Ausgabe 434
Editorial

Aber hoppla, FAZ & Co.

Von unserer Redaktion
Datum: 24.07.2019

Ein Schwerpunktthema von Kontext ist ja die Medienkritik. Wo es aber etwas zu loben gibt, da loben wir gerne. Aktuell etwa das "Handelsblatt". Das widmete sich Anfang der Woche der wahrscheinlich berühmt-berüchtigsten Tunnelhaltestelle der Welt – und stellte fest: "Stuttgart 21 wird für die Bahn wohl zum Finanzdesaster." Auch die "FAZ", sonst S 21 zugewandt, hat sich aktuell vertieft mit dem "umstrittenen Projekt" auseinandergesetzt, "von dem Ingenieure sagen: eigentlich nicht baubar. Und Finanzer sagen: eigentlich unbezahlbar."

Nun ist es erfreulich zu beobachten, dass diese Erkenntnisse inzwischen beinahe schon zur Allgemeinbildung der durchschnittlich informierten PolitikbeobachterInnen gehören. Ganz neu sind diese Mängel freilich nicht, erst recht nicht für regelmäßige Kontext-Leser. Und neben dem fundamentalen Ärgernis, dass ein hochverschuldeter Staatskonzern für wahnsinnig viel Geld und mit gewaltiger Verzögerung einen funktionstüchtigen Bahnhof tieferlegt, gibt es noch eine Menge anderer Probleme, über die in der deutschen Medienlandschaft gerne intensiver berichtet werden dürfte. Probleme, die auch mit mehr Gleisen, wie sie Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann fordert, nicht einfach aus der Welt verschwinden. Etwa der Brandschutz, für den bislang kein genehmigtes Konzept vorliegt, die gefährliche Gleisneigung, das Risiko, bei Starkregen vollzulaufen, und so weiter und so fort.

Vom Eckensee zum Broadway

Und noch ein Medienthema: Über die Angriffe der AfD auf multikulturell geprägte Kultureinrichtungen berichtete vergangenen Freitag sogar die "New York Times" – und das fundierter als manches deutschsprachige Medium. Der Aufhänger: eine Anfrage aus Baden-Württemberg. Kontext-Lesern könnte auch dieses Thema bekannt sein: Die Rechtsaußen-Partei ("far-right party"), bekannt für Hetze gegen Migranten ("which has a history of anti-immigrant agitation"), wollte wissen, welche Nationalitäten die Beschäftigten an öffentlichen Kultureinrichtungen haben (Kontext berichtete ausführlich).

Zu Wort kommen ein paar bekannte Stuttgarter Gesichter: Staatssekretärin Petra Olschowski, der geschäftsführende Intendant der Württembergischen Staatstheater Marc-Oliver Hendriks und der texanische Bariton Elliot Hines, der gerne weiter für die Oper am Eckensee arbeiten möchte.

Der Kommissar war wieder da

Bei seinem letzten Besuch in der Kontext-Redaktion war Günther Oettinger noch EU-Kommissar für Energie. Das war vor fünfeinhalb Jahren, und damals sang er noch das hohe Lied auf Fracking. Das sei eine "vielversprechende Technologie", gab er zu Protokoll, was sich zumindest hierzulande nicht bestätigte. Geradezu prophetisch jedoch seine Zeichnung im Jahre 2013, die er auf dem Kontext-Schreibtisch anfertigte. Mit kühnem Strich markierte er die Magistrale Paris–Bratislava, via Stuttgart natürlich und nicht über Frankfurt, und endete in München. Dort, wo es – ausweislich des Gesprächs mit Stefan Siller am 17. Juli 2019 – alsbald zum Weißwurstessen hingeht und in einer Stunde dreißig zurück. Mit Volldampf, versteht sich.

Darüber haben wir alle mehr oder weniger herzlich gelacht, wie auf dem Foto zu sehen ist. Von links: Stefan Siller, Günther Oettinger, Josef-Otto Freudenreich und Minh Schredle, dem es insbesondere des Kommissars Bekenntnis angetan hatte, mit 17 (also 1970) selbst schulterlange Haare getragen zu haben.


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