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Beim Staffellauf schaffen es nur die härtesten Assis über die Ziellinie, denn die Teilnahme ist an die strenge Promillegrenze von mindestens 3,3 Promille gekoppelt.

Der oi!lympische Arena-Sprecher (rechts) vor historischer Kulisse, der Herrenberger Stiftskirche. Während sich links zwei Oi!lympioniken über das vegane Backstage-Catering unterhalten, trinkt sich ein Wettkampfteilnehmer (Mitte) schon mal warm.

Bereits auf antiken Amphoren finden sich Abbildungen der ältesten oi!lympischen Disziplin: Hippie-Weitwurf. Ziel ist, den natürlichen Feind des gemeinen Oi!-Punks möglichst weit zu werfen und dabei furchteinflößende Grunzlaute von sich zu geben.

Mittlerweile auf jedem Kindergeburtstag en vogue: Tampon-Angeln. Die Beute: Bierflaschen. Was so einfach aussieht, entpuppt sich in der Praxis als nervenzerfetzender Wettkampf, der nur mit äußerster Präzision im Promillebereich zu bestreiten ist.

So kann's gehen: Disqualifizierung wegen Nüchternheit durch den Linienrichter beim Staffellauf.

Das ist oi!lympischer Sportsgeist! Freundschaft und Loyalität unter den konkurrierenden Oi!lympioniken sind essenzielle Grundpfeiler eines fairen Wettkampfes.

Alles reine Kopfsache: Dieser Oi!lympionike bereitet sich mental auf die publikumsreichste Disziplin "Schwanzlutschen" vor, für die ein starkes Nervenkorsett das Oi! und O ist.

"Schwanzlutsch-Wettbewerb": möglichst viel Billigbier aus phallischer Plastikvorrichtung saugen unter dem kritischen Blick des Schwanzrichters im Schottenrock, der das strenge Regelwerk dieser Disziplin eingehalten wissen möchte.

Hunde gehören seit jeher in jede oi!lympische Arena und werden von Zuschauern wie Wettkämpfern gleichermaßen verehrt.

"Powernapping" ist eine traditionelle Disziplin der Oi!lympics, die einzeln oder in der Gruppe gewertet wird. Dieser Oi!lympionike konnte sich mit sagenhaften 9,5 Stunden Schlaf den Titel des allerletzten (also ersten) Schnarchzapfens sichern.

Zur Belohnung für die Strapazen der Spiele geht es nach der Siegerehrung direkt über in einen nicht enden wollenden Band-Marathon, bei dem sich die Oi!lympioniken samt Publikum dem "Pogo" widmen.

Neben all dem Quark gibt es trotzdem ein paar Dinge, die bei den Oi!lympischen Spielen neben einer Überdosis Bier unisono Brechreiz hervorrufen: Stuttgart 21 und Nazis.

Siegerehrung on stage: Der Sänger der Band "Die verwesenden Altlasten" herzt die Besten.

Ausgabe 232
Schaubühne

Tampon-Angeln im Biersee

Von Elena Wolf.
Fotos: Joachim E. Röttgers
Datum: 09.09.2015
Nach etlichen Jahren auf Pforzheimer Wiesen fungierte das Jugendhaus Herrenberg erstmals als Austragungsort der "Oi!lympischen Spiele" und beherbergte damit das bizarrste Subkulturspektakel südlich des Maultaschenäquators. Zwei Tage Bier, Bands und bekloppte Wettkampf-Spiele – bis zur totalen Gehirnschmelze.

Schiller, Horkheimer, Hegel: Das ischt hier die Regel. Stuttgart spielt kulturell auf Olympia-Niveau. Jeder Stuttgarter, der etwas auf sich und sein Häusle im Stuttgarter Vorort hält, weiß sich gepflegt einen auf eingangs genannten Chefdenker-Club abzuwichsen. In hundert Jahren wird man das vielleicht auch auf die Begründer des Oi!lympics e. V. tun – einen Verein von Bierintellektuellen der regionalen Punkszene (also Vertretern einer Teildisziplin des Existenzialismus), die die Oi!lympischen Spiele ins Leben gerufen haben. Ihr Credo könnte glatt der platonischen Staatstheorie entlehnt sein und beruft sich auf zwei der wichtigsten Künste antiker Philosophie:

"Für diese beiden Anlagen hab, so glaube ich, ein Gott dem Menschen die zwei Künste der Musik und der Gymnastik, [...] damit sie in maßvoller Spannung und Lockerung zur Harmonie zusammenklingen." (Platon, Politeia, 411e/412a)

Na gut, vielleicht wird man sich in hundert Jahren nicht von den Oi!lympischen Spielen erzählen, und vielleicht wird es in den folgenden fünf Minuten auch nicht um etwas gehen, das sich Philosophiestudenten aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie herauskopieren, um es in einer lausigen Powerpoint-Präsi vorzulesen. Zugegeben, die folgende Geschichte handelt von der mit Abstand baurigsten subkulturellen Veranstaltung, die es in der Region gibt, und ich habe die Namen der Intellellis zu Beginn missbraucht, um Ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen – elitäres Pack! Wer jetzt weiterliest und sich vor allem die dazugehörigen Bilder anschaut, ist selbst schuld und kann sich aufgrund der folgenden Triggerwarnung nicht beschweren, nicht gewarnt worden zu sein:

Achtung: Das Weiterlesen auf dieser Seite kann zu massiven Irritationen der schwäbischen Integrität führen!

Sie wollten es so. Der Name Oi!lympische Spiele ist zunächst eine Wortschöpfung aus den beiden Begriffen Olympische Spiele und Oi!, wobei sich Letzteres auf ein Subgenre der Punkmusik bezieht. Da meine Geschichte keine musikwissenschaftliche Intention hat (und ich keinen Bock habe, mich mit selbsternannten Oi!-Punk-Experten in der Kommentarleiste zu streiten), werde ich auf eine Ausdifferenzierung des Begriffs Oi!-Punk verzichten und ihn auf seine beiden populärsten sozialen Praxen reduzieren: saufen, saufen, weitersaufen. Wer es genauer wissen will, der kann den Begriff ja googeln oder Klaus Farin ein Fax ins Archiv der Jugendkulturen schicken.

Der Oi!lympics e. V. besteht aus etwa zehn Mitgliedern und veranstaltet seit 2010 ein Festival, auf dem groteske Wettkämpfe in Disziplinen wie "Hippie-Weitwurf", "Stiefelstoßen" oder ganz klassisch "Biertrinken" mit den Auftritten zahlreicher Bands kombiniert werden. Nachdem das Spektakel zunächst vier Jahre hintereinander bei Pforzheim auf einer Wiese stattfand, wehte am 4. und 5. September nun erstmals im Jugendhaus Herrenberg zwei Tage lang oi!lympischer Wind. Dass man es mit dem umstrittenen und in Punk-Politkreisen heiß umkämpften Begriff Oi!-Punk dabei nicht ganz so ernst nimmt, fällt spätestens auf, wenn man sich die selbstironischen Flyer oder den Internetauftritt der oi!lympischen Lümmel anschaut. "Bei den Oi!lympics geht es vor allem um eins: Spiel, Spaß und Saufen – natürlich gegen Nazis. Alles selbst organisiert, alles ohne Sponsoren und alles non-profit", sagt Sebastian Koso, der Orga-Chef des bekloppten Treibens. Mit Recht kann man sagen, dass bei den Oi!lympischen Spielen die abgefucktesten Subkulturschaffenden dies- und jenseits des Maultaschenäquators zusammenkommen, um zwei Tage lang eine Ferieninsel fürs Gehirn zu erschaffen – ein Oi!land. Ziel der Spiele ist es, sich die güldene Medaille des allerletzten (also ersten) Assis zu erkämpfen und sich damit Ruhm und Ehre im Angesicht der Biergötter zu sichern.

Doch genug der Worte, klicket und sehet selbst. Möge ZOi!s eurer Seele gnädig sein.


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2 Kommentare verfügbar

  • Susanne Bächer
    am 13.09.2015
    Man liest erstmal einen Hinweis auf bekannte Namen, dann eine wüste Abwertung derjenigen, die die genannten vielleicht gut finden. Diese sollen zugegebenermaßen mit den Namen der Denker geködert werden, damit sie weiter lesen, aber gleichzeitig werden sie vor dem kommenden Inhalt des Artikels gewarnt. Die Namen der Denker werden dann in Zusammenhang mit "Oi!lympics" gebracht. Zweimal wird eine Geschichte angekündigt, die dann aber sehr dünn ausfällt. Wer es genauer wissen will, könne ja auf irgendwelchen Websites Auskunft bekommen. Insgesamt: Viel Schmähung, wenig Information. Ist das die Berichterstattung der Zukunft?
  • Bieml
    am 12.09.2015
    Coole Sache die Oilympics!

    Cheers`n`Oi

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