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Tampon-Angeln im Biersee

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 Fotos: Joachim E. Röttgers 

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Datum:

Nach etlichen Jahren auf Pforzheimer Wiesen fungierte das Jugendhaus Herrenberg erstmals als Austragungsort der "Oi!lympischen Spiele" und beherbergte damit das bizarrste Subkulturspektakel südlich des Maultaschenäquators. Zwei Tage Bier, Bands und bekloppte Wettkampf-Spiele – bis zur totalen Gehirnschmelze.

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Schiller, Horkheimer, Hegel: Das ischt hier die Regel. Stuttgart spielt kulturell auf Olympia-Niveau. Jeder Stuttgarter, der etwas auf sich und sein Häusle im Stuttgarter Vorort hält, weiß sich gepflegt einen auf eingangs genannten Chefdenker-Club abzuwichsen. In hundert Jahren wird man das vielleicht auch auf die Begründer des Oi!lympics e. V. tun – einen Verein von Bierintellektuellen der regionalen Punkszene (also Vertretern einer Teildisziplin des Existenzialismus), die die Oi!lympischen Spiele ins Leben gerufen haben. Ihr Credo könnte glatt der platonischen Staatstheorie entlehnt sein und beruft sich auf zwei der wichtigsten Künste antiker Philosophie:

"Für diese beiden Anlagen hab, so glaube ich, ein Gott dem Menschen die zwei Künste der Musik und der Gymnastik, [...] damit sie in maßvoller Spannung und Lockerung zur Harmonie zusammenklingen." (Platon, Politeia, 411e/412a)

Na gut, vielleicht wird man sich in hundert Jahren nicht von den Oi!lympischen Spielen erzählen, und vielleicht wird es in den folgenden fünf Minuten auch nicht um etwas gehen, das sich Philosophiestudenten aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie herauskopieren, um es in einer lausigen Powerpoint-Präsi vorzulesen. Zugegeben, die folgende Geschichte handelt von der mit Abstand baurigsten subkulturellen Veranstaltung, die es in der Region gibt, und ich habe die Namen der Intellellis zu Beginn missbraucht, um Ihre Aufmerksamkeit zu erhaschen – elitäres Pack! Wer jetzt weiterliest und sich vor allem die dazugehörigen Bilder anschaut, ist selbst schuld und kann sich aufgrund der folgenden Triggerwarnung nicht beschweren, nicht gewarnt worden zu sein:

Achtung: Das Weiterlesen auf dieser Seite kann zu massiven Irritationen der schwäbischen Integrität führen!

Sie wollten es so. Der Name Oi!lympische Spiele ist zunächst eine Wortschöpfung aus den beiden Begriffen Olympische Spiele und Oi!, wobei sich Letzteres auf ein Subgenre der Punkmusik bezieht. Da meine Geschichte keine musikwissenschaftliche Intention hat (und ich keinen Bock habe, mich mit selbsternannten Oi!-Punk-Experten in der Kommentarleiste zu streiten), werde ich auf eine Ausdifferenzierung des Begriffs Oi!-Punk verzichten und ihn auf seine beiden populärsten sozialen Praxen reduzieren: saufen, saufen, weitersaufen. Wer es genauer wissen will, der kann den Begriff ja googeln oder Klaus Farin ein Fax ins Archiv der Jugendkulturen schicken.

Der Oi!lympics e. V. besteht aus etwa zehn Mitgliedern und veranstaltet seit 2010 ein Festival, auf dem groteske Wettkämpfe in Disziplinen wie "Hippie-Weitwurf", "Stiefelstoßen" oder ganz klassisch "Biertrinken" mit den Auftritten zahlreicher Bands kombiniert werden. Nachdem das Spektakel zunächst vier Jahre hintereinander bei Pforzheim auf einer Wiese stattfand, wehte am 4. und 5. September nun erstmals im Jugendhaus Herrenberg zwei Tage lang oi!lympischer Wind. Dass man es mit dem umstrittenen und in Punk-Politkreisen heiß umkämpften Begriff Oi!-Punk dabei nicht ganz so ernst nimmt, fällt spätestens auf, wenn man sich die selbstironischen Flyer oder den Internetauftritt der oi!lympischen Lümmel anschaut. "Bei den Oi!lympics geht es vor allem um eins: Spiel, Spaß und Saufen – natürlich gegen Nazis. Alles selbst organisiert, alles ohne Sponsoren und alles non-profit", sagt Sebastian Koso, der Orga-Chef des bekloppten Treibens. Mit Recht kann man sagen, dass bei den Oi!lympischen Spielen die abgefucktesten Subkulturschaffenden dies- und jenseits des Maultaschenäquators zusammenkommen, um zwei Tage lang eine Ferieninsel fürs Gehirn zu erschaffen – ein Oi!land. Ziel der Spiele ist es, sich die güldene Medaille des allerletzten (also ersten) Assis zu erkämpfen und sich damit Ruhm und Ehre im Angesicht der Biergötter zu sichern.

Doch genug der Worte, klicket und sehet selbst. Möge ZOi!s eurer Seele gnädig sein.


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2 Kommentare verfügbar

  • Susanne Bächer
    am 13.09.2015
    Antworten
    Man liest erstmal einen Hinweis auf bekannte Namen, dann eine wüste Abwertung derjenigen, die die genannten vielleicht gut finden. Diese sollen zugegebenermaßen mit den Namen der Denker geködert werden, damit sie weiter lesen, aber gleichzeitig werden sie vor dem kommenden Inhalt des Artikels…
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