Ausgabe 425
Editorial

Updates

Von unserer Redaktion
Datum: 22.05.2019

Dem Leben als solchem wohnt ja beständiger Wandel inne. Manchmal trifft er den Menschen als passives Objekt, "etwas geschieht", sagt man dann. Manchmal gestaltet der Mensch ihn selbst, ob aus Notwendigkeit oder aus Aktionismus. Welcher Kategorie Updates im Softwarebereich zuzurechnen sind, ist bisweilen strittig. Sie sollen Sicherheitslücken schließen und dem Programm neue Funktionen bringen, es überhaupt am Laufen halten, so sagt man.

So auch unser Update, das wir vor Kurzem bei unserem Layout-System haben durchführen lassen. Das war mehr als überfällig. Wie das aber manchmal so ist, funktioniert nun zwar manches besser, anderes aber gar nicht mehr, und wieder anderes hat sich, wie Fotos, Videos oder Bildunterschriften, selbstständig gemacht und feiert ungezügelt Party. Dafür wollen wir uns bei Ihnen entschuldigen. Wir und unser so findiger wie kompetenter IT-Experte arbeiten daran – demnächst läuft die Kontextseite wieder wie Butter.

Als politische Updates könnte man auch Wahlen bezeichnen. Ob sich nach ihnen etwas ändert – oder gar bessert –, hängt wesentlich an den Wählerinnen und Wählern. Die haben in den vergangenen Jahren immer häufiger rechte Parteien gewählt. Welche rechtsextremen Kleinparteien jetzt ins EU-Parlament wollen, hat Kontext-Autor Anton Maegerle dokumentiert. Es ist zum Grausen.

Eine, die das nicht hinnehmen will und dabei nicht auf eingefahrene Wahlkampf-Praktiken vertraut, ist die Betriebsrätin Celine Klotz. Sie ist eine von mehreren "Stammtischkämpfer*innen", geht dorthin, wo andere den politischen Kampf längst verloren geben. Kontext-Autorin Johanna Henkel-Waidhofer hat die beeindruckende junge Frau porträtiert. An Stammtischen wird gerne geschimpft, dass der einzelne Bürger eh nicht viel zu sagen habe. Das ist, zumindest auf europäischer Ebene, auch nicht ganz falsch, wie der Philosoph Michael Weingarten in seinem Gastbeitrag "Europa ohne Bürger" bemängelt. Dabei gibt es die Konzepte, wie sich Europa bürgernäher, demokratischer, weniger anfällig für rechte Nationalisten gestalten ließe, schon seit Jahrzehnten.

Ein größeres Update werden demnächst unsere österreichischen Nachbarn bekommen, nachdem es durch die Veröffentlichung der Strache-Videos mal eben zu einem System-Absturz gekommen ist. Doch sitzen in der Alpenrepublik die RechtsnationalistInnen ja schon seit zwei Jahrzehnten an den Schalthebeln der Macht; daran sei hier nochmals erinnert.

Ganz andere, ähem, Baustelle: Spaziergängern sei momentan ein Gang durchs Stuttgarter Kernerviertel empfohlen, denn dem könnte auch ein größeres Update drohen. Was mit dem stadtplanerischen Groß-Update Stuttgart 21 zu tun hat, bei dem sich ja viele Ähnlichkeiten mit Software-Updates zeigen: Immer wieder zeigen sich Fehler und Macken, so genannte "Bugs", an (zumindest für die Bahn) ganz unvorhergesehenen Stellen. Zum Beispiel im Kernerviertel, wo nun das erste Haus abgerissen werden soll, das durch die Tunnelbohrarbeiten für das Projekt Risse bekommen hat.

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Verdammt, das darf doch nicht wahr sein, dachten sich vergangenen Mittwoch wohl viele von uns angesichts dieser Nachricht: Wiglaf Droste, dieser große Satiriker und leidenschaftliche Hasser, ist viel zu früh im Alter von 57 Jahren verstorben. In Stuttgart war er oft, gab zusammen mit Wielandshöhen-Chef Vincent Klink 14 Jahre lang die satirisch-kulinarische Zeitschrift "Häuptling eigener Herd" heraus, absolvierte Lesungen allein oder – ein grandioses Duett! – zusammen mit Sibylle Berg, trat als Sänger mit dem Spardosen-Terzett auf … und kam auch mal auf eine Montagsdemo gegen Stuttgart 21. 2011 war das, und wir wollen Ihnen das Video dazu nicht vorenthalten. So long, Wiglaf.

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In eigener Sache: In der vergangenen Ausgabe ist einem Kontext-Redakteur ein peinlicher Schnitzer passiert: In dem Artikel "Überrumpelt" bescheinigte er dem Stuttgarter Stadtrat Bernd Klingler einen "blondierten Schopf". Das ist nicht korrekt, worauf uns Klingler hinwies. Seine Deckhaare hätten gegenüber den dunkleren, kurzgestuften Seitenhaaren deswegen einen so goldenen Glanz, weil ihr Träger einen so aktiven, sportiven Lebensstil im Freien (Tennis, Schwimmen, etc.) pflege. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.


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