Der Anden-Pakt von einst heißt heute Boygroup: Die besteht aus CDU-Aufsteigern und solchen, die es werden wollen. Ihre Vorgänger waren vor Jahrzehnten immer füreinander da. 1979, beim Flug über den gleichnamigen Gebirgszug in Südamerika, begründeten eine Handvoll junger wilder Schwarzer, darunter Roland Koch, Matthias Wissmann, Volker Bouffier, Christian Wulff, später auch Günther Oettinger, diese legendäre, erfolgreiche Seilschaft. Die Epigonen von heute sind nicht minder karriereorientiert, aber anders organisiert, auf Baden-Württemberg beschränkt, und keine gleichberechtigten Parteifreunde. Sie folgen einem Fixstern: Manuel Hagel, Innenminister und Parteichef, um den Vertraute kreisen, um zum Lohn mit Posten bedacht werden.
Dabei sind auch heute Männer weitestgehend unter sich. Heute ist aber nicht mehr damals und sogar in der Union angekommen, dass die weibliche Hälfte der Bevölkerung eigentlich pari pari beteiligt werden müsste. Jedenfalls auf dem Papier. Im vergangenen Februar hat sich die CDU auf Bundesebene ein neues Statut gegeben: "Der Bundesvorstand und die Vorstände der Landes-, Bezirks-, Kreis-, Stadt-/Gemeinde- bzw. Stadtbezirksverbände und der Ortsverbände der Partei sowie die Vorstände der entsprechenden Organisationsstufen aller Bundesvereinigungen und Sonderorganisationen der CDU sind verpflichtet, die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern in der CDU in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich durchzusetzen." Die Führungsspitze der Südwest-CDU lässt sich von diesem Geiste nicht im Mindesten beeindrucken. Wieder verteilen Männer die Macht unter sich. Langgediente Frauen-Unionistinnen schäumen, aber auch nur hinter vorgehaltener Hand und verweisen auf die Tradition im Landesverband, Gleichstellungsbemühungen ins Leere laufen zu lassen.
Daran knüpfen Hagel und die Seinen, zumal der neue Fraktionschef Tobias Vogt, nahtlos an. Als hätte es selbst in ihrer Partei in den vergangenen drei Jahrzehnten nie Debatten gegeben über Gleichstellung. Im neunköpfigen geschäftsführenden Vorstand der Landtagsfraktion sitzen sechs Männer, von den zwölf Arbeitskreisvorsitzenden trifft dies ebenfalls auf neun Parlamentarier zu. Selbst unter den zwölf Vizes befinden sich nur vier Frauen. Und den prestigeträchtigen Vorsitz in den Ausschüssen des Landtags, die für die Facharbeit zuständig sind, führt gerade mal eine Frau: Isabell Rathgeb, eine neueingezogene Unternehmerin aus dem Wahlkreis Schwäbisch Hall führt den Verkehrsausschuss.




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