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Gemeinnütziger Journalismus

Die Zukunft ist jetzt

Gemeinnütziger Journalismus: Die Zukunft ist jetzt
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Es geht voran mit dem neuen Journalismus, dem gemeinnützigen. Er steht jetzt im Berliner Koalitionsvertrag, und das ist gut so. Das Land braucht unabhängige Medien neben der kommerziellen Presse und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Dass eine Demokratie von informierten, aufgeklärten und medienerfahrenen BürgerInnen lebendig gehalten wird, ist Allgemeingut. Doch gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass das mit den üblichen Akteuren allein nicht mehr funktioniert: Verlässliche Informationen, Einordnungen sind wichtiger denn je. Gleichzeitig kommt die Verlegerpresse an ihre Grenzen, weil sie spart, wo investiert werden müsste, weil JournalistInnen um ihre Zukunft bangen, in einer Zeit, in der sie und ihre Kompetenz so wichtig wären.

Es braucht sie mehr denn je, die anderen, die Kleinen, die journalistischen Projekte, die in Zeiten der Medienkonzentration noch Vielfalt ermöglichen und nicht auf Profit gepolt sind. Die tun, was der Job von JournalistInnen ist: recherchieren, orientieren, aufklären. Und die wichtige Impulse setzen für die Weiterentwicklung des Journalismus.

Das passiert bei Kontext nun seit mehr als zehn Jahren. Wichtig war und ist uns, dass unsere Recherchen Wirkung zeigen. Ein Beispiel dafür ist die Berichterstattung, die uns seit drei Jahren juristisch beschäftigt. Die Recherchen und Veröffentlichungen über rassistische, fremdenfeindliche Chat-Äußerungen eines Mitarbeiters zweier AfD-Abgeordneten im baden-württembergischen Landtag hatten konkrete Folgen: Das Parlament verschärfte seine Hausordnung und kontrolliert MitarbeiterInnen von Abgeordneten stärker als zuvor.

Das jüngste Beispiel ist der Kontext-Artikel über die Gentrifizierung des Hochschwarzwalds. Vergeblich hatten engagierte BürgerInnen versucht, mit ihrer Sorge um den Ausverkauf ihrer Heimat bei der Lokalpresse Gehör zu finden. Als es da immer wieder hieß: zu wenige Leute, Krankheit, keine Kapazitäten, kamen sie zu Kontext. Daraus entstand die Geschichte vom Wahnsinn eines aus den Fugen geratenen Immobilienmarktes, in einer Region, die dafür nicht vorgesehen war. Zwei Wochen später hatte die Lokalpresse Zeit. Solche Wunder, geschildert von erfreuten LeserInnen, geschehen immer wieder.

Ausgabe 531, 2.6.2021

Die Kleinen machen Vielfalt

Von Susanne Stiefel

Der gemeinnützige Journalismus hat in der Politik wenig Freunde. Das könnte sich ändern, wenn es Margit Stumpp gelingt, ihn in das Programm ihrer Partei zu pflanzen. Die Königsbronnerin ist die medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag.

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Kontext gehört zu den Pionieren im Non-Profit-Journalismus. Und eigentlich sind wir in dieser jungen Branche schon ein Methusalem, dessen Rat von den Neugründungen immer wieder gefragt ist. Gerade im Lokalen, wo die Not besonders groß ist, wo es immer weniger Zeitungen gibt, Kontrollinstanzen ausfallen, entsteht Neues. "Rums" hält in Münster die Augen offen, "Veto" macht in Dresden und darüber hinaus Journalismus mit Haltung. Und die "Relevanzreporter" um Alexandra Haderlein wollen in Nürnberg dort in die Tiefe gehen, wo die Zeitungen vor Ort nur noch an der Oberfläche kratzen. Derzeit sind sie und ihr Team noch in der Aufbauphase. Wir von Kontext wünschen viel Erfolg. Sie alle finden sich wieder im Forum für gemeinnützigen Journalismus, das Kontext vor einem Jahr mitgegründet hat.

Gemeinnütziger Journalismus klingt unsexy. Er ist es aber nicht. Die vielen Projekte von "Investigate Europe" über "Netzpolitik.org" bis zur Neugründung "Relevanzreporter" sind aufregend, weil sie ihre Arbeit transparent machen, die LeserInnen miteinbeziehen und um ihre Rolle als Aufpasser wissen. Hier passiert die Zukunft. Wir sind dabei.


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1 Kommentar verfügbar

  • Jörg Tauss
    am 29.12.2021
    Antworten
    …. Dann schreibe ich eben auch zu diesem Artikel mal einen Kommentar, damit sich die Redaktion hoffentlich freut…;)

    Herzlichen Dank für Eure Arbeit. Die 25.— Euro im Monat sind mir guter Journalismus wert. Und die Zeiten werden ja nicht einfacher und vor allem die wichtigen Themen nicht…
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