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Wir erinnern uns

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Erinnerung ist eine mühsame Sache und macht oft keinen Spaß. Wer erinnert sich etwa noch gerne daran, dass jemand wie der passionierte Verschwörungstheorien-Ventilierer Hans-Georg Maaßen mal Präsident des Bundesverfassungsschutzes war? Und zwar vor gar nicht so langer Zeit? Eben. Ist nicht schön. Aber trotzdem nötig.

Wer sich richtig erinnern kann und die Geschichte nicht nur als bunten Schlagwort-Steinbruch nutzt, kommt vielleicht auch nicht auf so schräge Schöpfungen wie die der "Corona-RAF". "Da muss man sich als Politiker doch ernsthaft mal fragen lassen, ob man noch alle Knödel in der Soße hat", meint Elena Wolf, die wir ganz frisch ins Team unserer KolumnistInnen aufgenommen haben. Denn wenn "ein Ministerpräsident wie Markus Söder vollkommen ironiefrei von seiner Sorge spricht, dass eine 'Corona-RAF' bald das Land terrorisieren könnte, dann ist klar, dass rechte Erzählungen in Chatgruppen und digitalen Netzwerken kein bloßes Internetphänomen sind, sondern ganz analoge Auswirkungen auf ein gesamtgesellschaftliches Klima haben." Auf unser aller Zukunft.

Zum heutigen 27. Januar, dem Holocaustgedenktag, haben wir daher einen Erinnerungsschwerpunkt in unserer Ausgabe. Denn Erinnern ist wichtiger denn je, wenn immer mehr Geschichtsrelativierer unterwegs sind. Solche, die die NS-Zeit am liebsten aus dem kollektiven Gedächtnis entsorgen würden. Die meinen, dass Juden zu viel über den Holocaust sprechen würden. Oder solche, die heute noch immer meinen, dass es unbedingt Hindenburgstraßen geben sollte. Dabei war der bei Weitem nicht nur ein Steigbügelhalter für die Nazis, sondern hatte noch einiges mehr auf dem Kerbholz.

Erinnern, das klingt nach Schwarzweiß, nach Staub und Alter. Wie aber eine gute Erinnerungskultur aussehen kann, zeigt die Initiative Stolperkunst, gegründet 2017 in Stuttgart, damit die Verbrechen der Nazis nicht vergessen werden. Oder das Generallandesarchiv Karlsruhe, das nun eine Dokumentationsstelle Rechtsextremismus eingerichtet hat, basierend vor allem auf der jahrzehntelang gehegten und gepflegten Materialsammlung des Rechtsextremismus-Experten Anton Maegerle.

Nur wer sich erinnert, kann die Gegenwart einordnen und die Zukunft gestalten. Wer nicht weiß, welchen Grausamkeiten, welchen Ungerechtigkeiten Menschen mit schwarzer Haut schon immer ausgesetzt waren und es noch immer sind, wird den Hashtag #OscarsSoWhite nicht verstehen. Wer sich nicht erinnert, was das Metropol-Kino für Stuttgart bedeutet, wird nicht verstehen, warum es Frevel ist, dort nun eine Boulder-Halle einzurichten, weil die eben schnell viel Geld zu bringen verspricht. Das Metropol-Gebäude gehört der Union Investment, auf dem Kapitalmarkt eng verwandt mit der Volksbank. Einer Genossenschaftsbank. Wir erinnern uns: Genossenschaftsbanken sind die, die sich schon immer das "gesamtverantwortliche Handeln" und nicht die "Gewinnmaximierung" auf die Fahnen geschrieben haben.

Es ist schon ein Kreuz mit der Erinnerung.


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2 Kommentare verfügbar

  • Peter Meisel
    am 27.01.2021
    Antworten
    Na klar erinnere ich mich: Als die AfD auftauchte hatte sie in ihrem „Program für Deutschland“ bei Glaubensfreiheit den Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland!“
    Dabei hat der Staufer Kaiser Friedrich II, König von Sizilien, Kaiser des Römisch Deutschen Reiches, König von Jerusalem 1232 die…
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