KONTEXT:Wochenzeitung
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Jetzt gibt's was auf die Ohren!

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Alle großen Medien haben längst einen – meist sogar mehrere! –, die Kanzlerin hat schon 2006 damit angefangen, und für das edle Geschlecht der Erklärbären scheint es seit geraumer Zeit überlebensnotwendig, die Netzgemeinde am Wohlklang der eigenen Stimme teilhaben zu lassen. Nur die Kontext-Redaktion blieb bislang mucksmäuschenstill, ganz ohne Podcast, während ihre Schreiberlinge Buchstaben für eine Jahrhunderte alte Druckpresse zusammensuchen mussten. ("Hat jemand zufällig das große F gesehen?" "Nein, das ist schon seit drei Wochen verschollen. Nimm doch ein G, davon haben wir noch drei.")

Gut, der letzte Teil war Fiktion. Doch gemäß des Gründungsmottos von Kontext – altmodisch in die Zukunft – haben wir die Absicht beibehalten, genau hinzuschauen, welche Innovationen tatsächlich sinnvoll sind. Der Podcast ist so eine. Doch wie man nicht nur an den Bemühungen um den Klimaschutz erkennt, dauert es eben manchmal ein bisschen, bis ein Vorhaben in die Tat umgesetzt wird. Nun aber, endlich!, ist es so weit, und wir freuen uns, zur anstehenden OB-Wahl in Stuttgart unseren neuen Podcast mit Stefan Siller vorzustellen. Der wird den aussichtsreichsten Kandidatinnen und Kandidaten in etwa halbstündigen Geprächen auf den Zahn fühlen, angefangen mit dem unabhängigen SPD-Kandidaten Marian Schreier.

Apropos endlich: Die Stadt Stuttgart ist nun doch bereit, ein Kunstwerk von Peter Lenk geschenkt zu bekommen. Und zwar ein kollossales: Beinahe zehn Meter hoch ist die spendenfinanzierte Skulptur, mit der der Bildhauer vom Bodensee die "groteske Entgleisung" rund um den geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof karikiert. Nachdem es unter den Stadtoberen lange Zeit umstritten war, ob Stuttgart ein derart politisches Kunstwerk aushält, haben sie sich nun eines Besseren besonnen – pünktlich zum zehnten Jahrestag des Schwarzen Donnerstags, an dem friedliche Demonstrierende gegen S 21 von der Staatsgewalt weggespritzt wurden und dem wir in dieser Ausgabe einen Schwerpunkt gewidmet haben. Bereits vor zehn Jahren sahen ProjektgegnerInnen viele Probleme kommen, die sich bewahrheiten sollten. So ahnten sie früh, dass es sich bei Stuttgart 21 unmöglich um ein wirtschaftliches Projekt handeln könne – was der Bundesrechnungshof vergangene Woche in einem Gutachten einmal mehr bestätigt hat.

Vielleicht haben sich die Stuttgarter Verantwortlichen aber auch in Konstanz umgehört, wo Lenks Statue Imperia anfangs ebenfalls hochumstritten war, sich dann aber als Touristenmagnet entpuppte. Ebendort, in Konstanz, gab es bei der Oberbürgermeisterwahl am Wochenende ein Ergebnis, das für Aufsehen sorgt: Mit 38,3 Prozent der abgegebenen Stimmen landete OB-Kandidat Luigi Pantisano knapp vor Amtsinhaber Uli Burchardt (CDU, 35,8 Prozent). Sollte sich Pantisano auch im zweiten Wahlgang am 18. Oktober durchsetzen, bei dem es für den Sieg keine absolute Mehrheit braucht, wäre er der erste und einzige Oberbürgermeister in Baden-Württemberg mit einem Parteibuch der Linken.

Doch nicht nur die Wahlen halten Konstanz derzeit in Atem. Am kommenden Wochenende will der Motorrad-Experte Gerry Mayr mit 20.000 Menschen und freundlicher Unterstützung der "Querdenken"-Bewegung eine Friedenskette um den Bodensee bilden und Merkel abwählen. Das Guiness-Buch der Rekorde sei bereits kontaktiert, heißt es seitens der Veranstalter – was das Guiness-Buch der Rekorde auf Rückfrage der Redaktion verneint. Es zeichnet sich ab, wie die Online-Zeitung "Seemoz" berichtet, dass die Aktion ein paar Hausnummern kleiner als geplant ausfallen könnte. Eine Menschenkette gegen Corona – diese Idee hatte zuerst die Partei "Die Partei" in Freiburg. Da war es aber klar erkennbar als Scherz gemeint. Doch immerhin wusste schon der römische Dichter Juvenal, dass es oft schwierig ist, keine Satire zu schreiben.


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