"Abriss schwäbisches Guggenheim", titelte der Blog "Kessel.TV" vor einem Jahr zum damals noch bevorstehenden Schicksal des Stuttgarter Schwabenzentrums. Oder genauer: dessen Abschnitts B1 neben dem Nobelkaufhaus Breuninger. Der Vergleich mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao von Frank O. Gehry ist vielleicht etwas hoch gegriffen – auch wenn sich der Architekt Gerhart Kilpper, sicher geschmeichelt fühlen würde, wenn er noch am Leben wäre. Auch der Stuttgarter Bau hatte durchaus lebendige, geschwungene Treppen und Rampen, die zur U-Bahn hinabführten. "Beste Talabfahrt der Stadt", urteilte "Kessel.TV". Inzwischen ist all das Geschichte, das Grundstück weitgehend eingeebnet.
Warum musste das kaum mehr als 40 Jahre alte Gebäude schon wieder abgerissen werden? Dass das Schwabenzentrum – der Abschnitt B1 wurde 1983/84 errichtet – marode sei, hat niemand behauptet. Der Eigentümer, das Immobilienunternehmen Hines aus Texas, benötigt sechs Tage für eine nichtssagende Antwort: "Hines hat bereits mehrfach die Gründe für den Abriss öffentlich dargelegt. Daher sind Ihnen die Gründe sicherlich bekannt."
In einer Präsentation im Stuttgarter Gemeinderat, die Kontext vorliegt, hat der für Stuttgart zuständige Hines-Manager Emanuel Coskun gesagt, das Gebäude sei im gegenwärtigen Zustand nicht zu vermieten. Das mag sein, rechtfertigt aber noch nicht den Abriss. Die Flächen seien ungünstig geschnitten, so Coskun weiter, tragende Wände seien im Weg, zu wenig Licht ströme in die Räume, die Fenster an der Außenseite ließen sich nicht vergrößern. Unterm Strich hieße das: Erhaltbar wäre nur ein Stahlbeton-Skelettbau mit wandhohen, fast durchgängigen Fensterflächen. So wie es im geplanten Neubau, dem "Central One", der Fall sein soll.
Hines macht weitere Gründe geltend: "Struktureller Leerstand u.a. aufgrund ungünstiger Flächenzuschnitte & fehlender Belichtung" diagnostiziert Coskuns Präsentation in der Passage im Untergeschoss, die entmietet wurde, um den Bau abzureißen. Allerdings sollen die zwei unterirdischen Geschosse erhalten bleiben. Von einer "Aufweitung des Zugangs" ist mehrfach die Rede, nachdem doch ohne die "Talabfahrt" noch weniger Tageslicht in den Untergrund gelangt. Einige Folien weiter heißt es plötzlich, es entstünden "2 attraktive Verkaufsflächen mit bereits jetzt hoher Nachfrage und damit Auflösung des strukturellen Leerstands".




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