Wieder mal legt die Mercedes-Benz AG ein neues Sparprogramm auf. Da heißt es dann vor Weihnachten: "Alle Jahre wieder: Mercedes-Chef Ola Källenius verschärft den Sparkurs – auch weil der Jobabbau nicht so schnell vorankommt wie geplant." Fehlt es etwa an Geld? Nein, stellt man beim genaueren Hinsehen fest. Aber die Verantwortlichen gehen seltsam mit dem Geld um.
Ganz grundsätzlich: Der positive Beitrag von Unternehmen zur Gesellschaft ist, dass Werte produziert werden, die dann konsumiert oder investiv eingesetzt werden. Eine einfache Rechnung sagt hier: Umsatz minus Vorleistungen ergibt die Wertschöpfung. Diese Wertschöpfung kann nun verteilt werden: Die Mitarbeiter:innen erhalten Löhne, der Staat die Steuern und die Eigentümer:innen die Gewinne. Dieser Verteilungsprozess ist konfliktreich – sowohl hinsichtlich der Sozialverpflichtung des Eigentums als auch mit Blick auf das Allgemeinwohl. Schließlich gibt es ja Artikel14, Absatz 2 des Grundgesetzes: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."
In der Öffentlichkeit kann man diesen Konflikt immer wieder beobachten: zum Beispiel bei Tarifverhandlungen oder in der Diskussion über Personalkosten. Tarifverträge, Mindestlohn und Sozialabgaben – bei den Wertschöpfungsanteilen der Mitarbeiter ist alles relativ klar festgelegt. Die Kapitalrendite hingegen fluktuiert, ist in der Höhe, die als richtig empfunden wird, immer unklar. Im Prinzip gilt hier: "Genug ist nicht genug." Handwerksbetriebe, kleinere Mittelstandsbetriebe oder auch sozial ausgerichtete Betriebe (gibt es tatsächlich in Deutschland sehr viele) haben ein "Renditezufriedenheitsniveau". Dies erlaubt eine zukunftsfähige Entwicklung des Unternehmens, eine allgemeine Zufriedenheit mit den ökonomischen Umständen und gleichzeitig eine stabile Versorgung mit der für ein Unternehmen notwendigen Liquidität, also dem notwendigen Geld. Denn Ziel ist natürlich, die Zahlungsfähigkeit zu erhalten, um die notwendigen Ausgaben und Investitionen zu finanzieren.
Geldverschwendung als Unternehmenspolitik
In Großunternehmen kann sich der Prozess der Wertverteilung in Bezug auf die Gewinnverteilung in seltsamen Aktivitäten äußern, die auch die Liquidität gefährden können. In der öffentlichen Diskussion wird dieser Umgang mit Liquidität wenig thematisiert. Dort wird meist der Eindruck erweckt, die Unternehmen stünden unter Druck, benötigten dringend höhere Gewinne, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben; in der Regel wird dann der Personalkostenanteil an der Wertschöpfung als zu hoch angesehen – also Löhne runter. Wenn das nicht geht, werden gerne Arbeitsplätze abgebaut. Dabei muss Arbeitsplatzabbau nicht immer Kostenreduzierung bedeuten. Häufig werden Arbeitsbereiche outgesourct und an andere Unternehmen vergeben, die Kosten insgesamt aber senkt das oft nicht. Gutes Management dagegen würde sich um Produktivitätssteigerung bemühen, aber gutes Management ist selten.
Schaut man sich die Liquiditätspolitik vieler Großunternehmen an, muss die Rationalität der Manager und ihrer Vorgehensweise sowieso in Zweifel gezogen werden. So haben die 40 Dax-Unternehmen in Deutschland, trotz des Dauergejammers über zu wenig Liquidität, im Jahr 2025 etwa 54 Milliarden Euro an Dividende bezahlt. Es sind also genügend finanzielle Mittel da. Diese seltsame Liquiditätspolitik lässt sich auch als Geldverschwendung bezeichnen.
Nehmen wir das Beispiel der Daimler AG, heute Mercedes-Benz. Hauptsächlich sind es drei Instrumente, mit denen Geld verschwendet wird: Dividendenzahlung, Aktienrückkäufe und Personalabfindungsangebote. Nichts davon werden Sie bei Ihrem lokalen Handwerker, bei Ihrem Bäcker oder Metzger und in der Regel auch nicht bei einem mittelständischen Familienunternehmen vorfinden.
Dividenden für den kurzfristigen Erfolg
Dividendenzahlungen bei einer Aktiengesellschaft sind der Anteil der Aktionäre an der Wertschöpfung eines Unternehmens. Die sogenannte Dividendenrendite setzt den Kurs und die Dividende in Bezug zueinander. Für das wirtschaftliche Handeln des Unternehmens ist die Zahl allerdings nicht relevant, hier sind Investitionen sehr viel wichtiger. Dennoch haben die 40 Dax-Unternehmen in Deutschland im Jahr 2025 die enorme Summe von 54 Milliarden Euro an Dividende bezahlt.
Die Kursentwicklung der Aktien sind zwar für die Aktionäre relevant, für die Unternehmensliquidität ist sie jedoch nur wichtig bei Aktienausgabe oder bei deren Rückkauf. Die amerikanische Firma Apple hat unter ihrem Chef Steve Jobs 17 Jahre lang keine Dividende bezahlt, stattdessen wurde die Liquidität in Produktentwicklungen investiert. Langfristig haben die Apple-Aktionär:innen davon sehr viel mehr profitiert als durch kurzfristige Dividendenzahlungen.




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