Wer sich gegen Rechtsextremismus engagiert, kann kein Deutscher werden. So zumindest hört sich an, was der Gewerkschafter Danial Bamdadi momentan erlebt. Vor einigen Jahren haben er und seine Familie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Mutter, Vater und Schwester bekamen sie, gegen seine eigene Anerkennung intervenierte der Verfassungsschutz. Schon 2022 bekam Bamdadi die Ablehnung vom Ausländeramt Rems-Murr-Kreis. "Wegen der Gesinnung in meinem Kopf", sagt er am Telefon. Er reichte Klage dagegen ein. Jetzt kommt es zum Prozess vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart, Ende Januar soll die Entscheidung fallen.
Bamdadi stammt aus dem Iran, 2009, da war er zwölf, fanden im Iran Präsidentschaftswahlen statt, gefolgt von Massen-Protesten gegen das offizielle Wahlergebnis. Das Mullah-Regime ließ sie brutal niederschlagen. "Auch Wochen nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni sieht die Menschenrechtslage düster aus", schreibt Amnesty International zu der Zeit. "Polizei und Milizen gingen mit exzessiver Gewalt gegen zumeist friedliche Demonstranten vor und unterdrückten mit äußerster Brutalität jede Versammlung, bei der die Regierung kritisiert wurde." Auch sein Vater protestierte, Danial selbst schmiedete mit Klassenkameraden Pläne, Flugblätter gegen das Regime zu verteilen, erzählt er am Telefon.
Sein Vater geriet schnell ins Visier der Revolutionsgarden. Bamdadi berichtet, wie er Hausdurchsuchungen von Mullah-Schergen erlebte, die nachts die Tür eintraten, um den Vater zu suchen. Schließlich floh die Familie mit Unterstützung der Nachbarn nach Deutschland, aus Furcht, der Vater verschwinde irgendwann in einem iranischen Gefängnis und komme – wenn überhaupt – nur tot zurück.
Danial Bamdadi war 15, als er in Waiblingen ankam. Seine Familie sei dort 2012 sehr herzlich empfangen worden. Ein schon damals politisierter Heranwachsender, wie er selbst erzählt, hineingeworfen in ein Deutschland, in dem wenig später die AfD entstand und schnell immer radikaler wurde. In Baden-Württemberg demonstrierten fundamentale Christen gegen sexuelle Vielfalt in den Bildungsplänen, die Hetze gegen Geflüchtete und Einwanderer war schon damals laut. Auch in Deutschland, verstand der Jugendliche, war nicht alles eitel Sonnenschein.
In Deutschland blieb er politisch aktiv
Bamdadi engagierte sich gegen Rechtsextremismus, besuchte linke Demos, Veranstaltungen und Kundgebungen gegen den NPD-Bundesparteitag, gegen Pegida, gegen die AfD, wie Tausende und Abertausende anderer Menschen in Deutschland auch. "Ich hab' versucht, jede Demo mitzunehmen", sagt er. Einmal, kurz vor der Landtagswahl 2016, waren die "Stuttgarter Nachrichten" in seiner Klasse auf dem Gymnasium zu Besuch, es ging um die Frage, wer von den Schüler:innen wählen geht und ob sie Angst haben um die Demokratie in Deutschland. Danial, damals 18 Jahre alt, mit Bandana und einem "Refugees welcome"-Shirt, sagte: "Ich bin schon dafür, dass man wählen geht, weil populistische Parteien auftreten. Sie machen sich die Flüchtlingskrise zunutze und schüren Ängste unter Menschen, die wenig haben." So steht es in dem Artikel.




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