"Der antifaschistische Auftrag geht baden", bilanzierte "Monitor"-Chef Georg Restle Ende 2024 auf einer Kontext-Veranstaltung, die Lernkurve der Öffentlich-Rechtlichen sei "erstaunlich flach". Später erfand der SWR dann noch das Prinzip der "abgestuften Chancengleichheit", das die extremistische Partei im Wahljahr 2026 auf dieselbe Stufe hob wie Grüne und CDU. Das TV-Triell mit Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) kurz vor der baden-württembergischen Landtagswahl nutzte AfD-ler Markus Frohnmaier aufs Trefflichste. Der Möchtergern-MP, der abschieben will, "bis die Startbahnen glühen".
Und weil wir hier in Konstanz sind, sei noch an die Tasgeszeitung "Südkurier" erinnert, die nichts Unanständiges daran fand, mit der "Protestpartei" Geld zu verdienen und ihre Botschaften zu verbreiten. Im März 2021 druckte und verteilte das Monopolorgan am See eine zehnseitige Publikation der AfD, die wie eine redaktionelle Beilage daherkam. Die Leserschaft protestierte, ein Gastronom mochte die Zeitung seinen Gästen nicht mehr zumuten, Jan Böhmermann twitterte: "Print ist nicht tot, einfach nur bewusstlos", und der Verlag verwies darauf, dass er für den Inhalt nicht verantwortlich sei. Nebenbei bemerkt: Auch die "Stuttgarter Zeitung" und die "Badische Zeitung" haben sich mit solchen Geschäften die Hände schmutzig gemacht.
Eine Homestory beim "Südkurier". Warum nicht?
Am 26. Februar 2026 schickt uns eine Leserin einen Artikel aus dem "Südkurier", Ausgabe Villingen-Schwenningen. Darin wird der AfD-Kandidat für den baden-württembergischen Landtag, der 47-jährige Betriebswirt Martin Rothweiler, in ein Porträt gefasst, das zur Homestory wird. Zuhause sei Rothweilers Lieblingsplatz, erzählt der Autor, fotografiert ihn am Familienesstisch und lässt ihn sagen, dieses Zuhause sei der "Dreh- und Angelpunkt" der Familie und diese wiederum die "Keimzelle der Gesellschaft". Erst kürzlich habe er seine aus Brasilien stammende Ehefrau auch kirchlich geheiratet, fährt der Journalist fort und notiert, dass die beiden Kinder für ihn jetzt "Priorität" haben und das Hobby Kitesurfen "in den Hintergrund" getreten sei. Bei der Landtagswahl am 8. März hat Rothweiler 24,7 Prozent der Stimmen in Villingen-Schwenningen erhalten, er ist jetzt designierter AfD-Fraktionschef und zuversichtlich, dass die CDU die "Brandmauer" schleifen wird.
Wie kann es sein, dass ein Verfassungsfeind auf einen fürsorglichen Ehemann und Vater reduziert wird, der es zuhause am schönsten findet? Vorauseilender Gehorsam, vorsorgliche Unterwerfung vor künftigen Autoritäten? Beim "Nordkurier" in Meck-Pomm heißt das: Wir können 40 Prozent der Leute doch nicht den Stuhl vor die Tür stellen. Es heißt nicht: Was können wir tun, damit es weniger werden?
Die Fragen führen zu Problemen objektiver und subjektiver Natur. Schauen wir nach Ulm, wo sie wie unter einem Brennglas zu betrachten sind. Die Rede ist von der Neuen Pressegesellschaft NPG, besser bekannt durch ihren Haupttitel "Südwest Presse", die sich anschickt, den baden-württembergischen Zeitungsmarkt zu monopolisieren. Nahezu unbemerkt hat sie im vergangenen Jahr die "Stuttgarter Zeitung", die "Stuttgarter Nachrichten", die "Eßlinger Zeitung" und den "Schwarzwälder Boten" gekauft. Ab Oktober dieses Jahres ist geplant, sämtliche Konzern-Blätter mit demselben Mantel zu bestücken, also mit denselben Texten aus überregionaler Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport.
Viel Freude beim Häppchen-Lesen: Die Stücke sollen nicht mehr als 3.300 Zeichen haben, weniger als ein durchschnittliches Kontext-Editorial. So erklärt sich auch die Ankündigung des NPG-Managements, keine Rechtsabteilung mehr zu benötigen, ein Advokat würde genügen. In 3.300 Zeichen ist nicht mehr viel falsch zu machen, was vor Gericht landen könnte. Ende der Recherche. Warum bloß schneiden sie sich keine Scheibe bei der "Waiblinger Kreiszeitung" ab, bei der sich die Redakteure Alexander Roth und Peter Schwarz seit Jahren mit großer Beharrlichkeit um das Thema Rechtsextremismus kümmern?
Aufklärender Journalismus ist nicht billig zu haben
Weil das nicht billig ist. Inzwischen steht in Stuttgart bis zur Hälfte des Personals in den Redaktionen zur Disposition. Aber genau dort soll geschaffen werden, was eine demokratische Öffentlichkeit braucht: aufklärenden Journalismus. Wie den aber leisten, wenn er das Prinzip der kapitalistischen Bewusstseinsindustrie stört, den kurzfristigen Profit, den sich Medien durch das Bedienen flüchtiger Aufmerksamkeit erhoffen? Man könnte es auch die Entpolitisierung der Berichterstattung nennen oder Aufgabe des Anspruchs, relevante Inhalte zu liefern.
Das Internet hat den Brand des Boulevards noch beschleunigt, vom Algorithmus getriebene Social-Media-Plattformen dienen nicht der Meinungsvielfalt, sondern der Manipulation. Gerade im Lokalen, das immer als Fundament der Demokratie gepriesen wird, kann das, siehe USA, zersetzende Folgen haben.
Um dieses Bedingungsgeflecht zu durchbrechen, bedarf es ziemlicher Anstrengungen. Als kleine Handreichung für alle jene, die sich dem aussetzen oder noch aussetzen wollen, sei das Buch der Journalisten Matthias Meisner und Paul Starzmann empfohlen. Es trägt den Titel "Mut zum Unmut" und versteht sich als Anleitung zur politischen Widerspenstigkeit. Die Autoren raten zu "konstruktivem Ungehorsam", Nein zu sagen, anzuecken – im Job, auf der Straße und in der Politik. Und bitte nicht verbittert, sondern fröhlich, fair, nicht fies.
Der Kampf gegen rechts gehört zur Kontext-DNA
Alles Ratschläge für die, die etwas Eigenes gegründet haben, die das Verlegermodell hinter sich gelassen haben, die sich im "Forum gemeinnütziger Journalismus" zusammengeschlossen haben. Kontext ist auch dabei als eines der ältesten Projekte. Im Sommer feiern wir unseren 15. Geburtstag – eine unendlich lange Zeit für ein solches Projekt. Aber auch ein Beleg dafür, dass unabhängiger und kritischer Journalismus ein Publikum hat, das genau das will.
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