Ausgabe 279
Editorial

Das Gespenst schreibt wieder

Von unserer Redaktion
Datum: 03.08.2016

Ein "Gespenst" sahen "Spiegel"-Redakteure in Yanis Varoufakis Wohnung herum huschen. Einen "Unsichtbaren", der ihr Gespräch mit dem griechischen Ex-Finanzminister belauschen wollte. Das war vor einem Jahr, und im Bätterwald rauschte es: Wer war der Geheimnisvolle? Es war Arno Luik, der Autor des "Stern". Er hatte sich mehrere Tage bei Varoufakis zuhause aufgehalten, um mit ihm zu reden, wenn gerade mal wieder Zeit war.

Im Gepäck hatte er damals ein Foto vom 13. Juli 2015, von jenem Tag, als der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras das "Hilfspaket" der EU akzeptiert hat. Es zeigt einen sehr vergnügten Wolfgang Schäuble und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. Varoufakis sieht es und sagt: "Sie lachen in dem Moment, in dem sie die Ideale der europäischen Demokratie beerdigen". Luik hat in diesen Tagen viel gelernt, und daraus ein Interview gemacht, das heute noch der Lektüre lohnt.

Das Thema hat den Schwaben aus Königsbronn, dem Geburtsort des Hitler-Attentäters Georg Elser, nicht losgelassen. Und so ist sein Essay "Die Totengräber Europas" entstanden. Zu lesen ist es nur in Kontext.

Bebildert haben wir das große Stück mit Karikaturen von Kostas Koufogiorgos, der wie gemalt dazu passt. Nicht nur, weil er oft für Kontext zeichnet. Der preisgekrönte Cartoonist ist Grieche, Jahrgang 1972, ein scharfsinniger Beobachter der Verhältnisse in seinem Heimatland und in der Europäischen Union, die zusammen nicht passen wollen. Die EU gleiche einem "umher tobenden Stier", meint Koufogiorgos, seine Landsleute hätten sie aber gerne als "zahme Kuh", die gemolken werden könne. Auch er hat schon vor einem Jahr dazu geschrieben.

Zum Zeichenstift hat Koufogiorgos auch für die 333. Montagsdemo gegriffen, die am 8. August als politisches Kultur-Festival über die Stuttgarter Schloßplatz-Bühne geht. Die Bahn am Ast - ein meinungsstarker Kostas eben. Die Parkschützer haben davon hochwertige Drucke fertigen lassen, vor Ort wird sie der bekennende S-21-Gegner auch signieren. Ein Exemplar sollte er vielleicht für Herta Däubler-Gmelin reservieren, die es in ihrer SPD-Gemeinde meistbietend versteigern könnte. Womöglich schafft es die frühere Justizministerin, die Beton-Genossen mit ihrer Rede am kommenden Montag zum Nachdenken zu bewegen. 

Nicht dabei sein wird unser Wetterer Peter Grohmann. "Ich bin dann mal weg", hat er der Redaktion gemeldet und sich für zwei Wochen in den Urlaub verabschiedet. Das heißt, die Grohmann-Fans müssen in dieser Zeit auf das "Wettern der Woche" verzichten. Wir hoffen, dass sein Lob auf den Papst ("Bravo Franziskus") in dieser Ausgabe hilft, die Leere zu überstehen.


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