Für ein freies Zimmer auf dem Freiburger Lorettoberg geht Mitte Januar eine Annonce online, die sich an Studenten richtet: 22 Quadratmeter, daneben ein großes Wohn- und Esszimmer zur gemeinschaftlichen Nutzung, Sportraum, Sauna, Balkon und eine "schalldichte Bar (für Partys bis in den Morgen :-))" – Warmmiete: 230 Euro. Zeitgleich veröffentlichte Angebote aus der Universitätsstadt verlangen für 14 Quadratmeter große Zimmer ohne opulenten Zusatz bis zu 750 Euro.
Der Preisunterschied erklärt sich durch die Mitbewohner: "Wir sind eine Burschenschaft", schreiben die sieben Männer vom Lorettoberg. Ihre Verbindung biete "die Möglichkeit, mit vielen interessanten Menschen in Kontakt zu kommen", denn "wer sich vollumfassend politisch bilden möchte, der wird beim AStA oder StuPa nicht glücklich werden". Die Privilegien sind allerdings mit einer Erwartungshaltung verknüpft. "Unsere Gemeinschaft ist geprägt durch den lebenslangen Zusammenhalt der Mitglieder", macht die Saxo-Silesia potenziell Interessierten klar. Ein weiterer Anspruch lautet: "Von unseren Mitgliedern fordern wir, daß sie das akademische Fechten lernen und Mensuren schlagen."
Bei sogenannten Burschenpartien kommt es gelegentlich zu Gesichtsverstümmelungen, in Freiburg 2016 zu einer Skalpierung. P. K. von der Burschenschaft Danubia München, als Aktivist der Identitären Bewegung (IB) mehrfach zu Geldstrafen verurteilt, verlor bei einer Mensur im Mai 2022 ein Stück seiner Kopfhaut, das ihm wieder angenäht werden musste. Knapp zwei Monate später findet er sich auf dem Freiburger Lorettoberg ein: im Garten der Villa der Saxo-Silesia. K. ist Sekundant des Danuben T. B., der gegen Aaron Kimmig, Saxo-Silesia und zu diesem Zeitpunkt Sprecher des AfD-Kreisverbands Freiburg, antritt. Der Militärische Abschirmdienst stufte B. als einen führenden Aktivisten der IB ein, bevor er im Mai 2017 wegen einer rechtsextremen Gesinnung aus der Bundeswehr entlassen wurde.
K. und B. sind nicht die einzigen Gäste der Saxo-Silesia mit bekannten Verstrickungen in die rechtsextreme Szene. Zahlreiche Saxo-Silesen sind mit der AfD verbunden. Andreas Schumacher, Freiburger Kreisverband, war Bundesvorstand der Jungen Alternative (JA). Christopher Lehmann ist im 1.000-seitigen Verfassungsschutz-Gutachten zur AfD als stellvertretender Vorsitzender der JA Sachsen gelistet. Fabian Kohlmeyer und Patrick Stähle traten bei der Kommunalwahl 2024 für die AfD in Freiburg an. Marcel Wolle fungierte als Sprecher bei einer JA-Kundgebung in Heilbronn. L. G., M. N., M. B. waren alle bei der JA Freiburg. Saxo-Silese Reimond Hoffmann, inzwischen aus der AfD ausgeschlossen, saß für die Partei im Landesvorstand und wurde im baden-württembergischen Verfassungsschutzbericht 2023 erwähnt, nachdem er die IB für "Zivilcourage" gelobt hatte.
Ariernachweis und Austrittswelle
Vom Corps über Landsmannschaften, Damenverbindungen und Sängerschaften gibt es in der Bundesrepublik rund 1.000 Studentenverbindungen, die ein ideologisch breites Spektrum abbilden – lange nicht alle sind rechts. Die überwiegend liberal-konservativ bis völkisch-nationalistisch ausgerichteten Burschenschaften machen im Verbindungskosmos weniger als 160 aus. Allerdings bekennt sich der größte und älteste Dachverband, die Deutsche Burschenschaft (DB), in seiner Verfassung zu einem "volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff" und etliche Verbandsbrüder fallen durch rechtsextreme Aktivitäten auf. 2025 übernahm die Saxo-Silesia die jährlich wechselnde Rolle als Vorsitzende Burschenschaft der DB.




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