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Der Panamakanal und die Klimakrise

Trinkwasser oder Schiffspassage?

Der Panamakanal und die Klimakrise: Trinkwasser oder Schiffspassage?
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Panama profitiert mit seinem Kanal aktuell noch von der Blockade der Straße von Hormus. Doch langfristig bedroht der Klimawandel die 82 Kilometer lange Wasserstraße. Im Interview erklärt Andreas Eke von der NGO "The Generation Forest", wie fossile Energien und deren Handel die Lebensgrundlagen zerstören.

Herr Eke, ist der Panamakanal Gewinner der Seeblockade in Hormus und des ungelösten Irankriegs?

Auf jeden Fall – die Zahlen sind deutlich. Mit 38 Durchfahrten pro Tag sprechen wir bereits von einer guten Auslastung. Jetzt sind wir bei 41, 42 Durchfahrten täglich. Panama gewinnt ökonomisch. Das ist natürlich schon als kurzfristige Konjunkturwelle zu sehen. Doch es wird immer klarer, wie wichtig es ist, dass die verschiedenen maritimen Nadelöhre der Welt neutral sind. Für die Neutralität des Panamakanals gibt es ein internationales Abkommen. Meerengen müssen politisch neutral sein, um nicht in Konflikte hineingezogen zu werden.

Angenommen, es käme zu einer Seeblockade am Panamakanal. Was würde das für den kleinen zentralamerikanischen Staat bedeuten?

Der Anteil des Kanals am gesamten Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund fünf Prozent. Die Wasserstraße schiebt gewaltig viel Geld in die Staatskassen – 2025 waren es fast drei Milliarden Dollar, über 20 Prozent der Staatseinnahmen. Eine Blockade wäre daher ein harter Schlag. Aber katastrophale Auswirkungen wären nicht zu erwarten. Panama ist mittlerweile eben auch eine Dienstleistungswirtschaft: Banken, Finanzen, Versicherungen. 

Auch schon vor der aktuellen Krise an der Straße von Hormus konnte die Fragilität des maritimen Welthandels beobachtet werden. Bereits 2021 hielt ein feststeckendes Frachtschiff am Suezkanal die Menschen rund um den Globus tagelang in Atem. Gibt es überhaupt Alternativen? 

Ich glaube nicht, dass es einen Weg aus der Abhängigkeit vom Seehandel gibt. Die Alternative ist eben: zurück zu einer geordneten Globalisierung. Der Großteil der Transporte, die über den Seehandel abgewickelt werden, sind immer noch Mineralöl und Gas. Da haben wir als Gesellschaft eine ganz klare Alternative: dezentrale, regenerative Energien. Um uns nicht von diesen Öl- und Gastransporten abhängig zu machen. Ich glaube, wer das heute nicht begriffen hat, kann einpacken. Mehr Solar, mehr Windkraft, mehr Speicher. Wir müssen die vor Ort generierten, nachhaltigen Energiequellen nach vorne bringen. 

Ihre NGO The Generation Forest betreibt Aufforstung in Panama. Warum gerade dort? Schaut man sich die Zahlen an, hat Brasilien die zweitgrößte Waldfläche der Welt. Der Amazonas schwindet. Warum nicht in Brasilien aufforsten? 

Wie so häufig steckt da eine ganz private Geschichte dahinter. Hier in Panama bin ich durch Lebensumstände gelandet und habe das hier aufgebaut. Einer der Gründe: Panama bietet relativ sichere Investmentmöglichkeiten und eine ideale Gesetzgebung für den Forstsektor. Wir zahlen hier keine Steuer auf Land. Dadurch versucht der panamaische Staat, die Aufforstung zu fördern. Panama ist wirtschaftlich und politisch stabil. Durch die Häfen ist die Logistik für den Holzexport spitze. Im Vergleich mit Deutschland wächst die Biomasse hier in den Tropen viermal schneller. Man bekommt hier mehr Holz pro investiertem Dollar. Und damit auch mehr Impact pro investiertem Dollar.

Ein Setzling wird in die Erde gebracht. Die Blätter sind angeschnitten, damit die Pflanze ihre Energie in das Wachstum des Stammes steckt. Foto: The Generation Forest

Ziel der NGO ist ein Generationenwald

"Oh, wie schön bleibt Panama" – mit diesem Slogan will die sozial-ökologische Organisation The Generation Forest für Aufforstung im zentralamerikanischen Panama werben. Vor Ort kümmern sich der Hamburger Unternehmer und Geograf Andreas Eke und seine Partnerin Iliana Armien darum, sogenannte "Generationenwälder" zu pflanzen. Sie kaufen degradierte Flächen in Panama auf und verwandeln sie in naturnahe Wälder. Seit 2018 erwerben sie mit genossenschaftlichem Kapital ihrer Mitglieder ehemalige brachliegende Viehweiden. Nach zwölf Jahren sollen dann die ersten Bäume entnommen und verkauft werden. Nach rund 30 Jahren, also 2050 etwa, soll ein dauerhafter Generationenwald geschaffen sein, der langfristige grüne Rendite verspricht. Laut eigenen Angaben hat die Organisation bereits 1.207 Hektar Fläche aufgeforstet.  (os)

The Generation Forest verkauft Tropenholz, um damit weitere Waldflächen zu schaffen. Das klingt paradox.

Genau das tun wir – im Sinne der selektiven Ernte. Selektive Ernte bedeutet, dass wir nie einen Kahlschlag machen. Wir machen zunächst immer Durchforstung. Das heißt, wir pflanzen sehr viele Bäume pro Hektar. Viel mehr, als im Naturwald stehen. Selektiv wird dann durchforstet und schon mal bis zu 20 Prozent des Bestandes rausgenommen. Dann kommen wir in die Dauerphase – und in der wird immer nur ein bisschen weniger rausgenommen als das, was zuwächst. Aus deutscher Perspektive kann man das vielleicht nicht einfach so verstehen, aber: Da wir ein Produktionswald sind, brauchen wir Mitarbeiter. Die Gemeinden um uns herum sehen den Wald, den wir erschaffen, als ihre Einkommensquelle. Dadurch bekommen sie Geld, dadurch sind sie sozial versichert, dadurch können sie ein gutes Leben ohne Armut führen – was ohne unsere Wälder schwieriger wäre. Die Geschichte des Waldschutzes, besonders in den Tropen, zeigt: Wirtschaftswälder werden erhalten. Nicht wirtschaftlich funktionierende Wälder werden eher abgeholzt. Wir wollen diese Wälder für immer schaffen, als natürliche Infrastruktur für die Menschheit. Eine Aufforstung könnte den Wasserhaushalt des Sees nachhaltig sichern. 

Sie sprechen vom Gatúnsee, der das Wasser des Chagres-Fluss staut und unter Trockenheit und sinkenden Wasserständen leidet. Was ist das konkrete Problem hierbei?

Der Panamakanal funktioniert nur mit Süßwasser. Um die Schleusen zu betreiben, werden für jede Schiffsdurchfahrt enorme Mengen Wasser aus dem Gatúnsee benötigt. Durch längere Trockenperioden und veränderte Niederschläge sinkt der Wasserstand aber immer häufiger kritisch ab. Die Trockenzeit ist für den Kanal eine kritische Zeit. Das hat direkte Folgen: Es können weniger Schiffe passieren, Wartezeiten steigen und die Transportkosten explodieren. Ein weiterer Aspekt: Aus der gleichen Quelle, dem Chagres-Fluss, kommt fast das gesamte Trinkwasser für die panamaische Hauptstadt. Das bedeutet, wenn sich die Situation weiter zuspitzt, steht das Land irgendwann vor der Entscheidung: Schiffe durchfahren lassen oder Trinkwasser?

Panamakanal: Welthandel versus Bauern

Der 82 Kilometer lange Kanal verbindet seit 1914 den Atlantik mit dem Pazifik, so müssen Schiffe nicht um Süd- bzw. Nordamerika herumfahren. Jahrzehntelang stand Panama und damit auch der Kanal unter US-amerikanischem Einfluss. Erst 1999 gaben die USA die Kontrolle über den Kanal an Panama offiziell ab. US-Präsident Donald Trump droht immer mal wieder, den Kanal zu annektieren.

Über die künstlich geschaffene Wasserstraße werden rund fünf Prozent des globalen Welthandels abgewickelt. Heute macht dem Kanal die aus der Klimakrise resultierende Trockenheit zu schaffen. Das Wetterphänomen "El Niño", das laut Prognosen dieses Jahr besonders stark werden könnte ("Super El Niño"), sorgte bereits 2024 für weniger Durchfahrten, Staus und damit weniger Geld in den Staatskassen Panamas. Um die Wasserversorgung des Kanals sicherzustellen, plant die Regierung einen dritten Stausee. Im April protestierten dagegen Hunderte Bauern, die deswegen umgesiedelt werden sollen, berichtete Amerika21.  (lee)

US-Präsident Donald Trump erwähnte in Reden und Interviews immer wieder, er wolle den Panamakanal "zurückholen". Die künstliche Meeresstraße war ohnehin sehr lange unter US-Kontrolle. Sie wohnen schon seit mehreren Jahrzehnten vor Ort. Wie sehen die Menschen in Panama diese Drohgebärden von Trump?

Die Bewohner Panamas gucken da nicht anders drauf als der Rest der Welt: Man lacht natürlich drüber, aber es ist schon so, dass man das auch ernst nimmt. Es handelt sich schließlich um den Präsidenten der stärksten Militärmacht der Welt. Wenn die Amis das wollen würden, könnten sie das morgen tun – den Kanal "zurückholen". Grundsätzlich herrscht in Panama kein ausgeprägtes antiamerikanisches Klima. Umso größer ist daher der Wunsch, dass die Souveränität Panamas und die Bedeutung des Kanals respektiert werden.

Auch China hat wirtschaftliche Interessen in Mittelamerika, was Trump nicht gefällt. Ende Januar entschied das Oberste Gericht in Panama, die Konzessionen für zwei wichtige Häfen einer Tochtergesellschaft des Hongkonger Konzerns CK Hutchison seien verfassungswidrig – ein Erfolg für die USA. Daraufhin wurde festgestellt, dass mehr Schiffe unter panamaischer Flagge in chinesischen Häfen festgesetzt wurden. 

Erst kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer US-Diplomatin. Sie hat schlicht gesagt: "We support what weakens our adversaries in Panama" – wir unterstützen, was unsere Gegner in Panama schwächt. Für die USA ist Panama eine Frage der Hegemonie in der Hemisphäre. Sie erheben Anspruch, sehen den Panamakanal als ihre Infrastruktur, die sie auch politisch kontrollieren wollen. Für mich zeigt die Situation rund um den Panamakanal vor allem eines: Alles hängt miteinander zusammen. Die Klimakrise, der Zustand unserer Wälder, der globale Handel – was wir der Natur antun, kommt letztlich zu uns zurück. Wir investieren weltweit Milliarden in Straßen, Häfen oder Pipelines, behandeln die Natur aber oft nicht als das, was sie eigentlich ist: eine lebenswichtige Infrastruktur.

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