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Dürre und Trockenheit

Wem gehört das Wasser?

Dürre und Trockenheit: Wem gehört das Wasser?
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In Baden-Württemberg fallen Grundwasserstände auf ein historisches Tief. Vielerorts wurde die Wasserentnahme verboten. Die Klimakrise macht die Ressource Wasser knapp und wirft die Verteilungsfrage auf.

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Der Regen der vergangenen Tage hat die Lage nicht gedreht. Mitte August bewegen sich Grundwasserstände und Wassermenge der Quellen in Baden-Württemberg weiterhin auf niedrigem Niveau, vielerorts unterhalb des unteren Normalbereichs. "An jeder vierten Messstelle liegen die aktuellen Verhältnisse unter den bisherigen August-Niedrigstwerten der vergangenen 30 Jahre", teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) auf Kontext-Anfrage mit. Seit Ende Juni sei kaum noch Wasser zum Grundwasser durchgesickert. Die Werte gingen in allen Landesteilen zurück.

Auch Flüssen und Bächen fehlt Wasser. Seit 1991 "ist eine Zunahme der Häufigkeit und Dauer von Niedrigwasserphasen" zu erkennen, so die LUBW. Im Schwarzwald registrierte die Landesanstalt Mitte August bei fast allen beobachteten Pegeln mindestens sehr niedrige, meist sogar "extrem niedrige" Wassermengen.

Der Wassermangel hat schon jetzt Folgen. Niedrigwasser verschärft den Hitzestress für Fische. Bewässerung wird knapper, und auch Kühlung, Energieerzeugung und industrielle Produktion geraten an Grenzen. Sinkende Pegel erschweren Transporte auf Wasserstraßen. Je schwächer die Quellen, umso schwieriger wird es für Höfe und kleine Wasserversorger, an Wasser zu kommen.

Im Schwarzwald zeigt sich dieser Mangel deutlich. Besonders betroffen sind laut LUBW höhere Lagen und Kopfeinzugsgebiete, also Regionen nahe einer Fluss- oder Bachquelle. Hier hängen Höfe und Hausbrunnen teilweise an wenigen Quellen. "Dort reichen die Schüttungen mancher Hofquellen zeitweise nicht mehr aus, um Menschen und Tiere auf den Betrieben zuverlässig zu versorgen", berichtet der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband. Auch für Feriengäste reicht es kaum, deren Unterbringung für viele Höfe ein wichtiges Einkommen darstellt.

Wie stark kleine Quellen auf Trockenperioden reagieren, zeigt die Rösslequelle in Furtwangen. Ihre Wassermenge schwankte im Verlauf des Jahres "stark" und liegt laut LUBW derzeit auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in den markanten Niedrigwasserjahren 2003, 2015, 2018 und 2020. Eine Messstelle im Kinzigtal, deren Grundwasserstand stark von der der Kinzig abhängig ist, zeigt die Entwicklung eines größeren Schwarzwald-Einzugsgebiets: Über die vergangenen 30 Jahre ist ein moderat sinkender Trend zu erkennen. Die aktuellen Werte liegen dort "auf einem bisher nicht erreichten niedrigen Niveau".

Das Ausmaß der Wasserknappheit ist von Tal zu Tal und von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Die Freiburger Umweltpolitikwissenschaftlerin Sylvia Kruse warnt deshalb auch aufgrund der schlechten Datenlage vor einfachen Prognosen: Die künftigen Bedarfe von Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Industrie, Energiewirtschaft und Tourismus würden bislang kaum gemeinsam betrachtet.

Keine feste Reihenfolge

Die Behörden haben diesen Sommer schon früh eingegriffen. Zahlreiche Landkreise beschränken oder verbieten, Wasser aus Seen, Flüssen und Bächen zu nutzen. Kommunen können auch die Gartenbewässerung oder das Befüllen privater Pools mit Leitungswasser untersagen. Führen Flüsse zu wenig Wasser oder ist ihre Temperatur zu hoch, dürfen sie gegebenenfalls für Wasserkraftwerke und zur Kühlung in der Industrie nicht genutzt werden. Wird die Lage ernster, wächst auch die Frage, wem der Zugang zum Wasser abgedreht wird.

"Wasser ist in Deutschland grundsätzlich ein Gemeingut", sagt Kruse. Das heißt aber nicht, dass sich einfach alle nach Lust und Laune bedienen dürfen. Wasser wird über Genehmigungen, Bewilligungen und historisch gewachsene Nutzungsrechte verteilt. Behörden entscheiden, wer entnehmen darf, in welcher Menge und unter welchen Bedingungen. Bestehende Rechte können dazu führen, dass neue Nutzungen nicht mehr zugelassen werden.

Die öffentliche Wasserversorgung genießt nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums "im Regelfall rechtlich grundsätzlich Vorrang". Sonstige Ansprüche auf das Wasser, die diese Versorgung gefährden könnten, könnten deshalb abgelehnt werden. Darüber hinaus gebe es aber "keine rechtlich festgelegte Rangfolge einzelner Nutzungen". Das Ministerium spricht von einer "komplexen Verteilungsentscheidung", die vor Ort getroffen werden müsse.

Trinkwasser hat also Priorität, darüber hinaus besteht Unklarheit. Ist die landwirtschaftliche Versorgung wichtiger als die Industrie? Wie viel Wasser darf zur Kühlung entnommen werden? Reicht die Wasserversorgung für neue Wohngebiete? Auf Bundesebene werden derzeit Leitlinien und sogenannte Abschaltkaskaden erarbeitet. Öffentliche Ergebnisse gibt es noch nicht. Die 2023 beschlossene nationale Wasserstrategie zeige zwar erste Schritte für den Umgang mit knappem Wasser in Trockenzeiten, aber für "das längerfristige Wassermanagement gibt es keine klaren Priorisierungen", sagt Kruse.

Die Wasserbehörden der Land- und Stadtkreise können den Zugriff zum Wasser einschränken. Bereits seit Mai darf im Landkreis Waldshut kein Wasser aus oberirdischen Gewässern entnommen werden. Grundlage ist eine Rechtsverordnung: Sobald die Flüsse Wutach, Kotbach und Alb einen bestimmten Pegelstand erreichen, greift das Verbot. Auf die Frage, wem das knappe Wasser zuerst zugeteilt werde, antwortet das Landratsamt: "Ein Niedrigwasseralarmplan wird derzeit erarbeitet."

In extremen Lagen könnten laut Ministerium auch bestehende Wasserrechte nachträglich eingeschränkt oder teilweise aufgehoben werden, allerdings unter hohen rechtlichen Anforderungen. Kruse sieht hier auch die Politik in der Pflicht: Gemeinderäte und Kreistage könnten stärker festlegen, nach welchen Grundsätzen mit knapper werdendem Wasser umgegangen werden soll. Solche Entscheidungen könnten zudem breiter gesellschaftlich diskutiert werden.

Alte Rechte, ungleicher Zugang

Je mehr Brunnen, Speicher oder Verbundleitungen eine Kommune hat, umso besser kann sie eine Dürreperiode überstehen. Bei Unternehmen entscheidet vor allem die Historie: Wer schon länger das Recht hat, Wasser zu nutzen, hat Glück. Neu gegründeten Betrieben kann der Zugang beschränkt werden. Kruse verweist auf Regionen, in denen neue Siedlungen oder wasserintensive Industrieansiedlungen bereits begrenzt werden. Anderswo muss Trinkwasser aufwendig herangeführt werden und wird dadurch für die Bevölkerung teurer.

Auch die Landwirtschaft verweist auf ihre besondere Rolle bei der Wassernutzung. Nur ein kleiner Teil der südbadischen Betriebe bewässere ihre Felder laut dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband mit Oberflächenwasser, häufiger seien Brunnen. "Die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung hat selbstverständlich oberste Priorität", erklärt der Verband. Zugleich müsse die Landwirtschaft "nicht allein als Verbraucher, sondern auch als Versorger der Bevölkerung mit regional erzeugten Lebensmitteln" betrachtet werden.

Der Zugang zum Wasser kann für einen Gemüsebetrieb über die Ernte entscheiden, für einen Industriebetrieb über Arbeitsplätze und Produktion. Kommunen wiederum müssen schlicht ihre Haushalte versorgen. Gleichzeitig darf einem Bach nicht so viel Wasser entzogen werden, dass das Ökosystem Schaden nimmt. Bei zu wenig Wasser erwärmen sich Bäche und Flüsse stärker, der Sauerstoffgehalt sinkt, und Lebensräume für Fische, Insekten und Pflanzen verschwinden.

Mehr als neue Leitungen

In einem "Klima-Check" prüfte die Landesregierung im "Masterplan Wasserversorgung", wie krisenfest die Trinkwasserversorgung der einzelnen Kreise ist. Die Umsetzung einzelner Maßnahmen liege aber allein in der Verantwortung der Kommunen, betont das Umweltministerium. "Für eine Abschätzung, inwieweit sich aus diesem Prozess neue Instrumente ergeben, ist es noch zu früh." Der Masterplan regelt auch nicht, wessen Bedarf künftig als notwendig gilt und wer die Kosten trägt.

Kruse vermisst "systematische Anstrengungen, den Wasserrückhalt in der Landschaft zu stärken". Böden, Wälder, Moore und Auen könnten Wasser länger speichern und die Grundwasserneubildung unterstützen. Mit Leitungen lasse sich zwar die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung absichern. Sie lösen aber nicht das Problem, dass die Landschaft immer weniger Wasser speichert und Grundwasserpegel sinken.

Mit den absehbar häufigeren und längeren Dürreperioden werden Verteilungskonflikte um das Wasser zwischen Bauernhof, Fabrik und Wasserwerk zunehmen. Je öfter Wasser knapp wird, desto wichtiger wird eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie es verteilt wird.

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