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Wo ist er bloß gelaufen – der Friedrich Hölderlin?

Wo ist er bloß gelaufen – der Friedrich Hölderlin?
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Unscharfe Bilder? Das geht doch nicht! Wir wollen alles genau sehen – und wissen trotzdem nicht, ob es die Wirklichkeit ist. Normalerweise ist der Mengener Fotograf Claudio Hils superpräzise mit dem Stativ unterwegs, damit nichts verwackelt, alles sauber ausgeleuchtet und farblich stimmig ist. So hat er für große Magazine ("Geo", "Zeit-Magazin", "Globo") gearbeitet, und so hat er sich's auch überlegt, als ihn der Ravensburger Autor Thomas Knubben gefragt hat, ob er sich mit ihm nicht auf die Hölderlin-Reise begeben wolle. Jene Wanderung im Winter 1801 von Nürtingen nach Bordeaux, von welcher der Dichter zutiefst verstört zurückgekommen ist. Und keiner weiß, warum?

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Hils ist nicht mitgekommen, weil er nicht die übliche Reisereportage machen wollte. Was hätte er auch fotografieren sollen, wenn nicht klar ist, welchen Weg Friedrich Hölderlin genau genommen hat? Den Wanderer Knubben, der vor schießfreudigen Jägern auf der Sauhatz flieht, oder verwunschene Postkutschenwege, auf denen sich der einsame Dichter vielleicht bewegt hat? Getrieben von "Herzens- und Nahrungsnot".

Die beiden Professoren, der eine für Fotografie, der zweite für Kulturwissenschaft, haben eine andere Sicht der Dinge gewählt. Unschärfe, als "Spiegelbild des Ungefähren", wie Hils sagt, bewusst nicht dokumentarisch, um der Fantasie Raum zu geben. Sprich, der lichtbildnerische Amateur Knubben hat geknipst und der Profi am Computer gearbeitet. Herausgekommen sind Bilder von unscheinbarer Schönheit, die allerlei Gedankenspiele zulassen, was Hölderlin auf seiner verstörenden Winterreise wohl passiert sein könnte. Und sind wir nicht alle Wanderer, "fort durchs Leben, und fürchte nichts"?

 

Claudio Hils, 1962 in Mengen geboren, lebt und arbeitet dort als freier Autorenfotograf und Kommunikationsdesigner. Er ist Kurator zahlreicher Ausstellungen historischer und zeitgenössischer Fotografie und seit 2008 Professor für Fotografie an der Fachhochschule Vorarlberg, Österreich.

Thomas Knubben, 1960 in Rottweil geboren, lebt in Ravensburg und lehrt an der PH Ludwigsburg. Er studierte Geschichte, Germanistik und Empirische Kulturwissenschaft in Tübingen und Bordeaux. Seine Veröffentlichungen schlagen die Brücke zwischen Kulturgeschichte, Kulturmanagement und Kunst.

 

Info:

Ausgestellt sind die Hölderlin-Reise-Fotos im Museum Biberach noch bis zum 17. April. In gedruckter Form gibt es "Eine Winterreise" von Thomas Knubben und Claudio Hils im Verlag Klöpfer & Meyer.


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1 Kommentar verfügbar

  • Zaininger
    am 16.01.2016
    Antworten
    Das hört sich doch ziemlich abgedreht an: man weiß nix genaues, aber das kann man ja irgendwie unscharf dokumentieren. Da wünschte sich der interessierte Leser doch etwas historisch fundiertes Beiwerk: wie reiste man damals, finanzierte das, traf auf welche Grenzen, geriet in welche sozialen,…
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