Bis 2035 will Stuttgart klimaneutral werden – auch wenn dies selbst aus Sicht der Stadt zunehmend unwahrscheinlich wird. 2035 klingt nach einem in weiter Zukunft liegenden Zeitpunkt, beispielsweise wenn man die letzten Amtszeiten von Trainern der deutschen Fußballnationalmannschaft als Maßstab nimmt. Für das Bauen ist 2035 allerdings fast schon so wie morgen. Gebäude, über die zu bauen heute nachgedacht wird, stehen dann gerade mal ein paar Jahre. Sie sind quasi noch Kinder. Viel Energie muss aufgewendet und viel CO2 ausgestoßen werden, um sie zu bauen. Und wenn dafür andere abgerissen werden, ist die Energie futsch, die für deren Bau aufgewendet wurde. Und auch wenn das neue Gebäude unglaublich energieeffizient ist, dauert es einige Jahrzehnte, bis der Betrieb den Energieaufwand für den Neubau amortisiert hat. Heißt auch: Die Häuser, die jetzt stehen, sollte man, wenn möglich, nicht abreißen. Besser ist es, sie energetisch zu sanieren.
Grundsatzbeschluss ohne Beratung
Die Hanns-Martin-Schleyer-Halle ist gerade mal etwas über 40 Jahre alt. Sie soll abgerissen werden, wie so manches in Stuttgart, das zu erhalten etwas Hirnschmalz aufzuwenden bedürfte. Dabei hat Hirnschmalz einen unschätzbaren Vorteil: Es ist klimaneutral. Nachdenken ist nicht klimaschädlich, Fantasie aufzubringen auch nicht. Warum wird diese Ressource nur so wenig genutzt? Das ist eine von vielen Fragen, die sich stellen. Schon Ende 2023 hat sich die Stuttgarter Ortsgruppe der NGO "Architects for Future" gegen den Abriss gewandt, vor allem hat sie Transparenz angemahnt und gefordert, den Preis für die energetische Sanierung zu ermitteln. Im Juni 2026 heißt es dazu in einer Beschlussvorlage, die dem Stuttgarter Gemeinderat präsentiert wurde, nur, dass eine Gesamtsanierung mit Dacherhöhung deutlich mehr als 300 Millionen, ein Neubau 500 Millionen Euro kosten würde und mit dem Neubau "ökonomische Effekte in Höhe von rund +115 Mio. € zusätzlich generiert werden können".
Das kann man glauben oder auch nicht, stutzig machen sollte, dass die Gemeinderatsfraktion Puls nachfragt: "Wann und in welcher Form werden dem Gemeinderat die in der Beschlussvorlage erwähnten Machbarkeitsstudien (2022/2023) sowie die wirtschaftliche Analyse von Nielsen Sports (2022) vollumfänglich und unredigiert zugänglich gemacht?" Da soll also eine Entscheidung getroffen werden, ohne dass den Entscheidenden die Grundlagen zur Verfügung stehen. Gefragt wird außerdem, warum dem Gemeinderat die Vorlage "ohne vorherige Einbringung sowie ohne Vorberatung und Beratung in den üblichen Gremien direkt zur Beschlussfassung vorgelegt wird". Ja, warum?




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