Wahrscheinlich ist Uwe Bogen der einzige Journalist, dem Frank Nopper über den Weg traut. Das liegt daran, dass beide die Dinge von Grund auf positiv betrachten, womit sie in ihren jeweiligen Berufsfeldern als Unikate herausragen. Der Reporter bildet die Gesellschaft unter besonderer Berücksichtigung der örtlichen Prominenz (Christoph Sonntag und andere) ab, und der Stuttgarter Oberbürgermeister ist glücklich, wenn ihm der Fassanstich (Wasen und Backnang) auf Anhieb gelingt und die Gesellschaft Beifall klatscht.
Insofern ist es eine schlechte Nachricht, wenn Uwe Bogen in den Stuttgarter Zeitungen nicht mehr das tut, was er dort 30 Jahre lang getan hat: Good News überbringen. Das mag die eine oder der andere belächelt haben als naive Ideologieproduktion im spätkapitalistischen System, aber geben wir es doch zu: Wir haben es gelesen. Wort für Wort auf kleiner Flucht aus all dem Schlamassel. "Eine Library Amore im Wittwer-Haus?" In solchen Überschriften stecken Eskapismus und Subversion. So einfach ist es nicht mit dem Abreißen des Bücherhauses Wittwer am Schlossplatz, sagt uns der Autor und entschwindet schnell in der Gastronomie, die nur dank seiner publizistischen Betreuung überlebt. Damit ist er stilbildend und zwar so sehr, dass in Fachkreisen bereits von einer "Bogenisierung" dieser Zeitungen die Rede war.
Keine Zeile zum Abschied des Quotenkönigs
Aus und vorbei. Der Quotenkönig im Stuttgarter Pressehaus, 66 Jahre jung, ist raus. Seit diesem Monat. Ohne ein Zeile zum Abschied, ohne Feier und Geschenkkorb, ohne ein Wort des Bedauerns. Einfach so? Dem Chefredakteur der fusionierten und quasi inhaltsgleichen Blätter "Stuttgarter Zeitung (StZ) und "Stuttgarter Nachrichten" (StN) ist der Weggang jedenfalls nicht anzulasten. Joachim Dorfs, ein früher Verfechter des bedürfnisorientierten Journalismus', habe wie ein Löwe um seinen Society-Kenner gekämpft, hört man, er hätte ihm den Vertrag auch nach der Rente solange wie irgend möglich verlängert, was wiederum dem Betriebsrat nicht gefallen haben soll.
Das ist absolut ungewöhnlich in diesen Zeiten, in denen im Pressehaus alle über 60-Jährigen zu Gesprächen über einen vorzeitigen Ausstieg geladen werden. Dorfs, 62, mache bei diesen Terminen einen eher gelangweilten Eindruck, erzählen Betroffene, der Erfolg sei überschaubar, nur eine Handvoll wolle gehen. Darunter sind vertraute Autor:innen wie Bärbel Krauß, Franz Feyder, Thomas Faltin und Martin Gerstner. Letzte Meldung aus dem Lost Place in der Plieninger Straße 150: Der bisherige stellvertretende Chefredakteur und Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Stuttgart, Holger Gayer, wird zum Stadtmagazin "Lift" befördert – seit 2016 Kleinfirma innerhalb des Hauses – und soll dort die bescheidenen Geschäfte führen.




0 Kommentare verfügbar
Schreiben Sie den ersten Kommentar!