KONTEXT:Wochenzeitung
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Ein Gedicht

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Auf der hübschen Hornisgrinde / wehen ganz schön viele Winde / wär' da nicht das Auerhuhn / könnt' man viel mehr Windkraft hintun!

Okay, wir sind keine Dichter. Aber erstaunlich, dass dauernd der Auerhahn und die Auerhenne herhalten müssen, wo keine Windräder gewollt sind. Der Ornithologe Thomas Ullrich findet das falsch. Der Bau neuer Windkraftanlagen werde massiv behindert. "Es wird der Art nicht helfen, Windkraft auf Flächen auszuschließen, wo Auerhühner derzeit nicht vorkommen und auch in Zukunft nicht mehr vorkommen werden", sagt er im Interview.

Vor Kurzem haben wir über die beiden Klimaaktivist:innen Samuel Bosch und Charlie Kiehne berichtet, die Lebensmittel aus Supermarktmülltonnen geholt und weitergegeben hatten. Die Staatsanwaltschaft erstattete Anzeige, die Richterin wollte das Verfahren einstellen, die beiden knapp Zwanzigjährigen bestanden aber auf dem Prozess. Das Urteil: je zehn Sozialstunden. Die ersten leisten sie beim gemeinnützigen Verein "Foodsharing" ab, der übrige Lebensmittel vom Wochenmarkt an finanziell schwache Menschen verteilt. Und weil das so schön passt, haben die beiden am vergangenen Wochenende eine Aktion draus gemacht: Mit Besucher:innen und Medienvertreter:innen auf dem Bauernmarkt in Ravensburg.

Kontext bei der taz-Geno-Versammlung

Anfang der 1990er-Jahre steckte die taz in einer schweren finanziellen Krise, und ein Teil der Belegschaft wollte eine GmbH gründen, um potente Geldgeber:innen zu ködern. Einer der eindringlich davon abriet, war der kürzlich verstorbene Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele: "Ein Kapitalgeber wird es nicht auf Dauer hinnehmen, dass es keine Profite gibt." Drei Jahrzehnte später hat sich das auch von Ströbele bevorzugte Modell einer Genossenschaft etabliert, und bei der Generalversammlung am vergangenen Wochenende spielte nicht nur das Gedenken an einen besonderen Politiker eine wichtige Rolle: Der Jahresgewinn für 2021 war mit über einer Millionen Euro ein Rekord, die Anzahl der Genossinnen und Genossen ist inzwischen auf über 22.300 gestiegen.

Das macht Mut für eine Zeit der Umbrüche. Eine große Neuigkeit stellte Produktentwicklerin Malene Gürgen vor: die "wochentaz" mit neuem Layout. Neu ist dabei auch ein Ressort, das noch nicht in vielen Zeitungen verbreitet ist: Unter dem Label "Zukunft" soll ab dem 12. November dieses Jahres schwerpunktmäßig über Klima, Wissenschaft, aber auch über Utopien berichtet werden, um, so Gürgen, "die Welt zu zeigen, wie sie ist und wie sie sein könnte". Was sich nicht ändern wird: Am Wochenende ist auch in Zukunft eine vierseitige Kontext mit Artikeln aus Baden-Württemberg enthalten, dann zu finden im Ressort "Stadtland". Und nicht nur die "wochentaz" überarbeitet ihr Erscheinungsbild: Auch Kontext hat in den vergangenen Monaten an einem Re-Design unseres Print-Layouts gearbeitet, das wir mit der neuen "wochentaz" vorstellen wollen.

Mit dabei bei der Generalversammlung waren auch Kontext-Redakteur Minh Schredle und Finanzvorstand Johannes Rauschenberger. Gefreut haben sie sich nicht nur über den Austausch mit den Kolleg:innen – und darüber, viele von ihnen seit langer Zeit mal wieder live zu sehen! –, sondern auch über die Gespräche mit unseren Leser:innen.

Ein "Nussknacker" für Mikhail Agrest

Der Streit im Staatstheater scheint beigelegt. Musikdirektor Mikhail Agrest dirigiert in Stuttgart wieder. Das sei nur möglich gewesen, heißt es im Personalrat, weil öffentlicher Druck entstanden sei, der ins Haus hineingewirkt habe, befördert durch ein beharrliches Organ, dessen Namen wir in aller Bescheidenheit nicht nennen. Das ist schön. Und schöner wäre es noch, wenn Agrest wirklich wieder ankommen würde. Am Pult einer Premiere. Beim "Nussknacker" zum Beispiel, dessen Originalpartitur er in Moskau entdeckt hat, worauf ihm Ballettintendant Tamas Detrich schrieb, er liebe Menschen, die für ihren Job brennen.


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1 Kommentar verfügbar

  • Josef Tura
    vor 1 Woche
    Antworten
    Oh je, auf dem "Bauernmarkt" waren die beiden? Muß das nach den Kontextgendersprechundschreibgesetzesvorgaben nicht "Bauer*/Bäuer*/InnenMarkt" (oder so ähnlich) heißen? Wer von Eurer Sprachpolizei hat denn da wieder mal nicht aufgepaßt?
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