Am Ende werden die Projektgegner gewinnen, meint Volker Lösch. Foto: Jens Volle

Ausgabe 349
Debatte

Abgrundtief dämlich

Von Gastautor Volker Lösch
Datum: 06.12.2017
Wahnsinn. Der Tiefbahnhof wird teurer. Wer hätte das gedacht? Unser Autor schon. In seinem Exklusivbeitrag für Kontext verrät er, dass er mit Vergnügen beim Einstürzen der "vielen Lügengebäude" zuschaut. Bis zum Scheitern von Stuttgart 21.

Irre! Krass! Stuttgart 21 soll eine Milliarde mehr kosten! Die Bauzeit wird länger! Unglaublich! Ist das denn die Möglichkeit? Das darf doch wohl nicht wahr sein! Eine Frechheit, eigentlich. Langsam reicht's jetzt aber mal!

So ungefähr lesen sich die Pressemeldungen der letzten Tage. Den Zigtausenden von Aktivistinnen und Aktivisten aber, die seit mehr als zehn Jahren gegen Deutschlands teuerstes, sinnlosestes, korruptestes, kriminellstes und dümmstes Infrastrukturprojekt protestieren, entlockt die abermalige Steigerung allenfalls ein müdes Achselzucken.

Denn es ist keine Überraschung, dass Stuttgart 21, eine gigantische Gelddruckmaschine für die Bau-und Immobilienwirtschaft, noch teurer wird. Es wurde lediglich und zum wiederholten Male etwas zugegeben, was schon lange bekannt war. 2016 wurden vom unabhängigen Bundesrechnungshof Projektkosten von neun bis zehn Milliarden Euro kalkuliert. Es ist also noch viel Luft nach oben für die nächsten Kostenexplosionen, die natürlich kommen werden.

Diese Taktik der häppchenweisen Wahrheitsvermittlung hat Methode. Da es nachvollziehbare Argumente, die zumindest noch eine Debatte über das Unglücksprojekt am Laufen halten würden, schon lange nicht mehr gibt, wendet man seit Jahren ein ritualisiertes Lügen-Muster an: faktenbasierte Kritik wird reflexartig abgeräumt und danach einfach das Gegenteil behauptet.

Kostensteigerungen? Gibt's keine. Wirtschaftlichkeit? Ist gewährleistet. Leistungsrückbau? Findet nicht statt. Ungenügender Brandschutz? Nicht bei S 21. Tunnelbau-Probleme wegen Anhydrit? Wird halt eine Endlosbaustelle. Nicht eingehaltene Zeitpläne? Das habt ihr falsch verstanden. Unzulässige Gleisneigung? Geschenkt. Jahrzehnte Dreck und Baulärm für nichts? New York wurde auch nicht an einem Tag gebaut. "Klimakiller S 21"? Wo gehobelt wird, fallen Bäume. Verkehrsprojekt statt Bahnprojekt? Wir sind halt auch ein Autoland.

Was dann folgt, ist ebenfalls bekannt: Alle Kritikpunkte werden kleinlaut eingestanden, mit hilflosen, auch lächerlichen Begründungen wird die Flucht nach vorne angetreten, um Zeit zu gewinnen.

Kostensteigerungen? Sorry, wegen gestiegener Materialkosten. Wirtschaftlichkeit? Na ja, aber Wachstum muss halt sein. Leistungsrückbau? Zugegeben, aber das Projekt ist alternativlos. Ungenügender Brandschutz? Ok, es gibt ein paar Fluchttreppen mehr. Tunnelbau-Probleme wegen Anhydrit? Merken wir jetzt auch, aber schafft auf ewig Nachbesserungsbedarf und Jobs! Nicht eingehaltene Zeitpläne? Ärgerlich, aber dann freut man sich später umso mehr. Unzulässige Gleisneigung? Problematisch, aber es gibt ja Handbremsen! Jahrzehnte Dreck und Baulärm für nichts? Ist hart, aber auch das Nichts hat irgendwann ein Ende. "Klimakiller S 21"? Schlimm, aber das Klima kann auch später gerettet werden. Verkehrsprojekt statt Bahnprojekt? War anders geplant, aber mehr Autos schaffen auch mehr Arbeitsplätze!

Wir erleben einen Kollaps der Vernunft, ein Versagen von sich wegduckender Politik, eine Offenbarung von unkritischem Journalismus. Die meisten Zeitungen berichten gar nicht mehr über die unzähligen Skandale um S 21, und wenn, dann meistens in Form von tendenziösen Artikeln, die Wesentliches unterschlagen, oder schlicht die Befürworter-Argumente übernehmen. Gelegentliches Aufwachen – siehe die vergangenen Tage – bestätigt nur die Regel.

Kretschmann leiert unermüdlich sein Lieblings-Mantra herunter

Die typischste Politik-Variante des unkritischen und denkfaulen Begleitens liefert aber immer noch Winfried Kretschmann. Was auch immer vorfällt, unermüdlich leiert er sein Lieblings-Mantra herunter: "Es gab eine Volksabstimmung, und die ist bindend". Ich erinnere mich noch genau daran, wie 2011 ganz Stuttgart mit Plakaten zugepflastert wurde, auf denen nur eine Zahl stand: die vier. Gemeint waren 4,5 Milliarden, die versprochene Obergrenze, die zu bekanntem Abstimmungsergebnis führte. Diese Voraussetzung ist aber schon lange entfallen. Sich in Anbetracht der Verdoppelung der Kosten immer noch auf die Volksabstimmung zu berufen, ist nicht nur unstatthaft, es ist abgrundtief dämlich. Das begreift eigentlich jedes Kind. Nur nicht der Ministerpräsident.

Aber wir Gegner*innen werden immer gelassener. Es kommt ja eh immer so, wie wir es seit Jahren voraussagen. Es macht inzwischen sogar Spaß, den vielen Lügengebäuden beim Einstürzen zuzuschauen. Die sich bisher am hartnäckigsten haltende Unwahrheit ist die "Alternativlosigkeit des Weiterbaus", wegen angeblich zu hohen Ausstiegskosten. Schwer zu ertragen ist, wie ehemalige Gegner des Projekts wie Tübingens OB Palmer inzwischen die finanzökonomische Geisteswende vollzogen haben und für den Fall, dass nicht weitergebaut wird, von "Vernichtung von Arbeitsleistung und Volksvermögen" schwadronieren. Dabei weiß er ganz genau, dass es längst ein schlüssiges Umstiegskonzept gibt: Aussteigen kann man demnach jederzeit, man würde Milliarden sparen und der bisher geringe Baufortschritt von S 21 könnte in einen sinnvollen, leistungsfähigen und wirtschaftlichen Bahnhofsneubau umgeleitet werden.

Großprojekte können scheitern, das zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf wurde nicht in Betrieb genommen, das Kernkraftwerk Wyhl erst gar nicht gebaut. Und der Schnelle Brüter in Kalkar ist ein Milliardenprojekt, das inzwischen als Freizeitpark dient.

Auch das Rückbauprojekt Stuttgart 21 wird letztlich scheitern - in der Bauphase oder spätestens dann, wenn es nicht funktioniert. Dafür sorgen die technischen Fakten, die immer mehr benötigten Milliarden, und dafür sorgt vor allem die außerparlamentarische Widerstandbewegung. Mit ihrem öffentlichen Druck gegen ein Projekt, bei dem es immer um Baugrundstücke für Gutverdiener und schnellen Profit für wenige ging, und nie um einen fortschrittlichen Bahnhof für viele.

Mitte Januar wird in Stuttgart vor Tausenden von engagierten Bürger*innen die 400ste Montagsdemonstration gefeiert werden. Die Bewegung tut das in dem Bewusstsein, sich mit großen Schritten ihrem Ziel zu nähern: dieses Steuermilliarden fressende Monstrum zu besiegen. Ich jedenfalls freue mich auf die nächsten Monate: Denn der Bahnhof wird oben bleiben!

Volker Lösch, Jahrgang 1963, ist Regisseur und Aktivist. Zusammen mit Walter Sittler hat er 2010 den "Schwabenstreich" erfunden. Bei der 400. Montagsdemo am 15. Januar tritt er als einer der Hauptredner auf.


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12 Kommentare verfügbar

  • Jue.So Jürgen Sojka
    am 10.12.2017
    Dämlich? Abgrundtief? (Tief) Weit zurück geblickt, in das beginnende Jahr 2011 - mit diesem Artikel daran erinnert.

    Schwarzwälder Boten vom So. 02.01.2011 04:45 Uhr Landtagswahl2011 | Im Land der fliegenden Teppiche https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.landtagswahl-2011-im-land-der-fliegenden-teppiche.40a15eeb-7c17-48b9-b694-0e5f554ae4d0.html
    Stuttgart - Am 27. März 2011 wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Es dürfte die spannendste Wahl in der 58-jährigen Geschichte des Südweststaats werden. Die erfolgsverwöhnte CDU muss kämpfen wie noch nie, um den Posten des Ministerpräsidenten zu behaupten. Hauptgegner ist ein Grüner.
    ...
    [b]Wahltag als Volksabstimmung über Stuttgart 21[/b]
    Der Wahltag als Zahltag beziehungsweise als Volksabstimmung über Stuttgart 21 und mehr - diese inhaltliche Aufladung verschafft der Wahl am 27. März höchste Aufmerksamkeit und bundesweite Brisanz. Von der Polarisierung profitierten bisher sowohl die grünen S-21-Gegner als auch die Pro-S-21-Partei CDU. Immerhin lagen die lange Zeit verunsicherten Christdemokraten zuletzt wieder bei 41 Prozentpunkten und damit im Mappus-Plan von "40 plus x". Das Bekenntnis zum Bahnprojekt wird von ihrer Wählerschaft erkennbar honoriert.

    Landtagswahl 2011 "Wahltag als Volksabstimmung über Stuttgart 21"
    und "... [b]die grünen S-21-Gegner[/b] ..."

    1957 meine 1te miterlebte Bundestagswahl - Versprechen vor der Wahl, die von den dann Gewählten nicht eingehalten wurden! Ebenso bei _allen_ folgenden Wahlen auf Bundes- und Landesebene von mir so erlebt - wie auch im März 2011.

    Nun ist nicht alleine beim Schwarzwälder Boten von der Erfüllung der Versprechen durch Winfried Kretschmann -und der Seinen- ausgegangen worden; sondern in der gesamten Republik der Deutschen war diese Landtagswahl gleichzeitig die Entscheidung über das _[b]AUS[/b]_ oder den Weiterbau von [b]STUTTGART 21[/b].
  • Der Anarchrist
    am 09.12.2017
    "Auch das Rückbauprojekt Stuttgart 21 wird letztlich scheitern"
    Gibt es das wirklich schon als Projekt? Und warum sollte es scheitern, etwa an Fuellsandmangel? Wie tief haben die denn inzwischen gebuddelt? Nicht dass noch jemand auf der Unterseite unserer sehr flachen Erde herausfaellt und in die Himmelswasser stuerzt (und ertrinkt).
  • Schwa be
    am 07.12.2017
    "Kretschmann leiert unermüdlich sein Lieblings-Mantra herunter" - und weshalb versteckt er sich hinter der juristisch nicht bindenden sogenannten Volksabstimmung? Weil es ins grün bürgerliche Politkonzept passt! Wer hier andere Sichtweisen ins Feld führt verdreht m.E. politische Wahrheiten - ob bewusst oder unbewusst spielt dabei keine Rolle.
    Diese bürgerlich politische Wahrheit ist auch schön am Verwaltungsgerichtsurteil Stuttgart zur Feinstaubbelastung und Fahrverboten ab 01.01.2018 abzulesen. Anstatt diese juristisch bindende Steilvorlage zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt zu nutzen wurde von der bürgerlich grünschwarzen Politik Revision eingelegt - zum Schaden der Bevölkerung und zum Schutz von Profitinteressen.
    Politische Wahrheiten müssen endlich mehrheitlich zur Kenntnis genommen werden und von Medien unermüdlich verbreitet werden (wenn im Moment u.a. nicht Kontext, wer dann?).
    Bürgerliche, kapitalorientierte Politik ist nicht in dem Maße reformierbar um auf Mensch, Tier und Umwelt auch nur annähern angemessen Rücksicht zu nehmen. Das belegt die Geschichte seit Jahrhunderten. Und schon gar nicht wenn das Kapital so entfesselt agieren kann wie im Moment unter den Hauptverantwortlichen USA, Deutschland, u.a..
    • Peter Kurtenacker
      am 08.12.2017
      Bürgerlich ist das was die Mehrheit der Menschen anstrebt. Nicht umsonst laufen diverse Fernsehserien uä. so gut. Die paar Linken spielen im Endeffekt politisch keine Rolle.
      Die AfD ist dabei das mit der bürgerlichen Masche auf die Spitze zu treiben.
      Selbst der real existierende Sozialismus der DDR war abgrundtief Bürgerlich. Die haben nicht umsonst Biermann rausgeworfen. Der ist nicht Bürgerlich angepasst.
    • Der Anarchrist
      am 09.12.2017
      Wir leben nicht mehr in der Staendegesellschaft von Annoschiessmichtot, wo das Buergertum eine relativ kleine Gruppe von bessergestellten Menschen war, sondern im 21. Jahrhundert, wo wir ALLE Buerger sind.
      Wieso versteifst Du dich so auf das Attribut 'buergerlich'?

      Merkst Du nicht, dass Du in fast schon hochmuetige Sphaeren abdriftest mit Absolutismen, die Du auch noch ohne wirkliche Begruendung, Herleitung oder Beweisfuehrung in den Raum stellst?

      Und das pseudoempirische 'Die Geschichte hat uns gelehrt, dass xyz IMMER so sein wird' ist einfach nur Ausdruck vollkommener Alternativlosigkeits-Denke und Hoffnungslosigkeit.

      Denn... dann koennte man auch sagen: In der Geschichte hat es immer Massenvernichtung von Mensch und Tier gegeben, also bleibt das auch immer so und daher kann man eh nichts dagegen machen, also suchen wir uns einen Weg, wie wir damit leben koennen, z.B. Ausblendung der Realitaet durch Konsumrausch.

      Ach und uebrigens, der Blick zurueck in die Zeit ist immer neblig und unscharf.
      1. ist nur das Wenigste von dem, was wirklich passiert ist festgehalten.
      2. ist das jeweils Festgehaltene immer eine subjektive Einschaetzung.
      3. basiert Geschichtsschreibung nicht automatisch auf ehrlichen Aussagen.

      Bei einer so duennen Datenlage ist es schon sehr vermessen, daraus absolute Strukturen und Regeln abzuleiten, insbesondere im Raum hochkomplexer politischer Systeme.

      Ich will dich ja nicht in deinem Pessimismus stoeren, welcher mich arg an eine selbstinduzierte Opferrolle erinnert, moechte aber vor der sehr tiefen Sackgasse warnen, in die Du hineinzulaufen scheinst. Das klingt naemlich aehnlich, wie das allseits bekannte 'Ich als Deutscher trage Maulkorb'-gejammere des gemeinen Reichsbuergers oder Deutschnationalen.

      Also.. pass auf dich auf und auf deine Gedanken und nimm Abstand vom Absoluten und Endgueltigen, es handelt sich um Kernattribute des Todes.
  • Hans Wurst
    am 06.12.2017
    Ja es stimmt. S21 ist überflüssig, nichts wird besser, die Züge auch nicht schneller. Das haben uns ja die Fahrplansammler schon vorgerechnet. Aber: Niemals wäre ein solcher infernalischer Bahnhofsptotz in die schwäbische Provinz gedengelt worden, hätte nicht die EU einen Teil - jetzt wohl einen verschwindend geringen- der Kosten übernommen. Und ob die Kostenplanung seriös ist oder nicht, ist unwichtig. Es geht um den Bahnhof und den will Stuttgart. Ob die Mitbürger die gar nicht danach gefragt haben den auch wollen sei dahingestellt. Das interessiert auch niemanden. Auch das Ergebnis irgendwelcher Umfragen sind nur Placebo für das Volk auf der Strasse. Jetzt wird gebaut und basta , da hätte die Umfrage ausgehen können wie sie wollte. Vielleicht wenn irgendwann einmal ganz Baden-Württemberg in Stuttgart wohnt, dann kann man sich zukünftig loben und von schwäbischer Kleverness reden. Mir hen des scho viiiel frieher gwisst, dass mer den Bohuf brauched. Ist ja auch kein Wunder, denn in Stuttgart werden bald keine Daimler mehr mit Heizöl über die Hügel kriechen, NOX sei Dank. Ach nee der Feinstaub ist schuld. Egal , auch das hilft dem Bahnhof.
    • Peter Kurtenacker
      am 06.12.2017
      Aber genau hinschauen, die EU-Gelder sind wegen des Flughafenanschluß geflossen. Und selbst das funktioniert bekanntermassen nicht mehr. Aber die EU wird wahrscheinlich nach den Motto "Darauf kommt es auch nicht mehr" nichts tun. Die zahlen und kümmern sich einen Dreck darum ob die Geld vereinbarungsgemäß verwendet wurden. Sind halt Beamte, die auf ihre Pension warten.
      Und die Folge wird sein, der eigendliche Bahnhof wandert mittelfristig Richtung Bad Cannstatt. Die Stuttgarter Innenstadt ist dann irgendwann tot. Na ja, das freud dann wieder ein paar Leute.
    • Markus Hitter
      am 07.12.2017
      Ui. Basta-Politik merkelscher Machart aus dem Hause Hans Wurst.

      Na denn. Merkel scheint ja gerade sehr erfolgreich mit ihrer Politik zu sein.
  • Kornelia ..
    am 06.12.2017
    Es ist nicht mehr lustig! Es ist ein Gewaltakt!
    Wo in den letzten Jahrzehnten eh so schleichend die demokratische Grundpfeiler aufgebröselt werden, sind solche Vorgänge Gift!
    Denn wie bei NSU, Bimbes Kohl, Banksterbeschiss, NSA,MappusNotheisMerksDeal, cumcumex, PanamaParadispPapers, Briefkastenfirmen, nahezu egal wo man hinschaut: es zeigt sich ein komplettes Staatsversagen!
    Alle wichtigen DemokratiePlayer glänzen durch Murks21!

    Und eigentlich noch schlimmer: Schulhofjungs, die sich an Kleinen und Schwachen vergreifen, aber bei vermeintlich Starken den Schwanz einklemmen!

    Wenn früher meine Oma rechtfertigte, sie hätte nix tun können, war ich skeptisch....
    Doch hier in Stuttgart erlebe ich die Ohn(e)macht am eigenen Leib! Fassungslos betrachte ich die nahezu komplette vorauseilende Gleichschaltung aller DemokratiePlayer! Kassandrisch sehe ich den Abgrund, doch die demokratischen Verantwortungsträger geben Gas!
    Es ist ja nicht nur die Demokratie,die abgebaut wird, es sind all die Inhakte für die Generationen teilweise mit dem Leben bezahlt haben!
    Das Projekt S21 ist System21 und das steht symbolisch für den Abbau all dem, was und wofür Menschen sich einsetzen und eingesetzt haben!

    Recht haben...ist ein blödes Recht!
    Schadenfreude... ist ne verpestete Freude!
  • Peter Kurtenacker
    am 06.12.2017
    Nur um einmal zu zeigen wie unsinnig inzwischen die ganzen Aktionen gegen S21 sind.
    Ich habe schon 2016 eine Anzeige wegen des Wasserschutzes bei S21 gemacht.
    Ein Thema war die Illegale Zusammenlegung der Baugrube 16 und 17.
    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte mir schriftlich das sie das prüft. Macht sie immer noch...
    Herr Gastel (Grüne) ging damals mit einer Anfrage bei der Bahn den offiziell nach. Aus der Antwort der Bahn an ihm (er ist Bundestagsabgeordneter!):

    Ihrem Hinweis auf die Zusammenfassung der beiden Baugrube 16 und 17 bin ich insoweit nachgegangen, als dass ich über Umwege die Deutsche Bahn darauf angesprochen habe.
    Deren sinngemäße Antwort:
    Sie habe zahlreiche solche oder ähnliche Behauptungen erhalten. Ein Widerspruch zu den Planfeststellungsvorgaben bestehe jedoch nicht und der Schutz des Grundwassers sei nicht gefährdet.
    Im Einzelnen:
    1. Die Baugruben 16 und 17 seien nicht zu einer zusammen gefasst worden.
    ....
    Ende Zitat ---
    Man schaue sich jetzt diesen Artikel an:
    https://www.swr.de/swraktuell/bw/stuttgart/s21-beschleunigung-der-baustelle/-/id=1592/did=18670708/nid=1592/s0giim/index.html

    Zudem plant die Bahn mehrere Baugruben gleichzeitig zu eröffnen, um auch dadurch die Arbeiten zu beschleunigen.

    Die wissen genau das sie die PFA 1.1 ändern müssen um die Bautaktung zu ändern. Das gehört zum hoch-heiligen Wasserschutz. Der BUND hat bis heute noch nicht verstanden das die das gar nicht interessiert. Zu seinen Gunsten, nicht nur der.

    Jetzt schaue man sich diese Frechheit an:
    http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/mediathek/detail/media/bauabschnitt-16/mediaParameter/show/Medium/

    Die stellen ganz offiziell Baugrube 16 und 17 vor. Also dümmer geht es doch nicht mehr.
    Ich versuche schon über 2 Jahre lang zu erklären das die illegal mehr ausheben als die dürfen, werde offiziell als Dummkopf hingestellt und sehe jetzt das die Bahn mich bestätigt. Was sollen die ganzen Proteste, wenn eh keiner mehr versteht was da technisch abläuft?
    Den Wasserschutz kann man sich am Ar.. abwischen.

    Mir hat ein Geologe einmal erzählt wie das mit den Pfählen abläuft:
    Die bohren lustig darauf los. Wenn es blubert, egal, stimmen die Messwerte für den Pfahl?
    Nein, weiter bohren. Das Blubern kommt vom aufsteigenden Mineralwasser.
    Aber da müsste man ja mit Fachleuten kontrollieren. Haben die zuständigen Behörden überhaupt diese Fachleute? Sind jemals irgendwelche Dinge in dieser Hinsicht überprüft wurden. Kann das ein Politiker einsehen?
    Ich warte schon ein Weilchen auf die PFA zum Brandschutz. Gibt es nicht. Die Bahnsteige müssen aus technischen Gründen mindestens 10,30m breit sein. Nach aktueller Planung ist jetzt 10m hergestellt, kann man nur aufgrund der alten Pläne vermuten. Der Bahnhof kann nie den Bestimmungen des Brandschutzes entsprechen, aber es wird gebaut. Schaut einmal das alte Thema "Engpass" aus der Schlichtung an. Selbst ich, als Bautechniker, habe damals übersehen, das die Treppe eine lichte Weite von 2,40m plus mindestens 2x5cm Geländer haben muss. Sie ist aber statt mit 2,50m mit 2,35m genehmigt wurden. Das war auch 2005 nicht Genehmigungsfähig.
    Und woran liegt es, das nichts mehr funktioniert? Es wird hier nur noch politisch argumentiert.
    Selbst die Proler aus den Baubereich räumen im privaten Gespräch längst ein das da irgendetwas schief läuft.
    Eigentlich ist ein Baustop überfällig. Und dann müssten Fachleute sich das ganze kritisch anschauen. Und von mir aus weiterbauen. Mir stinken teilweise auch die moralischen Quatschköpfe aus der linken Ecke. Es muß aber so langsam einmal überprüft werden wer hier mit welchen Motiven arbeitet.
    Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gehört in dieser Frage jedenfalls strafversetzt.
    Und die Architekten müssen Rede und Antwort stehen, warum sie die Vorschriften nicht einhalten.
    • Markus Hitter
      am 06.12.2017
      Sehr interessant. Obwohl ich mich zu den recht gut informierten Menschen zähle, wusste ich das mit der Treppenbreite noch nicht.

      Nur: unsinnig sind solche Aktionen und Beschwerden keineswegs. Zum Einen, weil sich dann die Behörden nicht mehr mit Unwissenheit heraus reden können. Zum Zweiten, wesentlich wichtiger, hält das den Druck im Kessel. Was haben sich nicht die Betreiber gefreut, dass die Volksabstimmung ja nun vorbei sei und sich damit der Protest bald legen würde. Klar, man glaubte, dass man dann freie Bahn hätte und fröhlich vor sich hin wurschteln könne.

      Doch dem ist eben nicht so, gerade dank solcher Aktionen. Und das ist auch gut so, denn jede dieser Behörden weiss sehr genau, dass ihr da eine Menge Leute auf die Finger schauen. Das ist sicherlich einer der Gründe, warum diese Verlegung der Fluchttreppenhäuser an die Bahnsteigenden noch keine Genehmigung erhalten hat. Weil eben sehr genau hingeschaut wird.

      Dass man da immer reihenweise dämliche Ausreden als Antwort bekommt ... geschenkt. Davon braucht man sich nicht unterbuttern lassen. Die Nachrichten selbst kommen schon an. Und das ist das, was zählt.
    • Marla V.
      am 07.12.2017
      Wchtige und gute Hinweise....
      Gibt es da Schriftliches? Auf einer MoDemo Vorzutragendes?

      "Mir stinken teilweise auch die moralischen Quatschköpfe aus der linken Ecke."
      Hä?
      Mir stinken eher die moralinsauren Gottesanbeter (S21 das Seelenheil Schuttgarts) aus der bürgerlich/konservativ/rechten Ecke: nahezu das komplette Parteienspektrum, und alle Institutionen incl der Firmen! Und wie viele Eisenbahner und Ingenieure und Architekten den Wackedackel abgeben!!
      Das Aufgebot der Weiter-macher ohne Rûcksicht auf Verluste ist schon grenzwertig!

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