Ausgabe 220
Editorial

Lebensmittel Pressefreiheit

Von Gerhard Manthey
Datum: 17.06.2015

Es ist wie mit allen Dingen unseres Lebens. Wenn wir sie nicht mit Sorgfalt, Achtsamkeit, Energie und Ausdauer pflegen, werden sie sich so verändern, dass wir eines Tages feststellen: "Das ist nicht mehr das, was wir gewollt haben!" Dies ist dann meist ein Zeitpunkt, an dem es schon zum Schlechten steht. Wegwerfen, neu kaufen ist der nächste Gedanke in unserer Wegwerfgesellschaft. Oder einfach Abo abbestellen.

Mit der Pressefreiheit geht das nicht. Wenn die alte verschwunden ist, können wir uns keine neue kaufen. Aber es steht nie so schlecht, dass es nicht den Versuch wert wäre, wieder etwas zu verändern und zu verbessern. Im Kleinen wie im Großen. Kontext, die Bewegung, die Redaktion, die Leserinnen, Förderer, Sympathisanten haben festgestellt: Eine neue Zeitung muss her, die Pressefreiheit im Kleinen wieder praktiziert. Kapitalinteressen haben hier keinen Einfluss auf den redaktionellen Inhalt. Deshalb kämpft David für Goliath.

So wie jeden Montag auf den Demos gegen S 21 Demokraten gegen ein Bauwerk kämpfen, das mit allen Gesetzen des Staates gebaut wird. Und gleichzeitig muss ein Bürger Zorn, Ohnmacht und Empörung empfinden, wie wenig die einst blutig vom Volk gegen die Obrigkeit erkämpfte Demokratie wirklich stattfindet und fundierter Widerspruch ungehört bleibt. Mit der täglich anzutreffenden Pressefreiheit um uns herum ist es das Gleiche.

Etwa 60 Redakteurinnen und Redakteure, Beschäftigte, Gewerkschafter protestierten vergangenen Freitag gegen den "Irrweg von Stuttgart", nämlich die beiden Redaktionen von "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" zusammenzulegen – bis zum März 2016. Das ist der Stichmonat für den neu zu wählenden Landtag in Baden-Württemberg.

Pressefreiheit ist nicht umsonst

Es geht um Pressefreiheit in diesem Land, in dieser Stadt, in dieser Politik. Und wenn wir dieses Lebensmittel Pressefreiheit nicht noch mehr verderben lassen wollen, dann müssen wir uns regen. Dabei wird auch mit dem weit verbreiteten Irrtum aufgeräumt werden müssen, dass es Pressefreiheit umsonst gäbe, dass sie nichts koste.

Pressefreiheit kostet erheblich. Doch der bezahlte Preis für sie fließt nicht in ihre Pflege, sondern zum Zukauf neuer Zeitungen für wenige Konzernbesitzer. Unabhängigkeit in der Pressefreiheit kostet sehr viel. Denn um dem Anspruch der Pressefreiheit zu genügen, braucht es ausreichend vernünftig bezahlte freie Mitarbeiter, Redakteurinnen, Angestellte, Autorinnen, die uns die komplizierte und so vielfach verwobene Welt ablichten und von allen Blickwinkeln nachvollziehbar bewerten.

"David kämpft für Goliath" hat auch zum Ziel, Kontext größer und besser werden zu lassen und dabei alle auch dafür zu begeistern, politisch den Weg zu beschreiten, dass die Rückeroberung der Pressefreiheit in dieser Stadt und in diesem Land gelingt. Und dazu brauchen wir viele Bürgerinnen und Bürger, die dabei helfen, diese Interessen in die Politik zu tragen. Der Landtagswahlkampf ist die beste Zeit, jene, die im Namen der Bürgerinnen und Bürger regieren wollen, beim Wort zu nehmen: Politiker, wie hältst du es mit der Pressefreiheit?

Joachim Dorfs, Chefredakteur der "Stuttgarter Zeitung", hat den Protestierenden vor dem Werkstor des Druckzentrums in Stuttgart-Möhringen mit Überzeugung erklärt, dass der Schritt der Zusammenlegung der beiden Zeitungsredaktionen, die als ein gemeinsames Redaktionsorgan weiter die beiden Zeitungen unterscheidbar bedienen sollen, der erfolgreiche "neue Stuttgarter Weg" sei. Es werden siebenstellige Summen investiert werden, es verlieren auch Beschäftigte ihre Arbeit, aber auch einige wenige, etwa Programmierer, Journalisten, die noch mehr Technik beherrschen, sollen eingestellt werden, um die Zeitung per Papier und online erfolgreich in die Zukunft zu bringen.

Zeitungen als Wurstfabrik

Ein aus der Verlegersicht betriebswirtschaftlich schlüssiges Konzept. Verdi-Landesbezirksleiterin Leni Breymaier, die solidarisch die Protestierenden besuchte, stellte die gleiche Frage, die auch alle Beschäftigen in den Redaktionen der Zeitungen sich stellen: Warum wird der "neue Stuttgarter Weg" nicht mit den Redaktionen, den freien Mitarbeitern im Dialog begangen, warum sind die Abonnenten und Käuferinnen nicht mit einbezogen? Auch wenn dies ein mühsamer Weg ist. Die Pressefreiheit und deren Produkt ist es wert.

Aber daran hat der Chef der Südwestdeutschen Medien-Holding (SWMH), Dr. Rebmann, noch nie gedacht. Hier liegt der Fehler im System: Eine SWMH wird nur nach dem betriebswirtschaftlichen Gusto der Kapitaleigner geführt, aber nicht wie ein Lebensmittel behandelt, von dem unser Leben und unsere Demokratie abhängt. Als wär's eine Wurstfabrik.

Die Auseinandersetzung hat begonnen, und sie wird in den kommenden Wochen mit Inhalten zur Realisierung der Pressefreiheit angereichert werden. "David kämpft für Goliath" soll eine Interessenvertretung für die Pressefreiheit in unserer Stadt und unserem Land werden. Danke, Gudrun und Werner Schretzmeier, danke, Dr. Klaus Kunkel, Renate Angstmann-Koch, danke an alle anderen. Wir müssen noch viel mehr werden!

Wir brauchen uns alle in diesem Wahlkampf für unsere Forderungen an die Politik und die künftige Landesregierung und an die Besitzer der Pressefreiheit in Baden-Württemberg zum Thema Presse- und Medienfreiheit und Unabhängigkeit der Medienschaffenden. Denn nicht nur in Stuttgart sollen die Zeitungen besser, die Redaktionen unabhängig werden und die Konsumenten mitbestimmen. Online, Papier, auf dem iPhone – Pressefreiheit ist ein Grundnahrungsmittel.


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15 Kommentare verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 17.11.2016
    Wie Recht er doch hat, Gerhard Manthey, mit seiner Feststellung:
    Es ist wie mit allen Dingen unseres Lebens. Wenn wir sie nicht mit Sorgfalt, Achtsamkeit, Energie und Ausdauer pflegen, werden sie sich so verändern, dass wir eines Tages feststellen: "Das ist nicht mehr das, was wir gewollt haben!"

    Jetzt ist das lediglich der ANFANG hin zum Entwickeln - zum Entwickeln von Gewolltem! Dem in der EIGENEN Verantwortung sich befindenden Denken und Handeln/Nichthandeln |:-)

    PRESSEFREIHEIT - Grundlegendes, das ohne die Grundlage des Erforderlichen, nicht existent sein kann!!
    Grundlage:
    GG Art. 1 Die Würde des Menschen ist unantastbar | Art. 2 Körperliche Unversehrtheit | Art. 3 Gleichheit

    Solange ein früherer Bundesinnenminister (1978-1982) sich festbeißt am Artikel 1 GG, dabei über die gleichbedeutenden Artikel 2 und 3 hinweggehend sich echauffiert, solange wird es in unserer Bundesrepublik keine gelebte DEMOKRATIE geben können! [1]

    Solange PRESSE - gleich welche Form von Veröffentlichung - sich weigert - also die Entscheider in den "Presseorganen" - das von Gerhard Manthey eingangs festgestellte als Grundlegend zu nehmen, solange werden sich die "Weigerer" halten können! Halten in den Amtspositionen, in denen MENSCHENRECHTE und GRUNDRECHTE im Vordergrund zu stehen haben; im EIGENEN Denken und Handeln!!

    Denn - bis die Tage.
    Bis zum Tag an dem PRESSE nicht länger mit "Schere im Kopf" gestaltet ist |;-)

    [1] http://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-terror-abstimmung-urteil-und-diskussion--102.html
    Mit den Kurz-Videos zum Einstimmen "Das Experiment - Teil 1 und Teil 2"
  • Ulrich Frank
    am 23.06.2015
    Alldieweil die Stuttgarter Presse - z.B. die StZ - weiterwurstelt in Konkordanz mit alten und neuen Mächten - und von eigentlichen dringenden Problemen versiert ablenkt: man nehme hier die letzten StZ-Berichte über die Stuttgart 21-Sahnetorte, Fritz Kuhns und der Grünen Pie in the Sky "neues Rosensteinviertel" (mit eingekneteter radikaler Versöhnungszutat) und man hierzu die merkwürdigen Artikel eines Herrn Holger Gayer oder Thomas Braun zur Kenntnis nehmen muß: die auf das Endresultat zugeschnittene Miniatur-Ausschreibung für den Posten des Baubürgermeisters habe im Grunde das richtige Ergebnis erbracht weil Peter Pätzold wisse "wie die Stuttgarter Verwaltung ticke" (Th. Braun)... Nun Einhalt: was soll DAS dem Bürger bzw. Leser sagen? Herr Pätzolds obskurer Vorgänger, SPD-Mann Hahn, hat doch wohl auch gewußt "wie die Stadtverwaltung tickt", und was hat dies den Bürgern gebracht - außer der real existierenden Misere? Herr Brauns Journalismus hat insofern auch bessere Tage gesehen oder vielmehr scheint es so zu sein daß der Hund Flöhe bekommt wenn er von der Recherche auf die Meinungsmache losgelassen wird und er dort ein nichtssagendes journalistisches verwaltungsverstehendes plug-in-dummy "x weiß wie die Verwaltung tickt" anschleppt.

    Alldieweil einem also dieses Gute widerfährt darf man trotzdem skeptisch sein ob der schönen neuen Welt die StZ Chefredakteur Dorfs alternativlos an den Fingerspitzen hat: Abschied von toten Bäumen und so weiter. Smart ist er ja, bis zum Abwinken, der Herr Dorfs, wie unsere Kanzlerin. Ob man vom toten Holz aber nicht auf eine schlüpfrige schiefe Ebene von zunehmendem vom digitalen Medium mitbedingtem Qualitätsverlust kommt und man dann noch einen rettenden Baumstamm bräuchte sagt er nicht. In der hetzenden Konkurrenz mit anderen online-Angeboten die alles sofort bringen wollen und zu Müllhalden verkommen. Wo es Wurst ist wie der Fuß des Artikels aussieht weil der Kopf eh hinter dem Scrollrand verschwunden ist. Mit Artikeln die, dem Analphabetismus huldigend, zu Video-Interviews aufgepeppt werden. Dem Verfasser ist unklar was ein solches Video-Interview, z.B. mit Herrn Prantl in der SZ, anders als negativ von einem Text - die Rezeption nimmt z.B. mehr Zeit in Anspruch - unterscheiden soll. Oder Links zu youtube und zugekaufte Medieninhalte - wo man, wie zu hören ist, den Hausfotografen auch schon entlassen hat. Dies alles nach dem digitalen Totalverfüllungsimperativ. Wird es Klickzahl-Selektoren für die einzelnen Beiträge und Redakteur/Innen geben - interessefrei versteht sich? Usw. - Wohl dem, der schon hoch auf dem rettenden Ufer sitzt wenn das Holz außer Sichtweite weggeschwommen ist.
  • invinoveritas
    am 23.06.2015
    Wer die Entscheidung für S 21 in einem Atemzug nennt mit 1933, hat sich als Teilnehmer an einem leidlich zivilen Meinungsaustausch disqualifiziert.

    Das Projekt ist ein Irrsinnsprojekt, aber doch kein Verbrechen. Und rechtfertigt jedenfalls keine verbalen Amokläufe von Zeitgenossen, denen in ihrem Hass alle Maßstäbe verlorengegangen sind.

    @ Ulrich Frank: Monolog? Diffamierende Vokabeln? Sie kriegen fünf Euro Finderlohn für jede. Und zehn für jeden, der hier die Ansicht vertreten hat, freie Marktwirtschaft bedeute Freiheit. Scheint ziemlich stressig zu sein, das Leben in einer Parallelwelt.
  • By-the-way
    am 20.06.2015
    @ mueller

    Sehr richtig, Stuttgart 21 hat NICHTS mit Demokratie oder demokratisch legitimierten Entscheidungen zu tun.

    Sondern mit Täuschung, Propaganda, Lüge, Betrug und systematischer Umgehung demokratischer Strukturen.

    Der Beleg dazu ist der Auspruch eines gewissen Heinz Dürr, zum damaligen Zeitpunkt DB-Chef:

    "Die Art der Präsentation im April 1994 war ein ÜBERFALLARTIGER Vorgang.
    Gegner wie Skeptiker sind nicht im Stande gewesen, die Sache zu zerreden.
    Ein Musterbeispiel, wie man solche Großprojekte präsentieren muss!"

    Ich füge hinzu:
    ein Musterbeispiel dafür, wie Demokratie durch verbrecherisches Handeln ausgeschaltet wird.

    In noch größeren Stil gab´s das schon mal in Deutschland:
    1933 ...
  • Ulrich Frank
    am 20.06.2015
    Schauen wir einmal wer den Stellenstreichungen als Folge der anstehenden, aus hehren, d.h. wirtschaftlichen, Motiven herrührenden unternehmerischen Entscheidung zum Opfer fallen wird und wie dann das Resultat aussieht. Wer geht oder wird gegangen oder nicht mehr beschäftigt? Fragen wir - teils rhetorisch: Dorfs? Molitor oder Gayer? Andreas Müller? Joe Bauer? Läßt man Redakteur/Innen in die Redaktion die "von unten" her Sperrigkeit einbringen? Oder gibt es eher den Wasserkopf der konservativen top dogs? Wie sieht das Kalkül für jeden einzelnen Redakteursplatz aus? Wieviel wird outgesourct? Und ein verschärftes Kalkül wird es sein, streng berechnet nach zu erwartender Rendite, mit intensiver (Wirtschafts-)Interessenbeachtung und Zielgruppenbetrachtung. Da gehen dann die Quantitäten der erwarteten Renditeberechnung vor der Wahrheit - und der Freiheit: der Ministerpräsident macht es vor. Mit einer freien Presse hat derartiges aber nichts zu tun.

    Aber huch, die "Mantheys dieser Welt", die sehen das falsch! Wow! Eine sachhaltige "Analyse" hierzu - die er selber fordert - liefert der bekannte anonyme Kommentator-Experte (hier:19.06.2015 11:26h) wieder einmal nicht sondern hauptsächlich den gewohnten polemischen, mit diffamierenden Vokabeln gespickten Monolog.

    Im angenehmen Zustand irgendeiner Berauschtheit darf sich ja auch jeder ruhig vormachen daß "freie Marktwirtschaft" Freiheit bedeutet und nicht zu Oligopolen führt. Und damit, intern und extern, zu weniger Freiheit*.

    *http://www.heise.de/tp/artikel/45/45077/1.html; "Die große Meinungsvielfalt in der deutschen Presse ist Geschichte"; s.a.http://www.heise.de/tp/artikel/44/44240/1.html
  • mueller
    am 19.06.2015
    Der Artikel ist Satire, oder?
    "..wie jeden Montag auf den Demos gegen S 21 Demokraten gegen ein Bauwerk kämpfen, ..."
    Habe weder dort noch hier im Forum jemand getroffen der etwas mit Demokratie anfangen konnte.
    Auf alle Ebenen gab und gibt es schon immer klare Mehrheiten für S21.
    Und 99% besitzen auch die Demokratische Reife um dies zu akzeptieren. Schließlich findet sich auf den Montagsdemonstrationen kaum jemand mehr aus der Mitte der Bevölkerung. Es ist nur noch ein kleines Häufle. Alle im gleichen gehobenen Alter. Aber ohne einen Funken Demokratische Reife.
  • invinoveritas
    am 19.06.2015
    Leider wimmelt es in den Auslassungen des Herrn Manthey von Denkfehlern und Fehleinschätzungen.
    Die Vorgänge in Möhringen haben sehr wohl was mit Pressevielfalt zu tun, mit Pressefreiheit aber gar nichts. Die würde nur dann beschädigt, wenn nach der Zusammenlegung von zwei Redaktionen zu einer einzigen die dort beschäftigten Journalisten stärker unter Druck gerieten. Für diese Annahme müsste Manthey Anhaltspunkte nennen. Analysen, bei denen schon die Begriffe nicht stimmen, taugen nicht viel.
    Mit der Klage von der angeblich so wenig stattfindenden Demokratie zeigt Manthey, dass er prinzipiell etwas falsch versteht. Demokratie findet nicht erst dann statt, wenn Politik und Wählerschaft so ticken wie er. Das heißt mitnichten, dass man mit dem gegenwärtigen Zustand dieser Demokratie zufrieden sein muss. Aber man hilft dem nicht ab, indem man sie an der falschen Stelle schlechtredet.
    Die Vorstellung, Medienkonsumenten sollten "mitbestimmen", gehört bestenfalls bei Spontis in die Krabbelgruppe. Eine Stuttgarter Zeitung, bei der homophobe AfDler und Pegida-Fans, neoliberale Sozialstaatsverächter, Nationalkonservative, Chauvinisten und egoistische Anti-Europäer reindrücken über das Instrument "Konsumenten-Mitbestimmung", möge uns allen erspart bleiben. Das sind nämlich gegenüber den Mantheys dieser Welt die eindeutig mehreren.
  • Peter S.
    am 18.06.2015
    Es erstaunt mich immer wieder, daß alles unter dem Titel Pressefreiheit zusammengefasst wird obwohl doch eher Pressevielfalt gemeint ist.
    Pressefreiheit haben wir.
    Aber wird Sie auch von der Presse gelebt? In Stuttgart (und nicht nur hier) sehen das die potentiellen Käufer eben nicht.
    Und wenn trotz Pressefreiheit ein einheitlicher regierungsfreundlicher Pressemainstream wird, dann braucht kein Mensch 2 Stuttgarter Zeitungen. Die Kommentare dazu sprechen es ja deutlich aus.
    Ja, Print hat es heute aus vielen Gründen schwerer als früher. Aber es ist eben so, daß ein Leser nur kauft, wenn er sich einen Nutzen (Information, Bürgerinteresse, Genuss etc) vom Kauf erhoffen kann.
    Und den muss die Zeitung eben auch bieten.
    Ich unterschreibe gerne eine Qualitätsoffensive von Journalisten.
    Aber nicht für 2 lahme Gäule.
    Oder um die Dakotas zu bemühen
    „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, dann steig ab!”
    Oder positiv: Macht EINE Zeitung und holt alles (das Beste) heraus.
    Macht ausser einem guten Lokalteil eine Mischung von unabhängigen Artikeln die informieren und interessieren (Nachdenkseiten, Guardian, ZEIT, Intercept, NSUleaks, Kontext etc) Die Reihenfolge ist keine Wertung.
    Schreibt nicht nur das was ALLE schreiben. Wer das haben will, braucht nur 5 Minuten online gehen oder Tagesschau ansehen.
  • By-the-way
    am 18.06.2015
    @ Fred Heine

    Zitat:
    "Das alles hat rein gar nichts mit der Haltung der Zeitungen zu Themen wie Stuttgart 21 zu tun. Schließlich sinkt die Auflage kontinuierlich weiter, obwohl das Thema Tiefbahnhof erledigt ist."

    Wie kommen Sie darauf, dass das Thema "Halbtiefschrägbahnhof" (und nicht "Tiefbahnhof") erledigt wäre?

    Sie sind offensichtlich Anhänger der Volks"abstimmungs"interpretation der grünen oder schwarzen Partei.

    Warten Sie mal die erste Katastrophe beim Bau ab, oder einfach nur die extremen Zumutungen und Belastungen für die Stuttgarter Einwohner beim "offenen" Bau des Nesenbach-Dükers oder der Unterbrechung der Stadtbahnlinien...

    Was meinen Sie, warum wir noch jeden Montag auf der Straße stehen?
    Ein weiter bestehender Kristallisationspunkt.
    Auch Gangolf Stocker hat mit drei Leuten angefangen...

    Da können nämlich -ganz schnell- wieder tausende dazukommen, wenn ein bestgeplanter Tunnel nachgibt oder der Untergrund sich doch als quellfähig erweist oder Stuttgart auch Köln mit seinem Stadtarchiv nicht zurückstehen will und seinen eigenen spektakulären Einsturz haben möchte...

    Das wird noch richtig "lustig", wenn die Machtelite sich diesmal zur Abwechselung, "totbaut", anstatt, wie im letzten Jahrhundert, "totsiegt", verlassen Sie sich ´drauf!
  • caesar von struwe
    am 18.06.2015
    die Frage, ob es ein Blatt wert oder nicht wert ist, kann diskutiert werden. Es gibt in allen Zeitungen gute und aufrechte Kolleginnen und Kollegen und solche, die sich anpassen. Einige, die immer wieder an die Grenzen dessen gehen, was der Arbeitgeber ihnen als Meinungskorridor offeriert, wurden entlassen oder gingen freiweillig. Andere versuchen täglich, die Grenze zu testen und haben wirkliche Magengeschwüre - aber sie lieben ihren Beruf. Es sind jene, die auch 2011/12 in Baden-Württemberg - bundesweit in der Geschichte des Journalismus einmalig - sechs Wochen unbefristet gestreikt haben und 2013/2014 wieder. Berichtet wurde darüber wenig, ausser im Südwestrudnfunk und in Kontext. Und da waren viele von den Blättern in Stuttgart dabei. Es ging nicht nur um Geld, sondern auch um Qualität der täglichen Arbeit und dessen, was täglich noch leistbar ist.
    Und die Journalisten stellten fest, sie haben keine Lobby - die haben nur die Verleger. Dicke Bretter zu bohren ist überall schwer. Es wäre schon toll, wenn jene, die zurecht unzufrieden z.B. mit der Berichterstattung zu S 21 sind, sich jeweils montags vor dem Tor in Druckzentrum einfänden und die Chefredakteure zur Diskussion forderten. Mal sehen, wie lange diese sich dem Dialog entziehen könnten? Das ist aber Arbeit. Bis zum April 2016 wird deutlich werden, ob aus der Redaktion und Leserschaft Widerstand gegen den mittelfristigen Kahlschlag der Vielfalt und der Zusammenlegung kommt oder nicht. In der Zwischenzeit müssen alle - Bürger und Medienschaffende, Politiker.... darüber diskutieren, was Pressefreiheit heute noch für alle bedeutet: das legale Vermischen von wirtschaftlichen Interessen und Information, der sogenannte "Mainstream" im Journalismus oder ob Wirklichkeit kritisch abgebildet werden kann und die Beschäftigten ein Redaktions-Statut bekämen, das ihnen gestattet, zum Beispiel auch anders über S 21 zu berichten als dies bisher die Arbeitgeber-Linie fordert. Wer der zurecht die Zeitungen Kritisierenden muckt täglich bei der eigenen Arbeit gegen Mißstände auf? Widerstand ist schwer und die Angst vor Entlassung immer groß. Auch unter Journalisten. Aber, Verleger scheuen nichts so sehr wie Öffentlichkeit!
  • Ulrich Frank
    am 18.06.2015
    Fred Heine, 18.06.2015 14:22 - Alles sehr schön was Sie hier bemerken, Herr Heine. Oberflächlich gesehen. Nur verläuft die niedergehende Absatzkurve der letzten Jahre kontinuierlich aber bei weitem nicht linear. Und solange Herr Dorfs nicht mit genaueren Angaben herausrückt hinsichtlich dessen wie Abonnementkündigungen begründet wurden (z.B. zu S21) bleibt das was Sie hier sagen spekulativ.

    Und was die "Print-Produkte der S21-Gegner" betrifft, bitte das G36 wieder einpacken. Überall wird "abgenippelt" - auch bei der FAZ z.B. - siehe http://www.heise.de/tp/artikel/45/45223/1.html
  • Fred Heine
    am 18.06.2015
    Wenn vor 20 Jahren eine neue Wohnung bezogen wurde, dann wurde in 9 von 10 Fällen eine Tageszeitung abonniert. Heute ist es genau umgekehrt: Nur jeder 10. "Neuhaushalt" gönnt sich noch eine Print-Tageszeitung.
    Wenn früher um 20 Uhr eine wichtige Pressemeldung reingekommen ist, dann haben viele Menschen davon erst am nächsten Morgen aus der Zeitung davon erfahren. Heute wurde das im Internet und den Sozialen Medien bereits bis zur Erschöpfung durchgekaut, bis die Zeitung auf dem Frühstückstisch liegt.
    Das alles hat rein gar nichts mit der Haltung der Zeitungen zu Themen wie Stuttgart 21 zu tun. Schließlich sinkt die Auflage kontinuierlich weiter, obwohl das Thema Tiefbahnhof erledigt ist.
    Wenn es anders wäre, müsste ja der Print-Blätterwald der S21-Gegner nur so sprießen. Tatsächlich aber sind alle Print-Produkte der S21-Gegner eingegangen oder kurz vor dem Abnibbeln.
  • By-the-way
    am 18.06.2015
    Ach so, ich hatte es wohl bisher nicht verstanden ...

    Ein Wolfgang Molitor und ein Joachim Dorfs waren also die Wahrer und Verteidiger der Presse"freiheit" und Presse"vielfalt" in Stuttgart...

    Das ist mir NEU, ich hatte bisher den gegenteiligen Eindruck!

    Sorry, KONTEXT, aber hier habt ihr euch mit "David kämpft für Goliath" hoffnungslos verrannt unt riskiert damit eure Glaubwürdigkeit.

    Und demnächst engagiert sich die KONTEXT dann wohl auch für die Erhaltung der BILD-"ZEITUNG", wenn es da mal schlechter laufen sollte, im Sinne von Pressefreiheit und Pressevielfalt....

    Im Kern geht es darum, eine wirklich unabhänige und glaubwürdige Presse in Stuttgart zu haben.

    Dieses ist weder bei der StZ, noch bei der STN der Fall.

    Beide Zeitungen sind heute schon schlecht, Propaganda-Blätter eben.

    Nicht erhaltenswert - weder einzeln, noch nach Zusammenlegung:
    Sch.... + Sch.... ergibt ?
    richtig ! : Sch....

    Weg mit dem unsäglichem "Muff von X Jahren"

    Und deshalb empfehle ich, dieses unsägliche Thema endlich dahin zu bringen, wohin es gehört:

    BEERDIGEN !

    Da wäre ein Engagement für einen Presse-Neuanfang in dieser Stadt wesentlich sinnvoller und auch glaubwürdig.
  • marion kuster
    am 17.06.2015
    Fest steht: Immer weniger Menschen wollen das Zeug aus Möhringen lesen......weil langweilig, uninspiriert und immer vorhersehbar.
    Oder kennt irgendjemand irgendeine Person unter 50 Jahren , die in den letzten fünf Jahren ein Abo abgeschlossen hat?
    Beide Titel wachsen sich wohl biologisch aus.

    Warum aber keine neue Leser?
    die Produkte sind seit 5 Jahren so langweilig, dass sogar die Apothekenumschau daneben frisch und aggressiv daherkommt.
    es ist besonders bei der Stuttgarter Zeitung doch immer der gleiche Dreiklang : Titelbild, themenseite und ein Tag später dazu leitartikel ( meist ohne eigene Meinung)...zum einschlafen!

    niemand vermisst letztlich zwei Titel. Außer der handzahmen Gewerkschaft Verdi, weil diese dann ihre ebenfalls vorhersehbaren Pressemitteilungen , nicht mehr abgedruckt bekommt......
    Und die Kommunal- und Landespolitik erhält endlich die eine zeitung, die sie tatsächlich verdient: eine Durchschnittliche und Konformistische.

    Der ganze Aufschrei wirkt übertrieben.

    Also, liebe Kontext-Leute, kümmert Euch bitte lieber um echte Nöte dieser Welt!
  • Zaininger
    am 17.06.2015
    Was soll Leute wie Molitor - tolles Foto habt Ihr da ausgesucht! - oder einen Dr. Rebmann dazu bringen ausgerechnet Bürgerbeteiligung, bzw. Leserbeteiligung in der Wurstfabrik zu befördern? Und welchen Schaden erleidet die Pressefreiheit, wenn denen die finanziellen Mittel für die Verbreitung ihrer Propaganda wegbröckeln?

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