Ausgabe 347
Gesellschaft

Verrückte Welt

Von Emran Feroz
Datum: 22.11.2017
Regelmäßig berichtet der Journalist Emran Feroz über Drohnenangriffe der USA und die vielen zivilen Toten, die sie hinterlassen. Für einen Artikel haben wir mit ihm gesprochen und ihn vor der US-Kaserne in Vaihingen fotografiert. Dann kam die Polizei.

Schon verrückt.

Ich habe vor einigen Tagen Kontext ein ausführliches Interview gegeben, in dem es um den US-Drohnenkrieg ging. In der vergangenen Woche rief mich der Fotograf der Zeitung an und meinte, dass er gerne ein paar Fotos von mir schießen würde. Am besten vor einer US-Militäranlage in Stuttgart. Klar, kein Problem, meinte ich. Treffpunkt waren die Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen. In Stuttgart unterhält das US-Militär Eucom und Africom. In Ersterem werden alle US-Militäroperationen in Europa koordiniert, außerdem befindet sich hier das Europa-Hauptquartier der NSA. In Letzterem, in den Kelley Barracks, wird der gesamte US-Schattenkrieg in Afrika (zum Beispiel Drohnenangriffe in Somalia und Libyen) geplant.

Eucom liegt praktisch vor meiner Nase. Von meiner Wohnung bis dorthin benötige ich lediglich fünf Minuten zu Fuß, deshalb auch dort der Treffpunkt. Als das "Shooting" erledigt war, spazierte ich wieder nach Hause. Plötzlich fuhr ein deutscher Streifenwagen an mir vorbei und blieb stehen. Die Beamten fragten mich, ob ich Deutsch könne, dann wollten sie mich kontrollieren. Seitens der Amerikaner war ihnen gesagt worden, dass ich Fotos der Basis gemacht hätte. Ich erklärte kurz das Geschehen, ziemlich unkompliziert. Aber mir fiel auf, dass den Beamten das Ganze irgendwie unangenehm wurde. Sie hatten wenig Lust auf die Kontrolle, wurden aber neugierig, als ich ihnen von meiner journalistischen Arbeit erzählte.

"Hier in Stuttgart passiert ziemlich viel. Wissen Sie, inwiefern Africom im illegalen Drohnenkrieg involviert ist?", fragte ich. "Ähm..ah..hmm..ja", antworteten sie. "Die mögen es halt nicht, wenn man sich ihrer Basis nähert und Bilder oder so macht", sagte einer der Beamten verlegen. "Auch komisch, oder? Ihre Drohnen, mit denen sie Tausende von Menschen terrorisieren, haben doch auch Kameras. Die Betroffenen werden dadurch regelrecht paranoid, im schlimmsten Fall in Stücke zerfetzt. Aber es ist wohl in Ordnung, wenn die das in irgendwelchen Dritte-Welt-Staaten machen. Das verstößt doch auch alles gegen das Grundgesetz, also auch das, was in Stuttgart so vor sich geht. Aber die Polizei, also die Exekutive, kommt dann am Ende zu mir? Schräg", meinte ich. "Ähh...ja. Hmm. Naja, schönen Tag noch", und schon waren sie weg.


Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!

3 Kommentare verfügbar

  • Wolfgang Zaininger
    am 22.11.2017
    Was machen die eigentlich, wenn sich aus dem benachbarten Gartengelände oder Friedhof eine Drohne über ihrem Gelände verirrt? Fahren die dann Scharfschützen auf und ballern in die Luft?
  • David Sohn
    am 22.11.2017
    Wir sind eben immer noch ein besetztes Land seit 1945.
    Die Amerikaner können hier machen was sie wollen, egal ob das nach deutschem Gesetz erlaubt ist oder nicht. Die Stuttgarter Africom und Eucom sind m.W. die einzigen "Comms" ausserhalb USA.
    Wieviel Atombomben haben wir in D? Die werden wohl demnächst erneuert. Vermutlich weil sich der Warschauer Pakt aufgelöst hat.
    Wieviel US Soldaten sind in Deutschland stationiert?
    Warum darf über Ramstein per Drohne gemordet werden? (Die deutsche Regierung weiss angeblich nichts davon)
    Warum darf die NSA in Deutschland straffrei jeden abhören?
    Ich empfehle hier sich den Prof. Foschepoth anzuhören, welcher dazu sehr interessantes zu sagen hat.
    • Wulf Overdyck
      am 23.11.2017
      Wir haben einen "heimlichen Krieg" (Buchtitel eines NDR-Journalisten) in Deutschland, seit vielen Jahren. Das ist Völkerrechtsbruch und ein Schlag ins Gesicht derer, die gebetsmühlenartig von "Frieden in Deutschland seit dem Weltkrieg" schwafeln. Ich war auch schon mehrfach zum Demonstrieren vor den Kelly- und Patchbaracks in Stuttgart gegen diesen barbarischen US-Drohnenkrieg, der schon viele Zivilisten getötet hat. Die deutschen Politiker sind auch hier zahnlose Papiertiger. Bemitleidenswert die hilflosen Polizisten. Gut, dass solche Journalisten wie Emran Feroz die Existenz dieser Einrichtungen, die den Terrorismus eher beflügeln, immer wieder öffentlich machen.
      Wulf Overdyck

Neuen Kommentar schreiben

KONTEXT per E-Mail

Durch diese Anmeldung erhalten Sie regelmäßig immer mittwochvormittags unsere neueste Ausgabe unkompliziert per E-Mail.JETZT ANMELDEN

Letzte Kommentare:
















Die KONTEXT:Wochenzeitung lebt vor allem von den kleinen und großen Spenden ihrer Leserinnen und Leser.
Unterstützen Sie KONTEXT jetzt!