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Der "Südkurier" ist so frei

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Selbstverständlich ist der "Südkurier" für Meinungsfreiheit. Die sei, so schreibt das Konstanzer Blatt, ein "hohes Gut" und "unter allen Umständen" zu verteidigen. Nun wollen wir nicht nachkarten und fragen, ob die Publikation rassistischer Leserkommentare auch darunter fällt? Schwamm drüber, ist halt passiert, weil die KollegInnen viel zu tun haben und aufpassen müssen, dass der Pegel am Bodensee nicht noch tiefer sinkt.

Allerdings erhebt sich schon die Frage, wie das geht? Einerseits sagen dürfen, was man möchte, und andererseits doch nicht. Wie im Fall Nix. Also, der Theaterintendant hat seine Chefs, die Bürgermeister, kritisiert. Das sei okay so weit, betont die Lokalzeitung, das müssten sie aushalten. Aber bitte keine persönlichen Angriffe, das sei "schlechter Stil" und eine Abkehr vom Weg des "anständigen Umgangs" miteinander. Woraus folge, dass ein "konstruktives Miteinander" wohl kaum mehr möglich sei. Da winkt schon der Zaunpfahl.

Konstruktiv ist immer gut. So wie damals, im September 2011, als sich der "Südkurier" mit Christoph Nix vor dem Presserat herumgeplagt hat. Der städtische Angestellte habe einen bezahlten Zweitjob in Bremen, hat das Blatt behauptet, als Professor für Jugendstrafrecht und Bühnenrecht. Das war richtig und falsch zugleich. Professor ja, Bezahlung nein, weil ehrenamtlich. Die Sache wurde konstruktiv erledigt, mit einer Entschuldigung und Richtigstellung des Hauses, nur mit dem Miteinander sollte es nicht mehr so richtig klappen.

Irgendwie funktionierte dieser Nix nicht so, wie sich das ein alteingesessener Monopolist wünscht. Zu große Klappe, zu wenig Kooperation und Demut. Und dann auch noch die Bürgermeister angreifen, die Partner im Geschäft der Deutungshoheit, das geht zu weit. Da bettle jemand um seinen Rauswurf, vermutet der "Südkurier", vielleicht sollte der Oberbürgermeister diesen Wunsch "einfach mal erhören". So formuliert man einen Aufruf zum Rausschmiss.

Nach der Niederschrift dieses Editorials erreichten uns noch zwei Leserbriefe in obiger Angelegenheit. Ernst Hallmackeneder schreibt, hier habe ein "preisgekrönter Journalist aus der Gigametropole Stuttgart", grün-rot-rot, anarcho und antideutsch, wohl gemeint, den Theaterchef von Konstanz "mit wohl ähnlicher Gesinnung" gegen die "pööhse Obrigkeit" unterstützen zu müssen – und kriege dafür eine "Gegendarstellung" von seinem Genossen aufs Auge gedrückt. Auf die "gelebte Solidarität unter Linken" habe er bereits am hellen Nachmittag einen Humpen Bier gehoben. Diese "ganz vortreffliche Analyse" lobt Dr. Diethelm Gscheidle, und merkt an, dass bei seinen christlich-konservativen Leuten glücklicherweise noch "Zucht und Ordnung, Korpsgeist, Treue und Kadavergehorsam" herrschten – "sodass wir uns niemals in den Rücken fallen würden." Der Autor Freudenreich versichert, dass es ihm allein um die Meinungsfreiheit gegangen ist. Um dieses "hohe Gut", das "unter allen Umständen" verteidigt werden muss. Im Zweifel auch mit einer "Richtigstellung" von Nix.


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2 Kommentare verfügbar

  • jetztredichklartext
    am 12.08.2015
    Antworten
    Wer sich schon mal Rund um den Bodensee, deutsche Seite, umgeschaut hat wird von ganz alleine feststellen, das hier keine Einzelmeinung abgedruckt wurde sondern das Spiegelbild der dortigen Schwarmintelligenz oder eben vorherschenden Meinung.

    Nicht schlimm, lassen wir die Menschenn dort doch wie…
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