Porno bis Pop, von den ersten Gastarbeitern bis zur Politik in Bonn und Berlin. So viel Geschichte und Günter war dabei und hat auf den Auslöser gedrückt. Beim Start der Beatles im Hamburger Star-Club, bei der Kommune 1 und den 68ern, beim Kampf der Anti-Atom-Bewegung in Brokdorf und Gorleben. Er hat Günter Wallraff bei seinen Untercover-Recherchen begleitet, und er hat sich nie gescheut, Position zu beziehen und sie in seinen Fotos zu zeigen: engagiert aufseiten der Schwachen, kritisch und meinungsstark.

Nicht zu vergessen: In der Gewerkschaft habe ich ihn als aufrechten Kämpfer für unsere Rechte als Fotografen kennengelernt. Günter hat sich immer für bessere Arbeitsbedingungen und gerechtere Honorare eingesetzt, und wenn es darum ging, seinem Grundsatz "Ran ans Motiv" zu folgen, hat er den auch vor Gericht erstritten. Seitdem dürfen wir zum Beispiel Polizisten im Einsatz fotografieren. Legendär ist sein Bild des Polizisten im Wendland mit einem Brett vor dem Kopf anstatt eines schwarzen Balkens. Willkommen in Stuttgart, Günter.

 

Die Sonderausstellung "Wilde Zeiten" wird am 27. Oktober, um 18 Uhr, im Stuttgarter Theodor-Heuss-Haus, Feuerbacher Weg 46, eröffnet.


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