Die international gesuchte Ruja Ignatova kam als Kind mit ihrem Bruder Konstantin und ihren Eltern in den 90er Jahren aus Bulgarien nach Schramberg im Schwarzwald. Sie ist hier zur Schule gegangen und hat später an der Uni Konstanz in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Heute führen FBI und Europol Ignatova auf ihren "Most Wanted"-Listen, sie steht im Zentrum eines milliardenschweren Betrugs: Um das Jahr 2012 war der Bitcoin der große Renner. Daraufhin entstanden Nachahmer-Kryptowährungen. Ruja Ignatova und der Multi-Level-Marketing-Spezialist Sebastian Greenwood erfanden 2013 den OneCoin, der der "Bitcoin Killer" werde, wie Ignatova versprach.
OneCoin verkaufte in einem Pyramidensystem teure Bildungspakte, die Token für den noch zu schürfenden OneCoin enthielten. Innerhalb weniger Jahre sammelten die OneCoin-Verkäufer bis zu 15 Milliarden Dollar weltweit von mehr als drei Millionen Anlegern ein (Kontext berichtete). Allerdings besaß OneCoin nie eine Blockchain, die absolute Voraussetzung für eine ordentliche Kryptowährung. In Wirklichkeit war OneCoin von Beginn an als Betrug angelegt. "Take the money and run and blame someone else for it", zu deutsch: "Nimm das Geld, tauch unter und gib jemand anderem die Schuld", schrieb Ignatova 2014 in einer Mail an Greenwood. Er hatte gefragt, was er tun solle, wenn das Schneeballsystem zusammenbricht. Der OneCoin-Betrug geht bis heute weiter. Angeblich seit einem Jahr von Vietnam aus. Und niemand weiß, wer heute die "Firma" leitet.
Der Serientitel "Take the Money and Run" fasst Ignatovas Denke und Skrupellosigkeit knackig zusammen. Auch weil sie es am 25. Oktober 2017 wahrscheinlich genau so gemacht hat. Ignatova ist an diesem grauen Oktobertag nach einem Flug von Sofia nach Athen spurlos verschwunden – möglicherweise mit vier USB-Sticks und 230.000 Bitcoin in der Handtasche. Laut der BBC könnte es sich um das größte Bitcoin-Vermögen der Welt handeln. Im Oktober 2017 war ein Bitcoin etwa 5.000 Euro wert, also insgesamt 48,5 Millionen Euro. Nachdem der Kurs über die vergangenen Jahre drastisch gestiegen ist, wären es heute über 18 Milliarden Euro.
Fünf Millionen Dollar Kopfgeld
Gespielt wird Ignatova in der Serie von Nilam Farooq, die "eine enorme Präsenz" habe und "ihrer Figur eben diese Mischung aus glamouröser Ausstrahlung, kühler Intelligenz und manipulativer Energie" schenke, wie das Fachmagazin "The Spot" schreibt. Die Anfrage für die Rolle sei für sie "ein Glücksfall" gewesen, so Farooq im ZDF-Pressetext. Es gebe ganz selten Rollen mit "bösen Frauen". Um Ruja Ignatova spielen zu können, habe sie sich "wirklich alles reingezogen, was an Podcasts online ist", auch viele YouTube-Videos mit Ignatova.
In einem Interview mit der "Hörzu" geht Farooq auf die Frage aller Fragen ein: Lebt Ignatova noch? Weil Ignatova sich mit vielen Figuren aus der Unterwelt Bulgariens und außerhalb eingelassen hat, vermuten viele, dass Ignatova nach ihrem Verschwinden nicht mehr lange gelebt hat. So kursiert die Geschichte, ein Mafia-Boss habe ihre Ermordung angeordnet, ihre zerstückelte Leiche sei in der Ägäis gelandet.
Doch Farooq hat daran inzwischen Zweifel, wie sie der "Hörzu" erzählt: Während der Dreharbeiten 2024 in Südtirol hatte das FBI das Kopfgeld auf Ignatova auf fünf Millionen Dollar erhöht. "Wir dachten alle: Krass, wenn die das erhöhen, haben die Anhaltspunkte, dass es sich lohnt." Das habe ihre Vorstellung komplett geändert: "Seitdem denke ich: Doch, die ist irgendwo. Die wird die Serie sehen. Und dann schickt sie mir einen Scheck." Zwinker, zwinker.




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