Diese Horrorprognose der Liberalen hat sich nicht bewahrheitet: Mit dem neuen Zwei-Stimmen-Wahlrecht in Baden-Württemberg werde es in der nächsten Legislaturperiode zu einem sinnlos aufgeblähten "XXL-Landtag" kommen, mahnte die FDP seit 2022. Nun aber sind es doch nicht 200 oder noch mehr Abgeordnete, die sich im Plenarsaal drängeln werden, sondern 157 – gerade mal drei mehr als bisher.
Tonlage und Vehemenz dieser Vorhersage illustrieren, dass die baden-württembergische FDP Maß und Mitte aus den Augen verloren hat. "Während die Politik die Bürgerinnen und Bürger darauf einschwört, dass die Gürtel enger geschnallt werden müssen, droht die Wahlrechtsreform dem Parlament einen Bierbauch zu verpassen", hieß es Anfang 2023 in einem Text zum Antrag auf ein Volksbegehren, mit dem die FDP vergeblich diese Änderung verhindern wollte. Die Bevölkerung habe "weder Verständnis noch Interesse daran, mit gewaltigen Summen Ausgaben für ein eventuell doppelt so großes Landesparlament zu tätigen, ohne dafür einen demokratischen Mehrwert zu erhalten".
Den demokratischen Mehrwert eines Kreuzchens im Zweitstimmenkästchen der Liberalen jedenfalls sahen bei der Landtagswahl am 8. März nur knapp 236.000 von 7,76 Millionen Wahlberechtigten im Südwesten. Der Abend, berichten Anwesende, sei intern auch deshalb so hart gewesen, weil die ersten Exit Polls der FDP noch mit gut sechs Prozent den Wiedereinzug versprachen. Zur "Mutter aller Wahlen" hatte Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke den Urnengang bereits im vergangenen Juli reichlich großmäulig erklärt. Als feststand, wie vergleichsweise deutlich mit 4,4 die Fünf-Prozent-Hürde gerissen wurde, beklagte der einstige Gymnasiallehrer die "extreme Polarisierung" im Duell zwischen den Spitzenkandidaten Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) und wie seine Partei zwischen diesen beiden Polen aufgerieben worden sei.




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