KONTEXT:Wochenzeitung
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Wir bleiben dran!

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Es gibt leichtere Aufgaben, als etwas absagen zu müssen, was einem am Herzen liegt. Corona macht auch unserer Veranstaltung "Aufrecht gegen rechts" einen Strich durch die Rechnung: Das Theaterhaus ist geschlossen, wir alle müssen am 23. März zu Hause bleiben. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Eine gute Nachricht lautet: Unsere Diskussion mit couragierten JournalistenkollegInnen ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. "Monitor"-Chef Georg Restle, seit Montag im Homeoffice, hat bereits telefonisch mitgeteilt, dass er wieder dabei ist: "Meine Zusage gilt auch für den verschobenen Termin." Anja Reschke, "Panorama"-Chefin, will ebenso wieder mitdiskutieren. Und Werner Schretzmeier vom Stuttgarter Theaterhaus hat Ende Oktober/Anfang November schon zwei Montagstermine für uns freigesperrt. Dafür bedanken wir uns und hoffen, dass alle, die die Kontext-Veranstaltung schon dick im Kalender angestrichen hatten, auch Ende des Jahres dabei sind. Unser Gerichtstermin in Sachen Marcel Grauf wurde übrigens in den Dezember verlegt. Wir halten Sie auf dem Laufenden, wenn wir mehr wissen. Und hoffen, dass die Pandemie bald überstanden ist.

Die Kontext-Redaktion ist seit Anfang der Woche im Homeoffice. Eine Notbesetzung von zwei Personen hält in der Hauptstätterstraße die Stellung, alle anderen arbeiten von zu Hause aus. Das ist für alle eine große Umstellung, entstehen doch Ideen und Artikel in der gemeinsamen Diskussion, reifen und werden treffender, schärfer, wenn mehr Köpfe gemeinsam denken. Nun sind wir gemeinsam einsam, jeder in seiner Wohnung.  Wir konferieren via Online-Schalte, wo sich Gesichter und Stimmen auf dem Bildschirm drängen.

Nun ist Journalismus auch und gerade in Zeiten von Corona wichtig. Die Information über das Virus, seine Ausbreitung und die Maßnahmen zu seiner Eindämmung. Aber auch die anderen Themen wollen und werden wir nicht vergessen. Heckler & Koch und die Rüstungsgeschäfte, antisemitische Chats in Klassenzimmern, die jetzt erstmal leer bleiben. Und das Land wird auch in Zeiten von Corona regiert, Wahlscharmützel inklusive.

Es wird schwerer mit dem Journalismus, die Recherche nicht einfacher. Wir halten das direkte Gespräch mit betroffenen Menschen für wichtig, sich vor Ort ein genaues Bild zu machen, für essentiell. Nun müssen wir damit umgehen, auf vieles zu verzichten, was sonst ganz selbstverständlich zu unserer Arbeit und Aufgabe gehört. Damit müssen wir leben und von Tag zu Tag auf eine veränderte Situation reagieren. Aber wir bleiben dran. An den Rechtsextremen, den Fragen, die die Flüchtlingspolitik aufwirft, bei der die Menschlichkeit so oft auf der Strecke bleibt. Das wollen und werden wir nicht vergessen.

Genauso wenig wie das Gute, das eine Krise auch hervorbringen kann, wenn ausgetretene Pfade verlassen werden müssen. Die vielfältigen Nachbarschaftshilfen, die sich gebildet haben für Alte und Kranke. Die Unterstützergruppen für Kunstschaffende, bei denen kein Kurzarbeitsgeld greift und für die wir mit Stadtflaneur Joe Bauer eine digitale Bühne schaffen. Die Entschleunigung, zu der das Virus alle zwingt. Und nicht zuletzt sollten wir die Gedanken, die wir uns jetzt, in dieser Situation, machen, weiterverfolgen: über das Wirtschaften, über die gerechte Bezahlung von Krankenschwestern, über das ständige Funktionieren in einer Leistungsgesellschaft, wie es unser Gastautor Heinrich Steinfest anregt.

Machen wir das Beste draus. Und vor allem: Bleiben Sie gesund.


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